"Planung ohne Ortskenntnis"

Statteten Oberst Ferdinand Baur (re.) einen Besuch in Altenstadt ab: Landrat Friedrich Zeller (li.) und SPD-Bundestagsabgeordneter Rainer Arnold. Foto: Peters

Altenstadt – Ein dreiviertel Jahr ist es her, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Details zur geplanten Strukturreform der Bundeswehr vorstellte. Auch an Altenstadt geht der Umbau nicht ohne Spuren vorüber. Die Franz-Josef-Strauß-Kaserne verliert die Luftlande- und Transportschule. Dass er diese Entscheidung nicht nachvollzie-hen kann, daraus hat Landrat Friedrich Zeller (SPD) in den vergangenen Monaten keinen Hehl gemacht. Am Mittwoch besuchte er nun gemeinsam mit dem verteidigungspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, den Standort. Letzterer hatte vor allem eine Aussage im Gepäck: Sollte der Regierungswechsel bei der Bundestagswahl 2013 gelingen, würde Altenstadt wohl noch einmal auf den Prüfstand kommen.

Schon nach wenigen Worten wird klar, dass sich Arnold, der seinen Wahlkreis im badenwürttembergischen Nürtingen hat, im militärischen Bereich bestens auskennt. Fließend referiert er über aktuelle Konflikte in Afghanistan und Irak und beschreibt zukünftige Szenarien, die die Bundeswehr vor neue Herausforderungen stellen werden. Landrat Friedrich Zeller und Standortkommandeur Oberst Ferdinand Baur sitzen nickend daneben. Eine Reform der Strukturen sei dafür durchaus nötig, räumt Arnold ein, ehe er schließlich das sagt, was besonders Baur an diesem Tag gern gehört haben dürfte: „Das bedeutet aber nicht, ein gewachsenes Umfeld wie hier in Altenstadt allein aus finanziellen Motiven zu zergliedern und zerreißen.“ Dann zählt der Bundestagsabgeordnete all jene durchaus plausiblen Gründe auf, die seit Monaten für den Verbleib der Fallschirmjäger in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne angeführt werden: der eigene Luftraum, die Nähe zu zwei Flughäfen, die besonders geeignete Topographie. Angesichts dieser Fakten habe er den Eindruck, stellt Arnold fest, dass die „Planung am Schreibtisch ohne Ortskenntnis“ erfolgt sei. Die Regierung müsse sich daher kritische Fragen gefallen lassen, kündigt er an: „Was leistet der Stützpunkt jetzt? Was spart man durch die Reform? Und was wird besser?“ Fragen, auf die sich auch Baur immer noch eine Antwort erhofft. Die Umsetzung der Reform hat derweil längst begonnen. Schon in diesem Jahr endet die Lademeisterausbildung, 2013 wird die Einzelkämpfer- und Führerausbildung nach Hammelburg verlegt. Dass die Kaserne durch die hinzukommende Unteroffiziersausbildung immerhin erhalten bleibt, nennt Arnold einen „Phyrrussieg der CSU“. Er bezweifelt: „Ich glaube nicht, dass das eine langfristige Lösung ist.“

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