Stadtrat verschafft seinem Unmut Luft

Es riecht was faul im Schongauer Westen

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Dieses südlich von Altenstadt auf einem ehemaligen Aussiedlerhof befindliche Büro und der Fuhrpark ziehen um. Sie sollen einen neuen Platz am Betriebsgelände an der B 472 finden, das noch zusätzlich Vergrößerungsmaßnahmen erfahren soll. Dem Schongauer Stadtrat gefällt das weniger.

Schongau – Im Schongauer Westen stinkts bisweilen bis zum Rande des Ertragbaren und mitunter darüber hinaus. Dieser Meinung sind Teile des Stadtrats bei dessen Sitzung am Dienstag gewesen. Während ein Gutachten nahelegt, wer dafür verantwortlich sein dürfte, haben einige Stadträte eine ganz andere Geruchsquelle ausgemacht. Und weil eben deren vermeintlicher Urheber, die Emter GmbH/Ökopower GmbH, seinen Standort an der B 472 auf Altenstadter Flur erweitern will, sahen sie nun die Gelegenheit gekommen, ihren Unmut kundzutun.

Aktuell unterhält das Unternehmen zwei Standorte in Altenstadt: einen an der B 472 in Richtung Marktoberdorf und einen an der Alpenstraße südlich der Gemeinde. An letzterem sollen beide künftig zusammengefasst werden. Dafür ist dort auch eine Erweiterung in Richtung Osten – also gen Schongau – vorgesehen. 2022 erfolgt der Bau einer Werkstatt mit Spedition für betriebseigene Lkw und eines Bürogebäudes, danach soll eine Phosphorrecycling-Anlage realisiert werden, die mit Klärschlamm arbeitet. Noch dieses Jahr ist eine weitere Trocknungsanlage für Klärschlamm und eine zur Aufbereitung von Gärresten vorgesehen.

Der dafür zuständige Gemeinderat Altenstadt hatte den Bebauungsplan-Vorentwurf Ende Juli gebilligt. Während die Regierung von Oberbayern keine Probleme sah, forderte das Landratsamt ein Lärmschutz- und Geruchsgutachten. Dabei gilt das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) (wir berichteten). Nun hatte Schongau als Träger öffentlicher Belange die Möglichkeit, seine Stellungnahme zu den Planungen auf Altenstadter Seite abzugeben.

An diesen gebe es formal nichts auszusetzen, schätzte die Verwaltung der Lechstadt ein – auch nicht aus immissionsschutzrechtlicher Sicht. Der Vorschlag zum Beschluss, den der Stadtrat vorgelegt bekam, enthielt dementsprechend auch keine Einwände, sondern lediglich die Anregung, zukünftige Erweiterungen der Firma in Richtung Westen vorzunehmen. Denn das Immissionsgutachten ergab, dass die gesetzlichen Werte auch nach der anvisierten Erweiterung eingehalten werden – wenngleich sie dann an die maximal erlaubte Belastungsgrenze heranreichen.

Müffelnder Dritter

Allerdings, so erklärte es Stadtbaumeister Sebastian Dietrich, müffle ein anderes Unternehmen über die Maßen. Denn ins Gutachten flossen auch die Anlagen der Fremdfirmen Erdgas Schwaben mit ihrer Biogasaufbereitung und die Futtermitteltrocknungsanlage der Futtertrocknung Altenstadt ein. Ein anderer Betrieb als Emter/Ökopower verströme eine deutliche Geruchsbelästigung, kam dabei heraus. Die betreffende Anlage entspreche nicht dem Stand der Technik.

Dass in Schongau-West bisweilen recht dicke Luft herrsche, bestätigte Stadtrat Roland Heger (UWV). Es sei eine Zumutung, das Ende des Ertragbaren sah er bereits erreicht. Erst mal sei die Geruchsbelastung auf ein erträglicheres Maß zurückzufahren, bevor an eine Erweiterung zu denken sei. Er wisse genau, welcher Geruch um sein Wohnhaus herum welchem Unternehmen zuzuordnen sei, verkündete Gregor Schuppe (ALS). „Was stinkt, ist der Emter.“ Seine Schlussfolgerung: „Entweder täusche ich mich oder die Grenzwerte zielen ins Leere oder das Gutachten ist fehlerhaft.“

Das sah Helmut Hunger (CSU) genauso. „Dass der Emter stinkt, wissen wir.“ Wolle das Unternehmen erweitern, müsse es zuerst einmal seine „Hausaufgaben“ machen. Dass das zuständige Landratsamt trotz „zig Anrufen“ nichts unternehme, sei „Wahnsinn“. Emter/Ökopower solle erst einmal beweisen, „dass aktuell alles stimmt – dann kann man über die Zukunft reden.“

Zwei Paar Schuhe

Als formal schwierig bewerteten Dietrich und Bürgermeister Falk Sluyterman diese Verknüpfung eigentlich unterschiedlicher Themen. Denn an der Erweiterung als solcher – und um jene ging es nun mal – gebe es nichts auszusetzen. „Es ist ein anderer Betrieb, der nicht passt“, hielt Dietrich das Gutachten dem Riecher der Stadträte entgegen. Die Erweiterung werde als unkritisch eingestuft, unterstrich auch das Stadtoberhaupt. „Ob der Bestand passt, ist eine ganz andere Frage.“

Um Verständnis für das Unternehmen warb nur Markus Wühr (CSU). Es seien nun mal menschengemachte Reste, mit denen dort gearbeitet werde. „Wir sind froh, wenn wir unser Zeug entsorgen können.“ Er vermute, dass es vor allem dann zu Geruchsbelästigung komme, wenn auf Äckern, die an die städtische Bebauung heranreichen, der Klärschlamm eingearbeitet werde.

„Haben wir gar keine Handhabe gegen eine Betriebserweiterung?“, wollte Ilona Böse (SPD) wissen. Auch ihrer Meinung nach gelte es erst einmal abzuklären, von wem der teils unangenehme Geruch ausgehe. Man brauche eine belastbare Grundlage, erklärte Dietrich. Dass sich Emter/Ökopower etwas zuschulden kommen lasse, dafür „haben wir keine Anhaltspunkte.“ In Sachen des schon aktuell festgestellten Gestanks aufgrund veralteter Technik bei einem anderen Unternehmen werde das Landratsamt aktiv.

Dennoch goss Dietrich die aufgenommenen Bedenken in einen Beschlussvorschlag, der dann auch mit einer Gegenstimme angenommen wurde: „Auf Grund wiederholter Beschwerden der Anwohner der nahen Wohngebiete in Schongau West und Schongau Forchet beschließt der Stadtrat folgende Einwendung geltend zu machen: Die im Gutachten festgestellten ‚deutlichen Geruchsemissionen‘ einer standortnahen Fremdfirma zur Biogasaufbereitung, die nach Gutachtermeinung nicht dem Stand der Technik für solche Anlagen entsprechen, sind durch die zuständigen Fachbehörden zu überprüfen und es sind entsprechende Maßnahmen zu veranlassen.“

ras

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