Unterschiftenaktion

Protestwelle gegen Kinderspielplatz am Schongauer Lido

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Bürgermeister Falk Sluyterman suchte bei der Info-Veranstaltung am Sonntag vor Ort das Gespräch mit den Bürgern.

Schongau – Eigentlich sollten die jungen Lechpiraten noch vor dem Ende der diesjährigen Badesaison den geplanten Kinderspielplatz am Schongauer Lido entern können (der Kreisbote berichtete). Doch jetzt hat die Stadt das Vorhaben, das der Bauausschuss vor zwei Wochen einstimmig auf den Weg gebracht hatte, erst einmal gestoppt. Grund dafür sind Proteste einer Bürgergruppe, die bereits mehrere hundert Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hat. In der jüngsten Sitzung des Gremiums am Dienstag zeigten sich viele Räte irritiert über den unerwarteten Gegenwind.

Ins Rollen gebracht hat den Widerstand der Schongauer Peter Haggenmiller, der in der Vergangenheit schon des öfteren mit der Stadt im Clinch lag. Mitstreiter fand er schnell in Bootshaus-Pächter Günter Schultz und Lido-Fan Hans Resch. Alle drei lehnen einen Kinderspielplatz am Stausee ab, wie ihn der Bauausschuss auf Antrag der CSU beschlossen hatte. Ihr zentrales Argument: Der Lido biete als natürliches Areal genug Spielmöglichkeiten für Kinder. Da brauche es keine weitere, künstlich errichtete Anlage mehr.

Mit dieser Meinung stehen die Protest-Organisatoren nicht allein, wie sich in den vergangenen Tagen zeigte. Über 300 Unterschriften haben sie mittlerweile gegen das Projekt gesammelt. Dass das Thema die Schongauer bewegt, zeigte sich auch am Sonntag bei einer Info-Veranstaltung am Lido, wo Haggenmiller und seine Mitstreiter viel Zuspruch erfuhren.

Neuer Entwurf

Die Welle des Widerstands, die sich da am Stausee auftürmt, hat längst auch das Rathaus erreicht. In der Bauausschusssitzung am Dienstag erklärte Bürgermeister Falk Sluyterman, dass er die Verwaltung angewiesen habe, die Pläne für einen Spielplatz am Lido vorerst nicht weiter voranzutreiben. Das „große bürgerschaftliche Engagement“ gelte es zu respektieren, auch wenn er manche Argumente der Gegner nicht nachvollziehen könne, sagte das Stadtoberhaupt. Der Protest zeige aber, „dass den Bürgern ihre Stadt am Herzen liegt“. 

Weil das Thema offensichtlich viele bewege, schlug Sluyterman vor, über die Angelegenheit nach der Sommerpause erneut zu beraten – dann allerdings im Stadtrat. Zumal mit der Anzahl der Unterschriften das Quorum für einen Bürger-Antrag erfüllt sei. Bis dahin werde man einen neuen, reduzierten Entwurf erarbeiten, der ohne den Verlust von Liegewiese einhergehe.

Enttäuschter Rathauschef

Der Bürgermeister räumte ein, dass ihn das Thema „emotional aufgewühlt“ habe. „Wir wollten den Lido für Kinder aufwerten. Es war ja kein Antrag, dass dort eine Straße gebaut werden soll oder künftig Jetski gefahren werden darf.“ Er sei deshalb erstaunt gewesen, dass der Widerstand „so massiv ist“. Enttäuscht zeigte sich Sluyterman darüber, dass bei der Protestveranstaltung kein Befürworter der städtischen Pläne seine Stimme erhoben habe.

Die fehlenden Unterstützer eines Spielplatzes am Lido irritierten auch Ilona Böse. Sie habe viele E-Mails zu der Angelegenheit bekommen, allerdings nicht eine von jemanden, der das Vorhaben begrüße, berichtete die SPD-Fraktionsvorsitzende. „Anscheinend haben nicht viele Leute bei der CSU wegen eines Spielplatzes vorgesprochen“, mutmaßte sie.

Bestätigt durch den Bürgerprotest sah sich Bettina Buresch. Die ALS-Stadträtin hatte schon vor dem damaligen Beschluss Bedenken angemeldet und vor einer Überfrachtung des Lidos gewarnt. Sie habe letztlich nur unter „allergrößten Bauchschmerzen“ zugestimmt, „weil es immer schwierig ist, gegen einen Kinderspielplatz zu stimmen“. Dass nun womöglich eine kleinere Lösung angedacht sei, welche die Liegewiese nicht beeinträchtige, sei ein Kompromiss, dem sie folgen könne.

Kornelia Funke fand diesen Vorschlag ebenfalls „zielführend“, der Protest hatte auch bei der CSU-Stadträtin, die sich schon seit längerem für Spielgeräte am Lido ausgesprochen hatte, Eindruck hinterlassen, wie sie zugab: „Ich habe mir viele Gedanken gemacht und viele Gespräche geführt.“

Mächtig verschaukelt fühlte sich indes Siegfried Müller. Er habe unter falschen Voraussetzungen zugestimmt, polterte der ALS-Stadtrat. „Ich bin davon ausgegangen, dass der Spielplatz von vielen Leuten begrüßt wird. Das Gegenteil ist aber der Fall.“ Er könne die Argumente der Gegner nachvollziehen. Nicht verstehen könne er zudem, weshalb Betroffene wie Bootshaus-Pächter Günter Schultz und der Reßle-Bauer, der ein verbrieftes Recht zum Holzlagern habe, im Vorfeld von der Verwaltung nicht informiert worden seien.

Das liege daran, dass es sich um einen Grundsatzbeschluss gehandelt habe, antwortete Stadtbauamtsmitarbeiter Thomas Ola. „Da können wir nicht vorher alle Beteiligten abklappern.“ Diese würden später ohnehin gehört, wenn es um den konkreten Bauantrag gehe. „Die Verwaltung hat hier richtig gehandelt“, betonte auch der Bürgermeister. Völlig aus der Luft gegriffen seien zudem die Vorwürfe, die Stadt hätte bereits die Bäume markiert, die für den Bau des Spielplatzes gefällt werden müssten. „Wir sind nicht der Grundstücksbesitzer.“

Einstimmig beschlossen die Bauausschussmitglieder, das Thema Kinderspielplatz am Lido wie vorgeschlagen an den Stadtrat zu übertragen. Das Entern müssen die jungen Lechpiraten vorerst auf unbestimmte Zeit verschieben.

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