Gelungene Premiere am Auerberg:

"Den Berg nauf und Spaß dabei"

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Baujahr 1979 und älter: Mehr als 150 Fahrer an der ersten Neuauflage der Auerberg Klassik nach 30 Jahren Pause.
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Baujahr 1979 und älter: Mehr als 150 Fahrer an der ersten Neuauflage der Auerberg Klassik nach 30 Jahren Pause.

Bernbeuren – Am vergangenen Wochenende stand der schwäbische Rigi wieder ganz im Zeichen der Motorräder, mehr als 150 Fahrer standen mit ihren Oldtimern am Start der ersten Auerberg Klassik, 30 Jahre nach dem Aus für das Berg­rennen. „Super guat“ lief es sowohl aus Sicht der Organisatoren als auch der Fahrer, was auch die Zuschauerzahl beweist. Dem verunglückten Fahrer mit der Nummer 132 geht es besser, er musste nur wegen Rippenbrüchen und einer Schulterverletzung behandelt werden.

„Man kann zeigen, dass man auch mit einem alten Motorrad flott den Berg naufkommt und dabei Spaß haben kann“. In so kurzen Worten lässt sich die erste Auerberg Klassik beschreiben, ein Bergrennen für Motorräder, das bis vor 30 Jahren ausgetragen worden war. Heuer nun gab es eine Neuauflage des Klassikers, 173 Fahrer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich gingen mit ihren Maschinen bis Baujahr 1979 an den Start, diesmal allerdings gegen die Uhr und nicht gegeneinander. Einer, der beide Rennen kennt, und von dem der Satz mit dem alten Motorrad und dem Spaß stammt, ist Norbert Weiß, der geboren wurde, als das erste Bergrennen gestartet wurde. „Mit 18 bin ich dann das erste Bergrennen gefahren“, erzählt der Bernbeurer, der schon als Bub unter den Zuschauer war, auch, weil sein Vater, bei der Feuerwehr, für die Sicherheit an der Strecke gesorgt hatte. „Damals ging es um Zehntelsekunden Vorsprung“ erinnert sich Weiß, der bis zum letzten Rennen 1987 dabei war.

Neuauflage nach einem halben Jahrhundert

Nicht zuletzt wegen den zahlreichen Auflagen fand das Berg­rennen dann ein Ende. Umso mehr freute sich Weiß, als das Bergrennen, eigentlich müsste man von Bergfahrten sprechen, zu seinem 50. Geburtstag eine Neuauflage erfahren sollte: „Das ist megamäßig“. Atemberaubend toll sei auch die Stimmung, nicht nur im Ort, sondern auch entlang der Strecke: „Jeder an der Strecke hat gewunken und ein Grinsen im Gesicht, von den Alten bis zu den Jungen“, erinnert sich Weiß an seine Bergfahrt, die er bis auf 85 ­Hundertstel getimt hat. 85 Hundertstel Sekunden, die die beiden Fahrten Weiß‘ am Vor- und am Nachmittag differierten. Darum ging es bei der Auerberg Klassik, beide Bergfahrten so gleichmäßig wie möglich zu absolvieren und beide Fahrten gleich schnell zu absolvieren. Dafür wurden die Tachometer der bis zu 90 Jahre alten Motorräder abgeklebt und die Fahrer mussten ihre Chronographen abgeben. Die Zeiten aus den Übungsfahrten am Samstag erfuhren die Fahrer ebenfalls erst am Sonntag nach der Siegerehrung. Das sei schon eine Überraschung für manchen gewesen, so Hermann Köpf, einer der Initiatoren der Auerberg Klassik, zu erfahren, wie gut sie ihre Fahrt eingeschätzt hatten. Unschlagbar dabei Ali Kaba mit seiner 78er Honda CBX: sieben Hundertstel (0,07) Sekunden lagen seine beiden Wertungsfahrten auseinander, nicht mal ein Wimpernschlag, womit der vom Bodensee stammende Fahrer sich als Bergkönig qualifizierte. Bergkönigin wurde Anni Wakolbinger mit ihrer Honda CB350 Racing, Baujahr 76.

Hubschraubereinsatz

Gebrochene Rippen und eine Verletzung an der Schulter, so lautet die Diagnose für Wolfgang Kelz, der am frühen Sonntagnachmittag mit seiner BMW R75/5 in der Skilift-Kurve gestürzt war. Was den Unfall des Deutschen ausgelöst hat, sei unklar, so Hermann Köpf. Kelz sei einfach in der Kurve gestürzt. Dass der Fahrer anschließend mit dem Rettungshubschrauber in die Unfallklinik Murnau verlegt wurde, liegt an den Vorschriften. So kann der Rettungswagen, der an der Strecke steht, sofort wieder in den Einsatz gehen, so Köpf. Noch während der Siegerehrung konnte Hermann Köpf aber Entwarnung geben, am Abend habe er mit Kelz, der nur vorsorglich auf der Intensivstation liegt, schon telefoniert. „Er hat sich für den Sturz entschuldigt“, so Köpf. Dabei beweist der Ablauf der Dinge aber, dass die Sicherung der Strecke, die Zusammenarbeit der Vereine untereinander – so hatten auch die Motorsportclubs von Steingaden und Garmisch die Bern­beurer unterstützt – und mit den Rettungskräften und der Einsatz aller funktioniert hat und keineswegs übertrieben war.

Es ist vor allem das Miteinander im Ort, das Köpf, aber auch die Fahrer und Zuschauer beschreiben. Ohne dem wäre die Neuauflage des Rennens gar nicht möglich gewesen, wie Köpf weiß. Für Fahrer wie Norbert Weiß ist es auch die Stimmung, die dadurch an der Strecke entstand, nicht zuletzt aber auch, weil der direkte Kontakt zwischen Fahrern und Zuschauern möglich war – weder Strecke noch Fahrerlager waren so abgesperrt, wie es sonst bei Rennen der Fall ist. „Die Stimmung der Zuschauer ist toll, der ganze Ort ist begeistert“, so Weiß: „Das ist einfach der Wahnsinn, alle Fahrer sind sich da einig. Und es ist ganz tolles Rennen“. Aussagen, wie man sie auch von den Zuschauern hört wie Gabi und Eberhart Bogenrieder aus Bernbeuren: „Ich bin selbst Motorradfahrer, wollte eigentlich mitfahren, aber meine Maschine war nicht top. Aber es war toll, an der Stecke zu stehen. Der Sound und das vibrieren der Motoren, da passt einfach alles, auch den Abgasgeruch von früher wieder spüren“, erzählt Eberhart Bogenrieder ein wenig wehmütig. Es sei toll, dass man nicht wegfahren müsse, um so ein Rennen erleben zu können, sondern dass man so ein Rennen vor der Haustüre habe. „Die Leute kommen zu uns!“ Fürs erste Mal seit 30 Jahren sei alles super, auch, dass am Start alles kommentiert worden sei. „Für Laien verständlich“, ergänzt Gabi Bogenrieder.

Man habe aus dem ersten Auerberg Klassik viel gelernt, resümiert Hermann Köpf. Das Feedback sei überwältigend und noch am Sonntag habe er die ersten beiden Anmeldungen für die nächste Auerberg Klassik bekommen, egal wann das sei. Nun stünden Gespräche mit dem Landratsamt an, so Köpf, das sei von vornherein so ausgemacht gewesen. Um den Rückhalt im Ort weiß Köpf, nicht zuletzt nachdem die Vereine über den Getränke- und den Essensverkauf auch mit verdient hätten. Eine prominente Unterstützerin dürften die Motorradverrückten in Landrätin Andrea Jochner-Weiß haben. Sie habe am Samstag das Übungsfahren verfolgt, erzählt Köpf, gefilmt und nahezu jeden Starter fotografiert. Höhepunkt war die Fahrt in einem der Oldtimer auf den Berg: „Sie hat richtig Spaß gehabt“.

Den hatten an den beiden Tagen, vor allem am Renntag selbst, fast alle Zuschauer. Egal wo man zuhörte, überall entstanden schnell Gespräche, wurde gefachsimpelt und die eigene Jugend in Erinnerung gerufen, als man selbst auf einem dieser knatternden und stinkenden Öfen durch die Gegend geheizt war. Diese Erinnerungen ließen nun die Fahrer mit ihren Maschinen, alte Technik vom Feinsten, wieder aufleben. Wobei manch einer allein schon beim Klang solcher Namen wie Harley Davidson, Norton oder Flying Squirrel leuchtende Augen bekam. Namen aus Zeiten, als vor allem noch in England zahlreiche Motorradschmieden die Rennsportverrückten mit Technik versorgten, die auch die Jugend von heute zu schätzen weiß. So wie die Erstplatzierten in der Beiwagenkonkurrenz, Simon Bair und Michael Wawrzyniak: „Wir haben uns die Maschine mit Beiwagen ausgeliehen. Heute war Premiere und wir sind gleich Erster geworden“, so der Fahrer. „Schön dass es hier in der Umgebung stattfindet, wo wir sonst mit dem Moped langfahren“, beschreibt Bair die Stimmung unter den Bikern. So hofft jetzt nicht nur das Team Wusiba darauf, den Titel im nächsten oder dem Folgejahr verteidigen zu können.

Oliver Sommer

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