Ralf Schnabel will Schongauer Bürgermeister werden

Gestalter statt Verwalter

+
Der Schongauer Ralf Schnabel will Bürgermeister und damit Nachfolger des scheidenden Stadtoberhaupts Karl-Heinz Gerbl werden. Er tritt bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr für die UWV an.

Schongau – Die Kandidatenliste für die Wahl des Schongauer Bürgermeisters im Frühjahr 2014 wird länger. Nach der SPD mit Falk Sluyterman und der CSU mit Robert Stöhr hat jetzt mit der unabhängigen Wählervereinigung (UWV) auch die dritte Kraft im Stadtrat ihren Anwärter präsentiert.

Für sie geht der Schongauer Ralf Schnabel in das Rennen um die Nachfolge des scheidenden Stadtoberhaupts Karl-Heinz Gerbl. 

Am Samstag sind sich die drei Kandidaten schon das erste Mal begegnet – auf dem UWV-Herbstball. Heimspiel also für Schnabel. Man habe sich einen fairen Wahlkampf gewünscht, sagt der 50-Jährige, dessen Kandidatur ein paar Tage zuvor publik geworden war. Noch ist es Zeit für lockeren Small Talk, der richtige Kampf um Schongaus höchstes Amt, der werde erst im Januar so richtig losgehen, weiß Schnabel. Bis dahin muss sich der Schongauer erst einmal zurechtfinden in seiner neuen Rolle als Spitzenkandidat der UWV. 

Eigentlich hatte der 2. Vorsitzende des Schongauer Skiclubs ja etwas ganz anderes vorgehabt. Im vergangenen Jahr beschloss der Wirtschafts-ingenieur, sich neu zu orientieren. 24 Jahre war Schnabel in der ganzen Welt herumgekommen, arbeitete erst für ein Schweizer Unternehmen fünf Jahre in den USA, anschließend 17 Jahre für die Böse Systec AG in Augsburg, bei der er unter anderem den internationalen Vertrieb verantwortete. Als Leiter der Asien-Sparte siedelte der Schongauer für die Firma sogar für ein Jahr nach Malaysia um. Als das Unternehmen 2010 Insolvenz anmeldete, heuerte Schnabel bei einer mittelständischen Firma in Garmisch an, wo er den internationalen Vertrieb aufbauen sollte. Im letzten Jahr trennten sich die Wege. 

„Nur Produkte zu verkaufen, das wollte ich einfach nicht mehr“, sagt er heute. Es fallen hehre Begriffe wie Social Business und Gemeinwohl-Ökonomie. „Ich wollte etwas machen, wo man etwas zurückgibt an die Gesellschaft.“ Schnabel schulte um zum Unternehmensberater, gründete die Initiative Talents by Heart, die Jugendliche bei der Wahl der passenden Ausbildung helfen soll. Und jetzt also Bürgermeister von Schongau. Kommunalpolitik. Verwaltung. 

Passt das zusammen? Ja, sagt Schnabel, der betont, kein Verwalter zu sein, sondern einer, der gestalten will. Einer, der die Menschen mitnimmt und an seinen Zielen gemessen werden will. Die Entscheidung, zu kandidieren, habe er sich nicht leicht gemacht, betont der gebürtige Schongauer. 

Immerhin acht Wochen ließ er verstreichen, nachdem ihn der stellvertretende Sprecher der UWV-Stadtratsfraktion, Roland Heger, im August angesprochen hatte, ehe er zusagte. „Natürlich habe ich mit meiner Familie gesprochen“, sagt er. Seine langjährige Lebensgefährtin und deren Tochter, mit denen er in Schongau lebt, sowie sein Sohn und seine Tochter aus seiner früheren Ehe hatten keine Einwände. 

Das Bürgermeisteramt sieht Schnabel als Chance – als Chance, Impulse geben zu können für die Region. Der 50-Jährige wuchert dabei vor allem mit seiner jahrelangen Erfahrung in der freien Wirtschaft. „Ich sehe mich als Mann der Wirtschaft“, betont er. Seine Ziele klingen gut: Mehr Unternehmen mit Zukunftstechnologien ansiedeln, mehr Arbeitsplätze schaffen. All das unter den Schlagworten Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Gemeinwohl. Was man sich darunter genau vorstellen muss, darüber schweigt sich Schnabel allerdings noch aus. „Wir werden uns in den nächsten Wochen zusammensetzen und ein Wahlkampfprogramm erarbeiten“, kündigt er an. Ideen habe er jedenfalls genug. 

Das freut auch Stephan Hild. Der Fraktionsvorsitzende der UWV ist Schnabels Nachbar im Forchet und glücklich darüber, einen Kandidaten präsentieren zu können, „der nicht nur auf dem Papier steht, sondern selber will und seine Vorstellungen und Visionen einbringt“. In der UWV träumt man daher bereits vom großen Coup. Der letzte ist schon einige Zeit her. 1958 gelang es Otto Ranz zum ersten und bislang einzigen Mal, das Schongauer Rathaus für die unabhängige Wählervereinigung zu erobern. „Es wäre mal wieder Zeit“, sagt Schnabel und lächelt verschmitzt.

Christoph Peters

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Jetzt bewerben: Werde das Kreisbote TrachtenMadl 2017
Jetzt bewerben: Werde das Kreisbote TrachtenMadl 2017
Messerstecherei in Schongau
Messerstecherei in Schongau

Kommentare