Straße mit Zähnen

Rechts-vor-links: Neuartige Markierungen für Peiting

Kreuzung Haifischzähne Verkehr
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„Vorsicht, hier gilt rechts-vor-links.“ Das ist die Botschaft der weißen Dreiecke, die an immer mehr Peitinger Kreuzungen angebracht werden. Aktuell als Test angelegt, könnten sie bald im ganzen Ortsgebiet zu finden sein. Aufgrund ihres Aussehens und ihrer Anordnung tragen sie auch die Bezeichnung „Haifischzähne“.

Peiting – Sieht der Autofahrer die Haifischzähne, dann ist Vorsicht geboten. „Obacht geben, länger leben“, fasst Bürgermeister Peter Ostenrieder den Appell zusammen, der von den weißen dreieckigen Markierungen ausgeht. Diese finden sich an immer mehr Kreuzungen in Peiting. Auf dem Gebiet der ganzen Marktgemeinde – und damit an rund 400 bis 500 Stellen – könnten sie bald zu sehen sein. In den nächsten Monaten durchlaufen die Gedächtnisstützen für Verkehrsteilnehmer aber zunächst einmal eine Testphase.

Mit wenigen Ausnahmen gelte mittlerweile in ganz Peiting Tempo 30, erinnert Ostenrieder. Dass in den entsprechenden Zonen rechts-vor-links herrscht, das setzen einige Verkehrs­teilnehmer aber immer noch nicht oder nur halbherzig um. Teils aus Gewohnheit, weil die Vorfahrtsregel an einigen Stellen noch vergleichsweise jung ist, teils aus einer trügerischen Wahrnehmung heraus, vermutet der Bürgermeister. Denn auch, wenn sich die Situation nachträglich mit Einführung der Tempo-30-Zonen änderte, so blieb die bauliche Situation dieselbe. Sie verführe weiterhin dazu, auf der vormaligen Hauptstraße ohne den vorsichtigen Blick nach rechts geradeaus zu fahren.

Das treffe auch in der Lorystraße, der Untereggstraße bis zur Bergwerkstraße und der Lexe zu. Hier werden seit gut zweieinhalb Wochen rund 70 bis 80 Stellen und ihre zirka 200 Ein- und Ausfahrten probehalber mit weißen Bodenmarkierungen bestückt, die aufgrund ihrer dreieckigen Form und jeweils zu viert oder fünft aneinander gereiht wie die Zähne eines Haifischs anmuten. Ihre Botschaft: Vorsicht, hier herrscht rechts-vor-links.

»Kann nur positiv sein«

„Das kann nur einen positiven Effekt haben“, ist Ostenrieder überzeugt. Wenn die Neuerung gut angenommen werde, lasse sie sich auf alle Kreuzungen, an denen rechts-vor-links gilt, und das ganze Ortsgebiet ausweiten. Das wären rund 400 bis 500 Stellen, rechnet der Bürgermeister vor und nennt als weitere Schwerpunkte die Vogelsiedlung, die Bergwerksiedlung und das Bachfeld. Die bisherigen Rückmeldungen jedenfalls nimmt er als äußerst positiv wahr.

Noch dazu sei die Ausführung preiswert: Vier bis fünf Euro kostet ein einzelner Zahn. „Abkehren, auflegen, draufbrennen“, fasst der Rathauschef zusammen, wie sich so eine einzelne Kunststoffauflage mittels Gasbrenner an den Untergrund fixieren lässt. Die Vorteile dabei: Bei einem einfachen Aufmalen wären Abstriche in Hinblick auf die Langlebigkeit hinzunehmen; zu viel des Aufwands würde ein vorheriges Ausfräsen der dreieckigen Form darstellen. Mit der deshalb gewählten Vorgehensweise lasse sich in rund einer halben Stunde eine Kreuzung komplett bestücken, erklärt Ostenrieder.

Ob der November und Dezember warm genug werden, um die Arbeiten in den Testgebieten noch in diesem Jahr abzuschließen, das sei abzuwarten. „Wir kommen recht weit“, ist der Bürgermeister optimistisch, womöglich ist das vorläufige Ziel aber auch erst im Frühjahr erreicht.

Erfolgreiche Recherche

Linien auf der Straße – das habe er schon früher woanders gesehen und für Peiting als wünschenswert erachtet, schildert Ostenrieder. Doch die Gespräche des damaligen Bürgermeisters Michael Asam mit der Polizei hätten das ernüchternde Ergebnis gebracht: „Das ist nicht erlaubt.“ Zumindest nicht ohne stets dazugehöriges Schild „Vorfahrt gewähren“ – Ostenrieders Ansinnen wäre so zu einer arg teuren Angelegenheit geworden. „Als ich im Mai Bürgermeister geworden bin, habe ich das wieder aufgegriffen“, berichtet er.

Bei seinen Recherchen stieß er auf eine Petition, der der Bundestag im Herbst 2017 stattgab. Das Ergebnis fasst Ostenrieder so zusammen: „Ja, man darf auch ohne Vorfahrt-gewähren-Schild Linien anbringen.“ Der schriftliche Beleg, dass die Markierungen an Kreuzungen mit der Regelung rechts-vor-links in Tempo-30-Zonen zulässig sind. „Von einer höheren Stelle als dem Bundestag kann man so eine Bestätigung nicht bekommen“, sah Ostenrieder seine Bemühungen von Erfolg gekrönt.

Als ihn dann auch noch die Info erreichte, dass die Haifischzähne seit April 2020 als eigene Markierung in der Straßenverkehrsordnung verankert sind, wurden aus den geplanten Linien Dreiecke. Diese verhelfen zu mehr Umsicht im Peitinger Straßenverkehr, verspricht sich der Bürgermeister: „Obacht geben, länger leben.“ Beim Anbringen der Haifischzähne zähle Peiting zu den bayernweiten Vorreitern.

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