Volles Haus Schongauer Podiumsdiskussion

"Für mehr Bürgerbeteiligung"

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Das Jakob-Pfeiffer-Haus war voll. Zu Wort meldeten sich v.li.: Ralf Schnabel (UWV), Robert Stöhr (CSU), Moderator Boris Forstner, Falk Slyterman (SPD) und Tobias Kalbitzer (Wählergruppe „Karl-Heinz Rumgedisse“).

Schongau – Viele Wähler sind immer noch unentschlossen, welchem der vier Bewerber ums Bürgermeisteramt sie in der anstehenden Kommunalwahl ihre Stimme geben sollen.

Dies bestätigte auch das breite Interesse an der Podiumsdiskussion der Schongauer Bürgermeisterkandidaten vergangenen Donnerstag im Jakob-Pfeiffer-Haus.

Boris Forstner, Chefredakteur der Schongauer Nachrichten, der die Veranstaltung moderierte, musste sich gleich zu Beginn für erhebliche Platzpro- bleme rechtfertigen. Man habe nur für 300 Gäste Sitzmöglichkeiten, erklärte er bereits wenige Minuten nach dem Einlass. Die waren dann aber auch gleich alle belegt. Mit so einem Ansturm hatte man offensichtlich wohl nicht gerechnet. So kam es, dass viele Besucher hinten und an den Seiten stehen mussten.

Bürgerbeteiligung müsse in Zukunft groß geschrieben werden, da waren sich alle vier Kandidaten einig. Unter ihm als Bürgermeister würden Bürger stärker in Entscheidungsprozesse integriert werden, versprach beispielsweise der Kandidat der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV) Ralf Schnabel. Ein Ansatz, dem sich seine Kontrahenten nahtlos anschlossen. Auch SPD-Kandidat Falk Slyterman erklärte die Stärkung des Dialogs mit den Bürgern zu einem seiner zentralen Anliegen. Robert Stöhr von der CSU wurde ebenfalls nicht müde, den Wert des Austauschs mit den Bürgern – zunehmend auch über die sozialen Netzwerke rund um Facebook – zu betonen.

Der vierte Kandidat, Tobias Kalbitzer von der unabhängigen Wählerorganisation „Karl-Heinz Rumgedisse“, setzt gar voll auf die Schwarmintelligenz eines Bürgerkollektivs. Man müsse von Fall zu Fall hinschauen, mit allen Seiten reden und dann schauen, was das Beste für Schongau ist, wiederholte Kalbitzers fast gebetsmühlenartig.

Insgesamt gelte es festzustellen, dass das Interesse der breiten Öffentlichkeit an der Lo- kalpolitik immer größer werde, so Kalbitzer, und das läge wahrscheinlich nicht nur an seiner Kandidatur. Mit Sätzen wie diesem brachte Kalbitzer die Leute im Saal zum Lachen. Neben ihm wirkten die anderen Kandidaten fast ein bisschen blass. So gelang es Kalbitzer dann auch tatsächlich, für die echten Akzente des Abends zu sorgen – getreu dem Motto: „Ich hab eh keine Chance also nutze ich sie“ – indem er auf seine originelle, unbedarfte Art unmissverständ- lich klar machte: „Ich bin einer von euch; mein primäres Ziel ist nicht Bürgermeister zu werden, sondern das Interesse an Lokalpolitik zu steigern.“

Für Moderator Forstner war es indes nicht leicht im Laufe des Abends größere inhaltliche Unterschiede zwischen den Kandidaten herauszuarbeiten. Viele ihrer Antworten blieben recht vage und waren geprägt von Allgemeinplätzen.

Beim Thema Nachhaltigkeit zum Beispiel sprachen die Kandidaten im Grunde mit einer Stimme. UWV-Kandidat Schnabel möchte mit Schongau in Richtung einer autarken Kommune gehen, die ihren Energiebedarf mittels Wasserkraft und Photovoltaik selbst gewährleisten kann. Das ist eine Vision, die auch seinen Kontrahenten vorschwebt. Beim Thema Infrastruktur möchten ebenfalls alle Kandidaten den öffentlichen Nahverkehr stärken. Hier kann sich vor allem SPD-Kandidat Sluyterman als Fachmann ausweisen, er arbeitete im Bundesverkehrsministerium in Bonn. Eines seiner vorgestellten Projekte, die Reaktivierung der Fuchstalbahn Richtung Landsberg, löste großen Befall unter den Besuchern aus.

Das allgemeine Konsensverhalten veranlasste Forstner dann sogar dazu, die Möglichkeit einer großen Koalition ins Spiel zu bringen. Auch in der zweiten Hälfte, in der sich das Publikum zu Wort melden konnte, ließen die Kandidaten wenige inhaltliche Unterscheidungsmerkmale erkennen. Dies liegt wahrscheinlich auch in der Natur einer solchen Veranstaltung. Naturgemäß möchte jeder Bürgermeister werden, niemand will in diesem Rahmen unpopuläre Standpunkte einnehmen, niemand will sagen, dies und jenes könne man nicht machen, weil kein Geld da ist. CSU-Kandidat Stöhr brachte es ganz gut auf den Punkt, als er sagte, dass sich letztendlich jeder der Kandidaten Kooperationsbereitschaft und Bürgernähe auf die Fahne schreibe.

Die Frage ist jedoch, ob die Kandidaten damit einen Nerv treffen, ob die Bereitwilligkeit, sich zu engagieren in der Bevölkerung, tatsächlich so groß ist. Um Schongau voranzubringen, um ein Schongau für alle zu kreieren, wie Kalbitzer in Anspielung auf den UWV Slogan propagierte, scheint Bürgerbeteiligung unabdingbar, egal wer am Ende das Rennen macht. In einem sind sich nämlich ebenfalls alle Kandidaten einig: Die bisherige Arbeit des Stadtrats braucht Veränderung. Ein moderierender Bürgermeister, der im Stande ist, Frieden in parteipolitische Grabenkämpfe zu bringen.

Das Rennen ums Bürgermeisteramt in Schongau ist also weiter offen. Es wird wohl eine der spannendsten Wahlen der letzten Jahre werden, auch weil sie so personenbezogen ist. Sympathien könnten hier letztlich die Entscheidung bringen. Die Testwahl, die im Zuge der Podiumsdiskussion stattfand, dürfte hier einen kleinen Vorgeschmack geben. Hier siegte übrigens der Außenseiter Kalbitzer überraschend deutlich vor seinen Kontrahenten.

Von Moritz Fink

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