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Praktisch lernen im "Haus im Haus"

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Ließen sich von den beiden Pflegeschülerinnen Elisabeth Wetzlar und Celine Eberle (Mitte) das neue Pflegebad zeigen: (v. li.) Harald Kühn (Stimmkreisabgeordneter), Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Josef Lory (Leiter Abteilung Elektrotechnik), Schulleiter Thomas Schütz und Peitings Bürgermeister Michael Asam. © Peters

Schongau – Bayernweit einmalig ist das Projekt, das die Berufsschule Schongau seit mittlerweile sieben Jahren vorantreibt. Im sogenannten „Haus im Haus“ in der ehemaligen Kfz-Halle werden Schüler der Elektroberufe praxisnah unterrichtet. Mit der Einweihung des fertigen Pflegebads wurde jetzt ein weiterer Meilenstein erreicht.

Mit einem Sirren setzt sich der Treppenlift in Bewegung und bringt Elisabeth Wetzlar langsam, aber sicher in den ersten Stock. Normalerweise könnte die Schülerin der Berufsfachschule für Sozialpflege die Stufen locker zu Fuß bewältigen. Doch für ihr Alter Ego sind sie ein unüberwindbares Hindernis. Sie spielt eine 82-jährige Frau, die nach einem Oberschenkelhalsbruch nur noch schlecht zu Fuß ist. 

Ein Fall, der Pflegekräften im Alltag häufig begegnet und der besondere Abläufe und Handgriffe erfordert. Das beginnt beim Umsetzen vom Rollstuhl in den Treppenlift und geht weiter bei der Körperpflege im Bad. Das alles können Wetzlar und ihre Mitschülerinnen ab sofort unter realen Bedingungen üben – der neu eingebaute Treppenlift und das fertige barrierefreie Pflegebad im ersten Stock des Lehr- und Übungshauses machen es möglich.

Neue Wege im Unterricht beschreiten, das sei die Intention gewesen, als man sich 2009 für den Bau des „Haus im Haus“ entschieden habe, blickte Berufsschulleiter Thomas Schütz bei der Einweihung zurück. Damals stand nach der Verlagerung der gesamten Kfz-Abteilung nach Weilheim die Werkstatt leer.

Im März 2010 kehrte wieder Leben in die leeren Räume ein. In der ehemaligen Kfz-Halle entstand ein 15 x 7,50 Meter großes Haus in Holzständerbauweise. Unzählige Stunden investierten Lehrer und Schüler seitdem in das bayernweit einmalige Projekt, das von zahlreichen Sponsoren unterstützt wird. Noch ist der Bau längst nicht fertig, doch schon seit zwei Jahren werden Schüler der Elektroberufe in den Räumen unterrichtet. „Die Schüler sind begeistert“, sagte Josef Lory. Der Leiter der Abteilung Elektrotechnik ist quasi der Vater des Projekts. Entsprechend stolz war er nun, mit dem Pflegebad den ersten komplett fertigen Raum präsentieren zu können.

Viel Technik

Dieser ist mit viel Technik ausgestattet. Sie reicht vom höhenverstellbaren Waschbecken, über den fernbedienbaren Durchlauferhitzer bis zur intelligenten Steuerungstechnik für Fußbodenheizung, Licht und Lüftung. Ein breites Spektrum, das viel Spielraum für eine gewinnbringende Einbindung in den Unterricht biete, so Lory. „Unsere Schüler prüfen hier Technik, wie sie auch in der Praxis eingesetzt wird.“ Die Auszubildenden der Pflegeschule wiederum lernen den Umgang mit den elektrischen Hilfsgeräten und üben die einzelnen Arbeitsschritte bei der Grundpflege unter alltäglichen Bedingungen.

Die Kosten in Höhe von 23 000 Euro für das Pflegebad trägt der Landkreis. Der Treppenlift schlägt mit 4700 Euro zu buche, wobei 1000 Euro von der Firma Lech-Lifte übernommen wurden. Für Landrätin Andrea Jochner-Weiß gut investiertes Geld. „Auch wenn aktuell die Berufsschule in Weilheim im Fokus steht, haben wir Schongau nicht vergessen“, betonte sie. Das neue Bad sowie der Lift seien ein „Riesengewinn“.

Aus Schweiß- wird Fachraum

Auch an anderer Stelle hat der Landkreis im abgelaufenen Jahr kräftig in die Schongauer Berufsschule investiert. Um Platz für die steigende Schülerzahl zu schaffen, entstand im ehemaligen Schweißraum ein integrierter Fachraum, der ebenfalls mit intelligenter Steuerungstechnik ausgestattet wurde. Die Kosten für den Umbau liegen bei 35 000 Euro. Weitere 120 000 Euro flossen in die Ausstattung der Fachräume.

Christoph Peters

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