Vier wollen in Wörles Fußstapfen

Steingadener Bürgermeisterkandidaten stellen sich bei Podiumsdiskussion vor

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Moderatorin Barbara Köpf befragte vor mehr als 500 Zuhörern die Bürgermeisterkandidaten Roberta Leimbach, Thomas Illert, Max Bertl und Bernhard Hollerbach (v. rechts) zu den Belangen Steingadens.

Steingaden – Erstmals haben sich alle vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahlen in Steingaden der Öffentlichkeit vorgestellt. Eingeladen hatte die Frauenliste mit ihrer Kandidatin Roberta Leimbach, daneben standen Max Bertl (CSU), Thomas Illert (Pro Steingaden) und Bernhard Hollerbach (UWV, PWV und Liste für Steingaden) auf dem Podium Rede und Antwort. In der Hauptsache ging es um die Zukunft des Marktplatzes und den innerörtlichen Verkehr, aber auch um Tourismus, Handel und Handwerk sowie um eine transparente Politik.

Versprechen wollten die vier Kandidaten nichts. Weder, was sie ändern oder anpacken würden, sollten sie Xaver Wörles Nachfolger werden. Noch welche Visionen sie für das Bürgermeisteramt oder den Ort haben. Das mag zum einen an den Problemen liegen, die der eine oder andere der mehr als 500 Zuhörer in der Turnhalle thematisierte. Aber auch an dem Wissen der vier Kandidaten, die entweder bereits Erfahrungen auf dem politischen Parkett sammeln durften (Roberta Leimbach und Bernd Hollerbach sind Gemeinderäte) und entsprechend die Problematik kennen. Oder wie Thomas Illert und Max Bertl eben noch nicht so genau über die Interna Bescheid wissen, die Bürger aber bei den Themen gern einbinden würden und ihre Informationen nun im Wahlkampf sammeln. Nicht umsonst spielte Thomas Illert den Ball bzw. die Frage nach den Visionen an die Bürger zurück und gab zu verstehen, dass weder Bürgermeister noch Gemeinderäte die Weisheit gepachtet hätten und eine Kommune mehr sei als nur dieses politische Gremium.

"Zu früh für Visionen"

Allein, dass es die Gemeinde beim Thema Marktplatz mit privaten Eigentümern und Unternehmern zu tun hat, deutet die Problematik an. Hatten die Bürger an Max Bertl herangetragen, doch den Gasthof Post zu kaufen, so merkte der Jüngste im Bund der Kandidaten an, dass weder das möglich sei für die Gemeinde noch die Problematik für das Ensemble bis hin zum Pförtnerhaus (am Areal des ehemaligen Milchwerks) löse. Hier brauche es ein Gesamtkonzept, so Bertl. Dabei aber spielen noch sehr viel mehr Vorgänge mit, wie man den Worten Leimbachs entnehmen konnte. „Es ist einfach zu früh für Visionen“, so Roberta Leimbach. „Das eine oder andere kommt erst demnächst auf den Tisch“. Scheinbar soll es zu diesem Thema eine wie auch immer geartete Informationsveranstaltung kommende Woche geben, hatte Thomas Illert angemerkt, bei dem der aktuelle Stand zum Thema Marktplatz bekannt gegeben werden soll.

Der Steingadener Marktplatz, insbesondere die Belebung desselben und das Zanetti-Haus spielt in der Politik der Gemeinde eine große Rolle. Seit Jahren schon steht das ehemalige Bekleidungsgeschäft leer, zuletzt gab es eine Initiative, hier ein Café anzusiedeln und Produkte aus der Region zu verkaufen. Ohnehin aber sehe er die Problematik am Marktplatz nicht so sehr in einem leer stehenden Haus, merkte Hollerbach an. Dem stünden elf Gewerbe und Geschäfte gegenüber, die hier nach vor angesiedelt seien. „Eigentlich ist in jedem Haus ein Geschäft drin“, so Hollerbach. Die Herausforderung aber sei es vielmehr, den Bestand zu halten. Doch wie müsste dieses Konzept aussehen, denkt man vor allem auch an das Thema Tourismus und Verkehr. Ein autofreier Platz, den die durchfahrenden Touristen dann gänzlich ignorieren? „Wir haben uns Gedanken gemacht“, so die gelernte Hotelfachfrau, die später noch eine Ausbildung in der Verwaltung angeschlossen hatte. So könnte man sich hier auch kleine Geschäfte vorstellen, wo Startups ihre Produkte, etwa aus dem Upcycling, präsentieren können.

Während Thomas Illert die Vorstellung, hier am Marktplatz etwa Arbeitsplätze für behinderte Menschen aus der Langau zu schaffen, begrüßte, merkte er gleichzeitig kritisch an, gemischte Gefühle zu hegen, wenn sich eine Kommune über Pachtverträge langfristig in der Privatwirtschaft engagiere. Doch für Illert steht (und fällt) mit einem sauber hergerichteten Marktplatz und einer entsprechenden Infrastruktur das Thema Tourismus, habe man doch heute über Bewertungsportale die Möglichkeit, einen Ort auch nach diesen Gesichtspunkten zu bewerten. Diese Punkte hatte der Realschullehrer, der Kommunikationstechnik studiert hatte, auch schon eingangs angesprochen; in einer schnelllebigen und vor allem digitalen Welt Steingaden bereit machen zu wollen für diese Zukunft.

"Kinder sind ein Muss"

Man habe doch schon einiges geschafft, attestierte der eine oder andere Zuhörer dem bisherigen Gemeinderat und Bürgermeister. Die Infrastruktur sei doch bombastisch, aber wie geht es weiter? Etwa beim Thema Wohnraum und dem damit verbundenen Kindergarten, dem Handwerk im Ort und dem Tourismus. Das seien, so Bernhard Hollerbach, selbstverständlich Aufgaben für den neuen Gemeinderat. Aber, schränkte der Steingadener „Ureinwohner“, wie er sich selbst vorgestellt hatte, ein: „Ich schlag erst dann etwas vor, wenn ich weiß, wie ich es umsetzen kann“. Und natürlich sind Bildung und Kinder Themen, die jede Gemeinde im Blick habe, pflichtete Leimbach ihm bei. „Kinder sind ein Muss für die Gemeinde“, ebenso wie die Investition in das Handwerk am Ort. Wobei es vor allem darum gehen müsse, so Bertl, das Vorhandene zu erhalten. Leider, bedauerte der Bankfachmann, der seit vergangenem Jahr die Sparkassenfiliale in Steingaden leitet, „ist man nie so nah dran (am Thema), wie man gerne möchte“.

Dabei waren sich die vier Bürgermeisterkandidaten einig, dass nicht nur beim Tourismus, sondern auch beim Thema Verkehr wie auch dem Marktplatz, der Expertise von außen bedürfe. „Dazu fehlt uns das Fachwissen“, hatte Roberta Leimbach gemeint, man müsse sich mit den entsprechenden Fachleuten zusammensetzen und vielleicht viele kleine Konzepte statt des einen großen erarbeiten. Dass es dabei auch darum gehen muss, junge Menschen wieder für den Urlaub, eventuell den Kultururlaub daheim zu begeistern, kam dabei ebenso zur Sprache wie der Umstand, dass Gäste und Übernachtungszahlen schon da seien, aber die richtigen Konzepte zur besseren Vermarktung und Wertschöpfung fehlten.

Das scheint auch der Grund für die Verkehrsprobleme zu sein, die man auf der B17 erlebt – die Gäste fahren alle durch auf dem Weg in den Süden. Doch seit den Blütentagen vergangenes Jahr gibt es Auflagen für die Ampelnutzung im Ort. Hatte die doch einen gewaltigen Rückstau erzeugt, der so auch bei einem erwünschten Tempolimit auf der Bundesstraße (Tempo 30) entstünde. Damit erreiche man gar nichts, so das Resümee Leimbachs. Und der gelernte Werkzeugmacher Hollerbach hatte eingangs schon festgestellt: „Den Verkehr auf der B17 bring I ned weg“.

In den gut zweieinhalb Stunden bekamen die zahlreichen Zuhörer einen kleinen Einblick in die vielfältigen „Baustellen“ im Ort. Es wurde das neue TSV-Sportheim angesprochen, wo es dieselben Probleme gibt wie bei der Anlage eines Fuß- und Radweges entlang der B17 – nämlich die fehlenden Grundstücke bzw. der fehlende Willen, Grund und Boden herzugeben. Dadurch mangele es auch der an Platz zur Erweiterung bestehender Betriebe, deshalb müsse man neue Gewerbegebiete, aber auch Baugebiete ausweisen, solle der Ort lebensfähig bleiben. Dafür aber bedürfe es viel Fingerspitzengefühl, sagte Thomas Illert, wolle man die Balance behalten und auch nicht zu viel Fläche versiegeln. Hier wäre aus seiner Sicht auch die Kirche, und nicht immer nur die Landwirtschaft gefragt, von ihrem Boden abzugeben.

Allein die Fragen zeigten ein Problem im Ort auf, dem sowohl Leimbach als auch Max Bertl begegnen wollen, wie sie in ihren Eingangsstatements gemeint hatten. Zu viele Bürger hätten keine Ahnung von den Vorgängen im und vor allem von der Arbeit des Gemeinderates, das würde auch die Besucherzahlen belegen. Deshalb hatten sich beide Kandidaten mehr Transparenz und Bürgernähe auf die Fahnen geschrieben, wie eine Nachfrage ergab.

Schlussendlich rang Barbara Köpf den vier Kandidaten dann aber doch noch einen Satz ab zu den Visionen für Steingaden: Unisono ging es darum, den Ort lebendig zu erhalten, ein harmonisches Miteinander, vor allem der verschiedenen Interessen wie Landwirtschaft, Handwerk und Einzelhandel zu schaffen, die Kultur zu erhalten Tradition und Innovation zu vereinen und den Ort voranzubringen: „Kommende Generationen sollen es auch so schön haben, wie wir heute“. 

Oliver Sommer

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