Blick fürs Detail

Henkerstochter-Darsteller bekommen ihre Kostüme

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Franziska Beer bei der Anprobe. Sie wird ein Mädchen aus dem Volke spielen. Dafür, dass alles perfekt sitzt und stimmt, sind Isolde Lerch (stehend links), Katrin Lohr-Berens (kniend) und Karin Weiser (rechts) verantwortlich.

Schongau– Egal ob tragende Rolle oder Statist, für die Darsteller, die im Juli in „Die Henkerstochter und das Spiel des Todes“ mitwirken, wird es ernst. In den letzten drei Wochen ging es für sie alle ans einkleiden. Im Kostümfundus unter dem Dach von Hl. Geist ist eine große Auswahl an Gewändern und Accessoires vorhanden. In allen Farben, in fast allen Größen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Von Profis. Denn: Nicht nur das Fallbeil, auch die Falten müssen richtig fallen.

Vor zwei Jahren hatte Franziska Beer so ein Erlebnis: Sie saß als 13-Jährige unter den Zuschauern, als die Henkers­tochter aufgeführt wurde – und war begeistert. Noch größer als die Faszination für die Handlung war aber die für das Zusammenspiel auf der Bühne. Ihr Entschluss stand fest: Wenn wieder gespielt wird, will sie mit dabei sein. Dieser Wunsch geht in Erfüllung. Im Sommer wird sie als Mädchen aus dem Volke auftreten.

Klar, dass sie dann dazu das passende Gewand tragen wird. Toll sieht sie aus, als sie bei der Anprobe vor dem Spiegel steht. Aber nur für einen Laien. Doch hier sind ja Profis am Werk. „Sitzt perfekt“, hört man von der einen Seite, „aber Optimierungsbedarf“, von der anderen. Und als Zusatz „der Unterrock fehlt.“ Wow, die schauen aber genau hin.

Gemeint sind drei Frauen, die Argusaugen in Sache Mode haben und vor allem mit Nadel und Faden perfekt sind. Seit 1992, also von Anbeginn der Theateraufführungen, sticht Isolde Lerch zu. Sie hat Kilometer an Faden vernäht, hat durch Abnäher weibliche Formen betont und durch Einsetzen unzähliger Zwickel die Hosen von Männern wieder tragbar gemacht. Eigentlich hat sie die Nähmaschine schon an Katrin Lohr-Berens übergeben, aber wie das halt so ist: Einmal dabei, immer dabei.

„Mit Katrin Lohr-Berens haben wir natürlich auch wieder einen Volltreffer gelandet“, wirft aus einer Ecke im Dachboden Maximilian Geiger ein. Er führt Regie und weiß die Arbeit der Frauen sehr zu schätzen. Neben der gelernten Schneiderin Lohr-Berens, die seit 28 Jahren in Schongau die Firma „Textilchi­rurgen“ betreibt, ist Karin Weiser die dritte im Bunde. Geiger fasst die Arbeit des Dreigestirns so zusammen: „Isolde hat die langjährige Erfahrung, Katrin das Auge und das Nähvermögen, Karin ist das Bindeglied zwischen dem Theaterverein Treibhaus und den Kostümbildnerinnen.“

Gut 800 Teile hängen an den verschiedenen Kleiderständern zusammen, mit denen über 70 Personen eingekleidet werden. Wie auch Evi Baab, die eine Patrizierin spielt. So eine mit richtig viel Kohle. Doch das kohlenschwarze Kleid gefällt ihr nicht recht. Vorne geschnürt, hinten wäre viel Handlungsbedarf nötig gewesen. Also rein in ein petrolfarbenes. Sitzt fast perfekt, nur die Ärmel sollen leicht gekürzt werden.

So einfach geht‘s nicht bei jedem. Lerch hat für einen Mitspieler, der letzte Woche bei der Anprobe war, die Hose geändert. Ein kugeliges Ding, bei der sie viel auftrennen und vernähen musste. „Alles in Handarbeit, dauerte gute fünf Stunden.“

Am 30. Juni ist der erste Kostümdurchlauf geplant. Da müssen dann auch die Klamotten für Mutter und Sohn Ostler fertig sein. Magnus (16) wirkt als Statist mit, Karin wird eine Schongauerin spielen. Und Vater Hermann? Der sieht‘s gelassen: „Ich bin geborener Schongauer, den brauch ich nicht mehr zu spielen.“

hh

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