Zwischenfall um Ex-Landratskandidat:

Pullover stört Ordnung der Kreistagssitzung

Majaru Pulli Jusos Kreistag
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Um diesen Pulli geht es. Majaru ist auch stellvertretender Vorsitzender der Jusos im Landkreis Weilheim-Schongau.

Schongau/Landkreis – Der Schongauer Kreisrat, Stadtrat und vormalige Landratskandidat Alexander Majaru (SPD) hatte im Kommunalwahlkampf bereits für einen Zwischenfall gesorgt. Nun brachte er in der jüngsten Kreistagssitzung die AfD gegen sich auf, Landrätin Andrea Jochner-Weiß sah sich zum Eingreifen veranlasst.

„Liberté, Égalité, Fckafdé.“ Das „Fraternité“, also der letzten Teil der Losung, die zu deutsch „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ bedeutet und seit der Französischen Revolution 1789 weltbekannt ist, war ersetzt worden. So zu lesen hinten auf Majarus Pullover, den er bei der jüngsten Kreistagssitzung trug. An deren Ende ergriff Reno Schmidt (AfD) das Wort. Er forderte vom SPD-Mann, das Kleidungsstück abzulegen. Nachdem dieser dem Gremium den Aufdruck gezeigt hatte, wies auch die Land­rätin darauf hin, dass Majaru das Oberteil aus- oder eine Jacke drüber ziehen müsse. „Politische Werbung ist in diesem Gremium nicht erlaubt”, erklärte die Landrätin.

Hinter dem die AfD beschimpfenden Slogan stecke eine ausdrückliche Botschaft mit einem eindeutigen politischen Bezug, teilte Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamts, auf Anfrage des Kreisboten hernach mit. Dass sich dahinter „Fuck AfD“ verbirgt, sei klar. Somit setze der Aufdruck eine ebenfalls im Kreistag vertretene Partei aufgrund entgegenstehender politischer Anschauungen polemisch herab. „Grundlage für den Hinweis von Frau Landrätin in der Kreistagssitzung gegenüber Herrn Majaru war, dass Kreistagsmitglieder verpflichtet sind, die Ordnung in der Sitzung nicht zu stören.“ Majarus Pulli komme eben dafür in Betracht.

Rehbehn selbst war als Bürgermeisterkandidat der Schongauer CSU im März Zielscheibe Majarus gewesen. Damals hatte letzterer über seinen Whatsapp-Status Bilder verbreitet, die für Empörung sorgten. Das eine zeigte die Comicfigur Batman, die ihren Begleiter Robin watscht, weil dieser ankündigt, Hans Rehbehn wählen zu wollen. Im anderen Meme reagiert Zeichentrickfigur Heidi auf dieselbe Ankündigung ihrer Begleiterin Klara damit, dass sie das im Rollstuhl sitzende Mädchen einen Berg hinab stößt. „Bodenlos“ und „menschenverachtend“, fand Rehbehn damals gegenüber dem Kreisboten. Majaru gab sich seinerzeit reumütig, bat um Entschuldigung und bezeichnete die Verbreitung der Bilder als „definitiv dumm“.

Eine derartige Kehrtwende ist im aktuellen Fall nicht zu erwarten. Nach der Sitzung setzte Majaru einen Post in Facebook ab. Er fühle sich belustigt, gab er dort an. „Nachdem ich auf Antrag der Afd im Kreistag meinen Pulli heute allen zeigen musste, wollte ich ihn auch mit Euch teilen.“ Er schloss mit einem Hashtag, der den Aufdruck nochmals abgewandelt wiederholte.

Schon zuvor hatte Majaru in einem anderen Thema Facebook genutzt, um den Schongauer und Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer anzugreifen. Hintergrund war dessen Rolle bei der Benennung eines Weges im Gnettner-Areal, die schließlich auch den Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung nochmals beschäftigte. Bürgermeister Falk Sluyterman stellte dabei klar, dass Max Dingler nicht als Namensgeber in Betracht kommt, nachdem Schmidbauer diesen 2006 auf einer entsprechenden Liste vorgeschlagen hatte. Von Dinglers NS-Vergangenheit habe er erst deutlich später erfahren, erklärte der Kreisheimatpfleger in einem Leserbrief an die Tageszeitung. Heute wisse man mehr, sodass er Dingler rückblickend „nicht mehr in eine Vorschlagsliste für solche Straßenbenennungen aufnehmen könnte.“ Zuvor, Anfang Dezember, hatte Majaru auf Facebook unterstellt, Schmidbauer halte es nicht für nötig, „auf eine Namensänderung des Max Dingler Weges hinzuweisen“. „Bei allem Respekt Herr Schmidbauer, aber bitte legen Sie ihr Amt nieder!“, schloss er seinen Post. Dass Schmidbauer als Kreisheimatpfleger aufhört, war bereits im November im Kreistag bekannt gegeben worden.

ras/sn

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