»Turbo einlegen«

Preis fürs Steingadener Versorgungsnetz

Energiepreis Genossenschaft Steingaden
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Die Vorstandschaft der Genossenschaft Anton Weiß, Martin Pfeiffer, Norbert Thaler und Dr. Michael Barth mit der Regierungspräsidentin Maria Els und Markus Leczycki von Bayernwerk AG (v. links).
  • VonOliver Sommer
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Steingaden – „Wir müssen beim Thema Energiewende den Turbo einlegen, denn eigentlich ist es schon Fünf nach Zwölf“. Das sagte die Regierungspräsidentin von Oberbayern, Maria Els bei ihrem Besuch in Steingaden. Statt nur abstrakt zu diskutieren, sei man in Steingaden aber andere Wege mit einer besonderen Vorbildwirkung gegangen, so Els. Für das Projekt, „Nahwärme- und Versorgungsnetz“ wurde die Versorgungsnetz Fohlenhof-Genossenschaft nun mit dem Energiepreis des Bezirks Oberbayern ausgezeichnet.

Eine ganze Dorfgemeinschaft sei zusammengestanden und habe an dem Thema gearbeitet, erinnerte Maria Els. Es habe Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen. Dafür habe es Mut gebraucht, man müsse sich etwas (zu)trauen, dann aber könne man ein nachhaltiges Projekt schaffen, lobte die Regierungspräsidentin. Umso mehr, als es eben nicht nur ein Schülerprojekt sei, sondern gerade, weil die Versorgungsgenossenschaft das Nahwärmenetz auf historischem Grund, inmitten von zum Teil 800 Jahre alten (Kloster)Mauern während der vergangenen zwei Jahre gebaut hatte.

Es komme beim Thema Energiewende auf jeden an, der mitmacht, so Els, die gerade erst bei einem weiteren Termin ebenfalls ein Projekt mit dem Energiepreis ausgezeichnet hatte. Els erinnerte an den Grundstein für das jetzige Versorgungsnetz, den der Altbürgermeister Steingadens Xaver Wörle schon vor mittlerweile neun Jahren gelegt hatte. So habe Wörle beste Voraussetzungen geschaffen, neben dem guten Team der Genossenschaft um die Vorstand Dr. Michael Barth, Norbert Thaler und Andreas Greinwald-Kotz, um die Fäden für eine lokale und nachhaltige Energieversorgung in den Händen der Steingadener zu halten. „Sie haben den Weg in vorbildlicher Weise bewältigt“, attestierte Els den Beteiligten, unter anderem auch den Kreditgebern von der lokalen VR-Bank, aber auch den Baufirmen vor Ort und den Mitarbeitern der Energiewende Oberland um Andreas Scharli, die nicht zuletzt mit ihren Berechnungen dafür gesorgt hatten, dass aktuell gut vier Dutzend Steingadener Haushalte mit günstiger Wärme versorgt werden.

Wie günstig zeigt die Tatsache, dass Barth erst vor wenigen Tagen das 52. Mitglied in der Genossenschaft begrüßen konnte. Zahlreiche weitere Aspiranten würden nur darauf warten, so der frühere Informatikprofessor, der Genossenschaft beitreten zu können, sobald der nächste Ausbauschritt beginnt; unter anderem soll dann auch das Seniorenheim angeschlossen werden. Es ist vor allem dieses Engagement, weshalb der Energiepreis heuer nach Steingaden ging. Und Barth sei eine gute Wahl des damaligen Bürgermeisters gewesen, so Els. Mit Blick hin zum amtierenden Rathauschef Max Bertl sagte Els weiter, dass jeder Bürgermeister stolz sein dürfe auf seine Gemeinde, die mit so viel gemeinschaftlicher Leistung, so viel Gemeinsinn und diesem Engagement eine Sache angehe. Und sie forderte die Steingadener auf: „Bleiben Sie am Ball!“

Worte, denen sich die Landrätin nur anschließen konnte. Wobei Andrea Jochner-Weiß darauf hinwies, wie weit man im Landkreis beim Thema Energiewende und nachhaltige Nutzung bereits ist. Dieses Projekt aber passe hierher, Steingaden sei ein gewachsenes Dorf mit seinen Strukturen, wo das Ehrenamt und das Engagement die Gesellschaft noch immer bestimmten und zusammenhalten würden. Wobei Jochner-Weiß sich explizit auch bei Andreas Scharli bedankte, der mit der EWO im Oberland bedeutend dazu beitrage, dass die Energiewende vorankommt.

Während Altbürgermeister Xaver Wörle nochmals die Entwicklung der Versorgungsgenossenschaft rekapitulierte, wagte Bürgermeister Max Bertl schon einen Blick in die Zukunft und die Möglichkeiten. Dem ersten Vorstand der Versorgungsnetz Fohlenhof e. G., Dr. Michael Barth aber war es ein Bedürfnis, sich bei der Gemeinde zu bedanken für die Unterstützung, die man von dort bis dato erhielt. Denn mit dem Versorgungsnetz, vor allem aber der Hackschnitzelheizung ist Steingaden ein stückweit unabhängig vom Erdöl, allein die Fohlenhof e.G. versorgt gut 20 Prozent des Dorfkerns mit Wärme.

Und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Denn neben Wärme ist auch eine Stromversorgung durch die Fohlenhof e.G. denkbar. Und schon jetzt gibt es die Zusage von LEW-Telnet, eine Glasfaserverbindung bereitzustellen.

Oliver Sommer

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