Planung für Bahnhofsumfeld abgesegnet

Wieder einen Schritt weiter

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Mehr wie ein schwarzes Loch wirkt die niedrige Unterführung nördlich des Schongauer Bahnhofs.

Schongau – Seit vielen Jahren bemüht sich die Stadt Schongau darum, dem wenig ansehnlichen Bahnhofsareal neues Leben einzuhauchen – bislang mit bescheidenem Erfolg, was vor allem an den komplizierten Rahmenbedingungen und Besitzverhältnissen liegt. Doch jetzt scheint endlich etwas vorwärtszugehen: In der jüngsten Bauausschusssitzung billigte das Gremium die neue Planung für das Bahnhofsumfeld.

Der Schongauer Bahnhof und seine Umgebung sind ein Dauerthema, um nicht zu sagen ein Dauer-Ärgernis. Dabei hatte alles vielversprechend begonnen. Als die Bahn 2008 durchblicken ließ, dass sie einige ihrer Flächen nicht mehr benötige, handelte die Stadt schnell. Man stellte einen Bebauungsplan auf und erließ eine Veränderungssperre, um die eigenen städtebaulichen Interessen zu sichern. 

Es begannen die Planungen, wie das Gelände in Zukunft genutzt werden könnte. Und die waren vielversprechend: Ein zentraler Busbahnhof, Park and Ride-Stellplätze, Gewerbe, viel Grün. Zu sehen ist davon bislang allerdings nichts. Denn die Verhandlungen mit der Bahn und ihren beteiligten Tochtergesellschaften gestalteten sich von Beginn an schwierig. 

Dennoch war man bei der Stadt guter Hoffnung – bis die DB entschied, den Ladehof samt Gleisanlage anders als ursprünglich vereinbart doch nicht entbehren zu können. Dieser Bereich spielte in der Planung eine zentrale Rolle.

So kam erst im vergangenen Jahr wieder Bewegung in die Sache, als Andreas Holzhey mit seiner Firma Bürgerbahnhof Oberland das Bahnhofsgebäude erwarb und auch die Stadt endlich weitere wichtige Flächen im Umfeld kaufen konnte. „Wir sind froh, dass wir nach einem langen Leidensweg jetzt endlich einen neuen Entwurf diskutieren können“, stellte Stadtbaumeister Ulrich Knecht in der jüngsten Bauausschusssitzung fest. 

Dieser entscheidet sich von der bisherigen Planung vor allem im nördlichen Bereich. Dort sollten ursprünglich direkt angrenzend an das Bahnhofsgebäude die Park-and-Ride-Plätze samt Busbahnhof entstehen. Dafür aber hätte das Ladegleis weichen müssen. 

Stattdessen werde man die Stellplätze jetzt schlauchartig entlang der Hermann-Ranz-Straße platzieren, erklärte Planer Martin Eberle. Das nötige Grundstück, das an seiner schmalsten Stelle neun Meter breit ist, hatte die Stadt im Vorjahr erworben. Die Anzahl von 50 bis 60 Parkplätzen bleibe gleich, betonte Eberle. Dahinter bleibt Platz für eine 1000 Quadratmeter große Gewerbefläche. 

Beim Bahnhofsgebäude sieht die Planung einen mindestens 100 Quadratmeter großen öffentlich zugänglichen Bereich vor. Dies könnten der Fahrkartenverkauf, ein Food Store oder auch Toiletten sein, erläuterte Eberle. Beherbergungsbetriebe und auch Wohnungen sind dagegen ausgeschlossen – der Lärm der vorbeiführenden Straße ist zu groß. 

Eine Ausnahme gebe es allerdings möglicherweise für eine Hausmeisterwohnung, fügte Dirk Kirsten hinzu. Der Schallschutz-Experte hatte die Lärmsituation untersucht und räumte auch einer abendlichen Gastronomie-Nutzung Chancen ein. Dafür müsse aber für entsprechenden Lärmschutz gesorgt werden. Südlich des Gebäudes sollen weitere 15 bis 20 Stellplätze entstehen. 

Überraschend waren die Pläne für die leerstehende Güterhalle, die an dieser Stelle ein Sondergebiet für Bildung, Kultur und Soziales vorsahen. „Man könnte dort Ausstellungen zeigen oder ein Theater einrichten“, erklärte Eberle. Die Grünfläche südlich der Halle soll erweitert werden, bestehende Bäume sollen erhalten werden. 

Als „wichtiges Bindeglied“ zum Übergang in die freie Natur sah Eberle die östliche Seite des Bahnhofsgeländes. Viele Grünflächen sowie ein Geh- und Radweg schweben dem Planer daher an dieser Stelle vor. Explizit erwähnte er in diesem Zusammenhang auch die Unterführung im Norden. 

Im Gremium stieß der Entwurf auf breite Zustimmung. Nur beim Sondergebiet Kultur wollten die Stadträte dem Planer nicht folgen. „Wir sollten dort eher Parkplätze bauen“, fand Paul Huber (CSU) und auch Friedrich Zeller hielt die Lage für eine Kulturstätte für „denkbar ungeeignet“. Mit 6:2 Stimmen folgte das Gremium dem Vorstoß.

Anregungen gab es auch hinsichtlich der Unterführung. Helmut Hunger (CSU) schlug vor, diese zumindest mit einer Beleuchtung auszustatten und vielleicht ein bisschen herzurichten. „Das wäre schon ein Fortschritt.“ Dem pflichtete auch Bettina Buresch bei: „Die ist gruselig.“ Die ALS-Stadträtin machte sich deshalb für eine oberirdische Möglichkeit, die Gleise in Höhe des Bahnhofgebäudes zu überqueren, stark. Doch in diesem Punkt konnte ihr Eberle keine Hoffnungen machen. „Da hat die Bahn ihre eigenen Vorstellungen. Da haben wir auch kein Planungsrecht.“ 

Die Zustimmung zur Planung fiel einstimmig.

Christoph Peters

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