"Prüfung mit Gütesiegel"

Nahmen stolz ihr Reifezeugnis entgegen: Die Abiturienten des Schongauer Welfengymnasiums. Foto: Peters

Da konnten selbst saunaartige Temperaturen in der Aula des Schongauer Welfengymnasiums die gute Laune nicht verderben: 109 Abiturienten haben jüngst ihre Reifezeugnisse erhalten. Fast zweieinhalb Stunden dauerte die schweißtreibende Veranstaltung, die jedoch vor allem dank der ausgezeichneten Abiturreden kurzweilig blieb.

Mit einem Notenschnitt von 2,3 liegt das Ergebnis des Schongauer Abiturjahrgangs genau im bayernweiten Durchschnitt. Immerhin 26 Abiturienten schafften eine Eins vor dem Komma. Zahlen, auf die Schulleiter Wolfgang Gebler zu Recht stolz sein konnte. Gleichzeitig ärgerte ihn die zuletzt laut gewordene Kritik von Verbänden und Politik, die die hohen Durchfallzahlen beklagten. Mit 3,7 Prozent liege man in Bayern deutlich vor Berlin (acht Prozent), erklärte Gebler. In anderen Bereichen wie der Führerscheinprüfung (27 Prozent), oder dem Staatsexamen der Juristen (30 Prozent) würden die Zahlen sogar deutlich höher liegen, da seien 3,7 Prozent doch „kein Weltuntergang“, so der Schulleiter. „Das bayerische Abi ist immer noch weltweit eine Prüfung mit Gütesiegel und keine Mogelpackung.“ Es sollten nicht die einzigen ernsten Worte an diesem Nachmittag bleiben. Wilfried Funke, den sich die Schüler aus dem Lehrerkollegium für die Abiturrede ausgesucht hatten, lobte das Engagement der Abiturienten, die ihre guten Leistung trotz der schlecht konzipierten „Fast-Ganztagsschule“ des G8 vollbracht hätten. Er kritisierte die ständigen Änderungen seitens der Politik, und forderte, dass ausgefallener Unterricht auch mal als Labsal für Lehrer und Schüler gelten dürfe. Gleichzeitig benötige die Gesellschaft auch in Zukunft leistungshungrige Schüler. „Schule bedeutet Mühe, Fleiß und Anstrengung“, betonte er. Den Abiturienten wünschte Funke Mut und Ausdauer, ihre Träume zu verfolgen. „Um es mit den Worten Steve Jobs zu sagen: Bleibt hungrig.“ Das Publikum bedankte sich mit donnerndem Applaus. Anschließend kam Gebler zum eigentlich wichtigsten Teil: der Zeugnisvergabe. Klassenweise bat er die Schüler nach vorn, wo jeder sein Abiturzeugnis erhielt, begleitet von einem lustigen Satz aus dem Grundschulzeugnis. Die Kreissparkasse sowie Hoerbiger ehrten die Besten der einzelnen Fächer zusätzlich mit Buch- und Geldpreisen. Eine besondere Auszeichnung ward Lisa Wimmer zuteil. Die Peitingerin erhielt für ihre Traumnote 1,0 den mit 1000 Euro dotierten Frank-Hirschvogel-Preis der Hirschvogel-Stiftung. Zum Abschluss traten schließlich Eva Priewich und Simon Schmitt ans Mikrofon. Die Abiturienten blickten humorvoll auf die zurückliegende Schulzeit zurück. Besonders Schmitt brachte die Anwesenden mit seinen stakkatoartigen vorgetragenen, zielsicheren Pointen zum Lachen. Ob „richtig schöne Alltagsaufgaben in Mathe“, die in Wahrheit an jeglicher Realität vorbeigingen, oder das nicht vermittelte Prozentrechnen: Mit seinem feinsinnigen Spott legte Schmitt den Finger in so manche Wunde. Besonders traf es Mathe-Lehrer Klaus „Mystic“ Muthsam. Er verkörpere den Superheld der Physik, der sogar Aliens das Raumschiff reparieren könne. Priewich fand schließlich noch ein paar Worte des Dankes. Sie lobte unter anderem Schulleiter Gebler für sein stets offenes Ohr. „Der Traum von den besten Abiatoren ist für uns in Erfüllung gegangen.“

Auch interessant

Meistgelesen

Digitale Ergänzung kommt an
Digitale Ergänzung kommt an
Das Pizzakarton-Problem
Das Pizzakarton-Problem
Das Wichtigste ist ein Stuhl
Das Wichtigste ist ein Stuhl
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"

Kommentare