Im Dienste der Flüsse

Projekt »Alpenflusslanschaften« vor Abschluss: Rückblick auf sechs Jahre

Die Zukunft der Schleierfälle war eines der großen Themen des Projekts
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Die Zukunft der Schleierfälle war eines der großen Themen des Projekts. Beim Entstehen dieses Bildes blieb der Fotograf hinter der Absperrung – doch daran halten sich nicht alle.

Landkreis – Der natürlichen Vielfalt der Lebensräume und Arten in und an den Alpenflüssen Lech, Ammer, Loisach und Isar gilt ihr Interesse: Knapp sechs Jahre lang haben sich 18 Partner aus Naturschutz, Verwaltung, Wirtschaft und dem Sozialbereich unter Federführung des WWF Deutschland damit beschäftigt. Das Projekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“, durchgeführt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, neigt sich jetzt dem Ende zu.

„Mit dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt wollen wir dem negativen Entwicklungstrend der biologischen Vielfalt entgegenwirken“, sagt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz. Um das zu erreichen, sei es neben dem Schutz von Arten und Lebensräumen gleichermaßen wichtig, auch die Bewusstseinsbildung und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure zu fördern. „Das ist dem Projekt ‚Alpenflusslandschaften‘ erfolgreich gelungen“, so ihr Fazit.

Zwei Drittel der über 500 Aktivitäten im Projekt waren der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit gewidmet, bei Dialog­veranstaltungen und Filmfesten und Ausflügen. Kreative reflektierten das Thema „Am Fluss dahoam“ in Liedern, Gedichten und Bildern. Landwirte diskutierten mit Naturschützern über gemeinsame Wege beim Erhalt der Artenvielfalt.

Projektleiter Wolfgang Hug vom WWF Deutschland ist sich sicher: „Wir haben viele Menschen erreicht. Und wir haben Vertrauen geschaffen zwischen Menschen in unterschiedlichen Funktionen und mit verschiedenen Interessen und Wertvorstellungen.“

In den sechs Projektjahren wurde nicht nur informiert: Freiwillige packten an, um im Dienst der Artenvielfalt zu mähen, zu rechen und junge Fichten oder Weiden zu entfernen. An der unteren Ammer entstanden neue Gewässerstrukturen, die rasch von Laubfrosch, Waldwasserläufer, Sumpfheidelibelle und dem Östlichen Blaupfeil angenommen wurden. Ziegen, Esel und Rinder knabberten an Gehölzen, um auf flussbaulich gestörten Flächen entlang von Isar und Lech artenreiche Magerrasen und Wiesen zu erhalten.

Mit Kieszugaben an der Litzauer Lechschleife wurden neue Laichplätze für Fische geschaffen. Bedrohte Arten wie Seeforelle, Alpen-Knorpellattich und Deutsche Tamariske wurden vermehrt und in geeigneten Lebensräumen ausgebracht. Und schließlich ist nach einer Renaturierungsplanung an der Ammer in der Schnalz nun der Weg geebnet, dem Fluss und seinen Auen auf einer Fläche von zirka zehn Hektar wieder Raum für eine freie Entwicklung zu geben.

Gefördert wurde das Projekt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie vom Bayerischen Naturschutzfonds. Zum Internationalen Tag der Flüsse, dem 27. September, wurde der Ergebnisbericht veröffentlicht.

Darin sind auch mehrere Projekte im Altlandkreis Schongau genannt. Die zwei vielleicht prominentesten: Die Renaturierung der Ammer in der Schnalz zwischen Peiting und Böbing und die Lösung des Konflikts zwischen Freizeitnutzung und Naturschutz an den Schleierfällen nahe Wildsteig und Bad Bayersoien (wir berichteten).

„Nun liegt der Ball bei den Behörden“, fasst der Projektbericht den Status Quo zusammen. „Bei einem positiven Bescheid könnte ab September 2021 damit begonnen werden, die Ammer in der Schnalz aus ihrem Korsett zu befreien.“

Für die Schleierfälle solle die lange diskutierte Besuchsplattform auf der Seite Bad Bayersoiens künftig einen „spektakulären“ Blick bieten. Gleichzeitig werde sich das Naturdenkmal durch den Rückbau des direkten Zugangs auf Wildsteiger Flur und eine neue Wegeführung erholen und Renaturierungsmaßnahmen von Erfolg gekrönt sein. „Der ursprüngliche Zustand des Kalktuffkomplexes“ werde so wiederhergestellt, nachdem sein Betreten zwar schon seit 1994 verboten ist, seine Zerstörung durch Unbelehrbare aber anhielt. „Besuchs- und Naturschutzinteressen sollten endlich in Einklang gebracht worden sein“, stellt sich das Projekt selbst im Abschlussbericht ein erfolgreiches Zeugnis aus.

kb/ras

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