"Menschenverachtend"

Bedrohung im Schongauer Bürgermeister-Wahlkampf?

+
Stein des Anstoßes: SPD-Landratskandidat Alexander Majaru hat unter anderem diese Meme geteilt. "Menschenverachtend", findet Schongaus CSU-Bürgermeisterkandidat.

Schongau – Jetzt wird es doch noch hitzig: Unmittelbar vor der Stichwahl am kommenden Sonntag wirft CSU-Bürgermeisterkandidat Hans Rehbehn dem Schongauer SPD-Genossen und Landratskandidaten Alexander Majaru „menschenverachtende“ Fehltritte vor. Er fühle sich durch dessen online getätigte Postings bedroht.

Screenshots aus Majarus persönlichem Whatsapp-Status sind es, die für Rehbehns Empörung sorgen. Die Bilder hatte ihm jemand aus der Kontaktliste des SPD-Mannes heimlich zugespielt. Sie beruhen auf sogenannten Memes, also geteilten Darstellungen, die durch nachträglich eingefügte Inhalte wie Sprechblasen in einen anderen Kontext gerückt und anschließend geteilt werden.

"Ein behindertes Mädchen wird in einen Abgrund gestoßen, weil es eine eigene Meinung hat." So nimmt Hans Rehbehn das von Alexander Majaru geteilte Meme wahr.

Das eine zeigt die Comicfigur Batman, die ihrem Begleiter Robin eine Watschn verpasst. „Ich wähle Hans Rehb...“, sagt Robin, woraufhin es die Ohrfeige setzt. Im anderen Meme schiebt Zeichentrickfigur Heidi die gelähmte Klara im Rollstuhl über eine Bergwiese, als beide sich darüber unterhalten, wen sie wählen werden. Heidis Reaktion darauf, dass Klara ihre Stimme Rehbehn geben will, ist, dass sie das Mädchen in die Tiefe stößt. So zumindest wirkt die Abfolge der Bilder.

Hans Rehbehn (CSU) will am Sonntag Schongaus Bürgermeister werden.

„Bodenlos“ und „menschenverachtend“, so sieht es Rehbehn. Die beiden Memes nimmt er so wahr: „Auf dem einen Post wird ein behindertes Mädchen vom Rollstuhl in einen Abgrund gestoßen, weil es eine eigene Meinung hat“ und „in einem weiteren Post wird ein Mann geschlagen, weil er sagt ‚Ich wähle Hans Rehb…‘“. Der CSU-Kandidat empört sich weiter über Majaru: „Weitere Posts auf seinem Facebookprofil werden lustig, mit entsprechenden Kommentaren von SPD-Genossen geteilt“. Mit Wahlkampf haben Majarus Postings nichts mehr zu tun, findet Rehbehn. Es handle sich um einen persönlichen Angriff, durch den er sich bedroht fühle – und „alle Wähler, die mich am Sonntag wählen möchten“. Er behalte sich weitere Schritte vor, schrieb der CSU-Bewerber um das Amt des Ersten Bürgermeisters am Donnerstagnachmittag an den Kreisboten in einer Mail, die er auch an den Verein Rolliwelten e.V. adressiert hatte.

Am späten Donnerstagabend reagierte Majaru über die Sozialen Medien. Die Memes „haben sich gegen Hans Rehbehn gerichtet und sollten in keinster Weise irgendjemanden angreifen“. Sie seien völlig unpassend und deplatziert gewesen. Er bereue und habe auch die persönliche Entschuldigung gesucht.

„Er hat mich angerufen“, bestätigt Rehbehn tags darauf im Gespräch mit dem Kreisboten. „Wenigstens hat er dazu den Mumm gehabt.“ Explizit angenommen habe er die Entschuldigung nicht. „Wir haben gesprochen und gut is.“

Die Stichwahl zum Landrat hat Alexander Majaru (SPD) deutlich verpasst. Er könnte aber noch in den Schongauer Stadtrat nachrücken.

Im Gespräch mit dem Kreisboten betont Majaru am Freitagnachmittag, dass er die Bilder nicht selbst derart bearbeitet, sie aber im Kreise seiner Whatsapp-Kontakte geteilt habe. Bei Facebook, Instagram oder anderswo habe öffentlich niemals etwas derartiges auf seinen Seiten kursiert. „Das ist eine Falsch­information.“ Er habe die Memes witzig gefunden. Wieso, könne er im Nachhinein selbst nicht mehr nachvollziehen. „Es tut mir leid, ich wollte niemanden beleidigen.“ Zur Verbreitung beigetragen zu haben, bewertet er im Nachhinein als „definitiv dumm“.

Dass Rehbehn den „Paukenschlag“ gesucht habe, statt des persönlichen Gesprächs, empfindet Majaru dennoch als schlechten Stil. „Er hat keinen Charakter“, urteilt Majaru. Bei allem Bedauern: „Man sollte nicht alles auf die Goldwaage legen.“

Dabei dürften sich die zwei Männer künftig noch häufiger über den Weg laufen. Rehbehn ist Pressesprecher des Landrats­amts. Majaru verpasste mit 5,9 Prozent die Stichwahl zum Landrat zwar klar, beide wurden am 15. März aber in den Kreistag gewählt. Auch am kommenden Sonntag sind ihre Namen eng miteinander verwoben: Bleibt Bürgermeister Falk Sluyterman im Amt, rückt sein Genosse Majaru in den Stadtrat nach. Rehbehn wird dort auf jeden Fall sitzen. Wählen die Schongauer den CSU-Kandidaten zum neuen Rathaus­chef, wird der SPD-Mann kein Teil des Gremiums. Rehbehn selbst scheint in seiner Mail vom Donnerstag die erstere Variante für wahrscheinlicher zu halten: Majaru werde „voraussichtlich im Schongauer Stadtrat sitzen“, schreibt er darin. Am Freitag will er dieser Formulierung dann aber keine weitere Bedeutung zumessen. „Am Wahlsonntag kann ja alles passieren.“

ras

Auch interessant

Meistgelesen

Der neue Alltag in der Schongauer Akutgeriatrie
Der neue Alltag in der Schongauer Akutgeriatrie
Altenstadt bewirbt sich um Fairtrade-Siegel
Altenstadt bewirbt sich um Fairtrade-Siegel
Sommermarkt auf Schongaus Marienplatz
Sommermarkt auf Schongaus Marienplatz
Stadtkapelle Schongau gibt Wanderkonzert
Stadtkapelle Schongau gibt Wanderkonzert

Kommentare