Pilotprojekt am Schongauer Krankenhaus:

Entlastung durch KVB

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„Immer den gelben Fußspuren nach“ – so finden Patienten im Schongauer Krankenhaus zur KVB-Praxis.

Schongau – Was machen, wenn man von einer Biene gestochen wird, der Hausarzt aber schon im Feierabend ist? Die Notaufnahme des Krankenhauses aufsuchen? Dort erscheinen häufig Patienten, die nicht in akuter Lebensgefahr schweben. Sie nehmen Kapazitäten in Anspruch, die zeitgleich tatsächliche Notfälle dringend benötigen würden. Um diese Zwickmühle aus der Welt zu schaffen, nimmt das Krankenhaus Schongau seit April 2016 an einem Pilotprojekt teil.

Schongau ist einer von drei Test-Standorten in der Re­gion Oberland, wo die Kassen­ärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) eine Bereitschafts­praxis betreibt. Diese soll erste Anlaufstelle für Pa­tienten sein, die außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten medizinische Hilfe benötigen. Auch einen Fahrdienst, der notwendige Hausbesuche durchführt, organisiert die KVB im Rahmen des Projektes. Am Krankenhaus Weilheim hingegen seien für die KVB-Bereitschaft aufgrund der Baumaßnahmen keine Kapazitäten frei, erklärt Schongaus Krankenhaus-Sprecherin Isa Berndt im Gespräch mit dem Kreisboten.

Behandelt werden jene Patienten, deren Anliegen eigentlich Hausarzt-Aufgabe wäre. Wenn die Versorgung aber am Wochenende, nachts oder an Feiertagen erforderlich ist, steht der Hausarzt nicht zur Verfügung. Während dieser Zeit springt die KVB-Bereitschaft in die Bresche und versorgt so weit, dass der Patient bei nächster Gelegenheit die reguläre Sprechstunde seines Haus- oder Facharztes wahrnehmen kann.

Seit Beginn des Projektes vor etwa einem Jahr sei ständig geprüft worden, inwiefern die Umstrukturierung des Bereitschaftsdienstes Erfolge bringe, teilt die KVB mit. Die Resultate seien insgesamt für alle Beteiligte vielversprechend gewesen und ließen sich auch beziffern: Etwa 7 000 Patienten hätten den Bereitschaftsdienst der drei Standorte Schongau, Murnau und Garmisch-Partenkirchen bis Dezember bereits in Anspruch genommen – 4000 davon allein in Schongau. 3 000 weitere Patienten im gesamten Oberland baten um KVB-Hausbesuche. Dabei seien die Kapazitäten noch nicht ausgereizt.

Erhebliche Entlastung durch das neue Modell spürten vor allem niedergelassene Ärzte im Bereitschaftsdienst: Sie waren zuvor durchschnittlich 313 Stunden pro Jahr im Einsatz, nun sind es nurmehr 80. Isa Berndt: „Wenn ich Bereitschaftsärzte auf das Projekt anspreche, sehe ich ein breites Lächeln.“

Bald im Regelbetrieb?

Angelegt ist das Pilotprojekt für eineinhalb Jahre – und danach? „Wir wollen das Modell unbedingt fortsetzen“, wünscht Berndt. Die Verhandlungen dazu mit der KVB stünden bald ins Haus – und deren Sprecherin Birgit Grain ist durchaus optimistisch: Hundertprozentig sicher sei zwar noch nichts, „aber es sieht gut aus, dass es lückenlos weitergeht.“ Vor Beginn des Regelbetriebs seien aber „noch Nachjustierungen möglich– beispielsweise beim Fuhrpark für die Hausbesuche oder den Öffnungszeiten.

Marco Tobisch

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