Lechstadt im Strudel?

Sozialraumanalyse deckt Defizite in Schongau auf

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Schongau verfügt über günstigen Wohnraum und viel Geschosswohnungsbau – hier die städtischen Wohnungen im Tal. Das ergab die Sozialraumanalyse des Landkreises.

Schongau – Viele Alleinerziehende, viele Hartz IV-Empfänger und ein hoher Anteil an Mietwohnungen – so könnte man die Sozialraum­analyse, die der Landkreis alle drei Jahre durchführt, für Schongau zusammenfassen. Diese stellten Claudia Sam-Doess und Jürgen Wachtler vom Jugendamt in der jüngsten Stadtratssitzung vor, die die Zahlen jedoch durchaus positiv interpretierten. Das Fazit im Gremium fiel allerdings nicht ganz so rosig aus.

Seit 2008 führt der Landkreis im Drei-Jahres-Rhythmus eine solche Analyse durch. Die jetzt im Stadtrat vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf die Jahre 2014 bis 2016. Große Veränderungen bis zum heutigen Datum seien allerdings nicht zu erwarten, wie Jugendamtsleiter Jürgen Wachtler erklärte.

Für die Analyse werden Indikatoren wie Erzieherische Hilfen, Jugendkriminalität oder Arbeitslosigkeit herangezogen. Daraus wird ein Wert gebildet, der sogenannte Gesamtindex, welcher auf ganz Bayern betrachtet bei 100 liegt. Der Wert für den Landkreis Weilheim-Schongau liegt mit 104,5 leicht darüber; weit darüber liegt er für die Lechstadt mit immerhin 135. Das liege aber nicht an besonderen Problemfällen, versichert der Jugendamtsleiter. Gerade in der Prävention sei seine Behörde sehr aktiv – daher der überdurchschnittlich hohe Wert.

Hinzu kommen immer mehr Scheidungen und die Zunahme bei den Alleinerziehenden. Ganze 17 Prozent der Schongauer Bevölkerung sind minderjährig. Dieser hohe Wert sei durchaus positiv zu sehen, so Wachtler: „Man zieht gern nach Schongau“, ist sein Fazit. Bei der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung ist der anteilige Schongauer Wert (6,1) beinahe doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt (3,28). Vor allem in der ambulanten Betreuung – wie Erziehungsbeistandschaften oder der sozialpädagogischen Familienhilfe – ist der Bedarf offenbar groß. Dahinter steckt laut dem Leiter des Jugendamtes der Präventionsgedanke. Man wolle einfach so früh wie möglich Hilfe leisten.

Nichts mit Krise

Dass Schongau „kein Krisengebiet“ sei, gelte in Sachen Jugendkriminalität, obwohl der Blick auf die Zahlen auch hier einen höheren Wert (6,7) als für Gesamtbayern (4,95) verrät. „Schongau steht da besser da, als andere große Gemeinden im Landkreis“, betont der Jugendamtsleiter und erklärt die Zahl auch mit der hohen Aufklärungsquote der Schongauer Polizei. Meist handele es sich um Vergehen im Verkehr, wie zum Beispiel Schwarzfahren. „Schwere Gewaltdelikte kommen nicht vor“, betont er.

In Sachen Scheidung ist die Lechstadt offenbar kein großer Ausreißer. Im Hinblick auf die Kinder, die nur von einem Elternteil allein erzogen werden, liegt der Wert für Schongau bei 23,3 (Landkreis: 20,1; Bayern: 17,8). Interessant: Davon nehmen 75 Prozent eine Erziehungshilfe in Anspruch.

Ein geringer Anstieg sei bei den Empfängern von Hartz IV zu verzeichnen. Die Lechstadt liegt mit 6,6 Punkten weit über dem Landkreis-Durchschnitt (3,2) und auch über dem bayerischen Mittel (4,5). Wachtler führt das wiederum auf den günstigen Wohnraum zurück, der auch aus der großen Anzahl an Geschosswohnungsbau resultiert.

Während Kornelia Funke (CSU) die Zahlen zum Teil positiv überraschten, sahen ihre Stadtratskollegen das doch kritischer. „Im Vergleich steht Schongau schlecht da“, befand Friedrich Zeller (SPD). Leider gebe es in der Lechstadt ganz viele arme Leute. Er sei mit der jüngeren Entwicklung der Stadt nicht zufrieden. Sein Appell an den Kreistag: „Vergesst mir Schongau nicht!“

Gregor Schuppe (ALS) erkannte eine klare Zweiteilung des Landkreises. Der Altlandkreis stehe schlecht da, so auch sein Fazit. Man habe hier weniger Geld und mehr Probleme. „Wieso muss Schongau die Last tragen?“, fragte Schuppe und verwies darauf, dass beispielsweise auch Schwabsoien oder Burggen mal einen Sozialblock bauen könnten.

Einen gewissen Strudel befürchtet gar Helmut Hunger (CSU). Die günstigen Mieten und die gute Infrastruktur würden sozial Schwache anziehen. Er mahnte, hier das Gleichgewicht zu halten, damit man nicht doch noch zu einem sozialen Brennpunkt werde.

„Wir müssen an uns denken und können nicht erwarten, dass der Landkreis uns nicht vergisst“, befand Stephan Hild (UBV). Viele Ursachen seien einfach gegeben und die müsse man hinnehmen. Das Verhältnis von Einkommen zu Lebenshaltungskosten sei in der Lechstadt noch sensationell gut, so Hild. Das werde sich allerdings verschlechtern, wenn die Mieten einmal steigen. 

asn

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