Erfahrungen ausschlaggebend

Schongaus Apotheker halten an Homöopathie fest

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Wie beispielsweise Globuli wirken, ist umstritten. Dass sie es tun, davon sind Schongaus Apotheker überzeugt.

Schongau – Wer in der Weilheimer Bahnhof-Apotheke Homöopathisches erwerben will, wird seit Kurzem erst auf Nachfrage fündig. Chefin Iris Hundertmark hat das entsprechende Angebot öffentlichkeitswirksam aus dem ausgestellten Sortiment gestrichen und begründet dies damit, dass die Wirkung nicht nachzuweisen sei. Eine „ehrliche Apothekerin“ wolle sie sein. Ein Schritt, den die Schongauer Mitglieder ihrer Zunft nicht nachvollziehen können. Sie verwehren sich entschieden gegen den impliziten Vorwurf der Unaufrichtigkeit.

Marianne Porsche-Rohrer ist Apothekerin in der Lech-Apotheke und als Heilpraktikerin tätig. „Beides mit Erfolg“, sagt sie. In Hundertmarks Vorgehen erkenne sie „ein gewisses Geltungsbedürfnis“. Das Ganze müsse ein „Gag“ sein – „für mich ist das nicht nachvollziehbar“. Bewährte Heilweise werde in den Dreck gezogen. Zweifellos gebe es Krankheitsbilder, bei denen Homöopathie nicht erste Wahl sei. Doch nach 50 Jahren an Erfahrung baue sie, Porsche-Rohrer, darauf, dass es viele Fälle gebe, in denen es auch „anders“ geht. Sprich homöopathisch – wenn der Patient das so wünsche. Hundertmark übersehe ordentliche Studien namhafter Firmen oder kenne diese schlicht nicht. In der Lech-Apotheke bleibe das Sortiment, wie es ist.

Das gilt auch für die Sonnen-Apotheke, stellt deren Chefin Sigrid Nienhaus klar. „So ein Schritt wie in Weilheim kommt für uns nicht infrage. Es sollte den Leuten selbst überlassen sein, welches Angebot sie wahrnehmen.“ In vielen Fällen seien mit Homöopathie sehr gute Ergebnisse zu erzielen, auch bei der Heilung von Tieren. Und diese verstünden nun einmal nichts vom oft angeführten Placebo-Effekt.

Gegen impliziten Vorwurf

Erfolge und positives Feedback führt auch Brigitte Schäfer-Ull­mann an. Eine entsprechende Ausbildung, Erfahrung und Herzblut seitens des Apothekers seien aber wichtige Voraussetzungen. „Man muss natürlich in der Lage sein, das Richtige rauszusuchen.“ Ihre West-Apotheke werde weiter guten Fachgewissens Homöopathie anbieten. Die Entscheidungsfreiheit, wozu der Kunde greife, müsse ihm zugestanden werden. Mit Blick nach Weilheim, sagt sie, habe sie sich „wahnsinnig geärgert“. Der Artikel des dortigen Tagblatts, das zuerst über Hundertmarks Entscheidung berichtet hatte, sei „daneben“, ebenso das Vorgehen der Kollegin. „Wenn sie ehrlich ist, wäre der Umkehrschluss, dass alle anderen unehrlich sind“, so Schäfer-Ullmann. „Das geht einfach nicht.“

Den impliziten Vorwurf der Quacksalberei findet auch Klaus Flitsch, Chef der Marien- und der Kreuz-Apotheke problematisch. „Entscheidend ist doch, dass etwas mit möglichst wenigen Nebenwirkungen hilft.“ Das sei mit Homöopathie zu erreichen. „Wieso muss es Ibuprofen sein, wenn es auch Globuli tun?“ Selbstredend gelte es stets, den Behandlungshintergrund abzuklopfen. Doch anders als Hundertmark ist Flitsch überzeugt, dass Homöopathie in einigen Situationen durchaus die beste Lösung sein könne – unabhängig von der Nachweisbarkeit der Wirkung. Denn: „Der Patient ist breiter aufgestellt, als seine reine Ratio.“Auch Placebo-Effekte als Hokus-Pokus abzutun, greife zu kurz. Denn dieser bediene sich die Schulmedizin ja durchaus auch.

Ein jeder wisse, dass nach gängiger naturwissenschaftlicher Ansicht „nix drin ist“, in den Globuli, sagt Thomas Mark von der Brunnen Apotheke. „Das lernt man schon in der Schule und auch jeder Pharmazie-Student.“ Dennoch registriere auch er positive Rückmeldungen vieler Kunden. „Richtig nachvollziehen“, könne er den Schritt Hundertmarks also ebenfalls nicht. „Freilich ist es nicht möglich, eine Wirkung nachzuweisen“, erklärt Mark. Das habe aber auch noch kein Homöopath postuliert. Dem tragen die Zulassungsbehörden Rechnung, so der Apotheker. „Zwischen Zulassung und Registrierung ist es ein Riesenunterschied.“ Ihm seien Teilerfolge im Bestreben, Nachweisbarkeit zu erzielen, bekannt. „Wir werden Homöopathisches im Sortiment behalten“ – aufgrund positiver Erfahrungen.

ras

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