Nach Brand und langer Bauphase

Regens Wagner: Fachakademie und Berufsfachschule wieder im Bräuhaus

Bräuhaus Regens Wagner Rottenbuch Berufsfachschule Akademie Klosterhof
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Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten noch nicht, doch der Unterricht im Bräuhaus läuft wieder. Am Freitag war offizielle Wiedereröffnung, am Wochenende Tag der Offenen Tür.
  • VonRasso Schorer
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Rottenbuch – Die dritte Unterrichtswoche läuft, die ersten Prüfungen stehen bevor und am Freitag erfuhr es seine Segnung und Wiedereröffnung: Die Sanierung des ehemaligen Bräuhauses ist bis auf einige Restarbeiten abgeschlossen. Für Regens Wagner Rottenbuch, seine Fachakademie und Berufsfachschule beginnt damit ein neues Kapitel an jenem „Ort zum Lernen, der schöner kaum sein könnte“, wie Bürgermeister Markus Bader bei der Feierstunde fand. 

Es gibt Ereignisse, auch der schmerzlichen Art, die im Gedächtnis bleiben. Wo sie oder er war, welche Gefühle sich in diesem Moment Bahn brachen, darüber berichteten fast alle Redner bei der Einweihungsfeier des Bräuhauses, das am Abend des 18. Septembers 2018 plötzlich lichterloh brannte.

Regens Wagner Rottenbuch: Erinnerung an Brand 2018

Über 300 Menschen versuchten das Haus zu retten und ein Übergreifen der Flammen zu verhindern“, schilderte Regens Wagner-Gesamtleiter Achim Gerbig. „Sieben Tage haben Sie danach Wache gehalten und aufgepasst.“ Das Gelände vor dem Bild des von Feuer und Löschwasser zerstörten, aus den 1750er Jahren stammenden, Gebäudes habe einem Heerlager geglichen. Einen entsprechend großen Dank richtete Gerbig an die Feuerwehrleute. „Sie waren für mich die wichtigsten Menschen während der Bauzeit.“

Diese hatte 2016 mit dem Start der Renovierung begonnen, nachdem in den Jahren zuvor der Entschluss dazu gefasst worden war. Damals habe ihn das Kostenvolumen von 12,6 Millionen „fast umgehauen“, so Gerbig – es sollte noch auf rund 34 anwachsen.

Denn als 2018 das Feuer im Dachstuhl ausbrach, waren schon 10,5 Millionen verbaut. Weitere 23,5 Millionen waren danach zu investieren – „das bisher größte Projekt bei Regens Wagner“, so der Stellvertretender Vorstandsvorsitzende Gerhard Reile. Die Versicherung trug den größten Anteil, 3,6 Millionen kamen von der Regierung von Oberbayern, 60.000 vom Denkmalschutz und 500.000 steuerte die Diözese für die Kapelle im Gebäude bei. „Wir wollen die Investition in uns verdienen, indem wir Fachkräfte für die Region ausbilden“, fasste Gerbig zusammen.

Betriebsfähig

Außenanlagen und Restarbeiten sind gut sichtbar noch offen, Lieferschwierigkeiten schlagen durch. „Es sind auch noch nicht alle Kartons ausgepackt“, so der Gesamtleiter. „Aber wir haben es geschafft, wir sind betriebsfähig.“ Je nach Perspektive der Beteiligten sei das Gebäude zuletzt „Bräuhaus“, „Haus 1“, „Baustelle“, „Aktenzeichen“ oder „Schadensfall“ gewesen.

Früher dunkel, heute hell: der Werkraum unter dem Dach.

Für rund 350 Schülerinnen und Schüler sowie 38 Lehrkräfte sind die 75 Räume auf 4.740 Quadratmetern nun vor allem wieder Schule – die Berufsfachschule für Kinderpflege mit 50 Plätzen und einer zweijährigen Ausbildung und die Fachakademie für Sozialpädagogik mit der dreijährigen Ausbildung zur Erzieherin beziehungsweise zum Erzieher. Daneben sind dort die Zentrale Verwaltung, eine Großküche und Kapelle untergebracht.

Die Zeit der permanenten Raumnot und der Übergangslösungen – allein die Verwaltung musste während der Bauzeit viermal im laufenden Betrieb umziehen – sei vorbei, freute sich Gerbig. Die Schülerschaft zeige sich nach wenigen Tagen vom Haus überzeugt, trugen Berufsfachschulleiterin Silvia Christa und Fachakademieleiter Stefan Eblenkamp die Rückmeldungen vor: hell, schön, ausgestattet mit moderner Technik, Räumen für Kleingruppenarbeiten und Campus-Charakter. Es sei ein „Leuchtturmprojekt“, Tradition strahle an einer Stelle in neuem Glanz, wo 2013 noch die Internetanbindung vermisst worden war. Jetzt, so Eblenkamp, lasse sich auch in Richtung neuer Angebote der Aus-, Fort- und Weiterbildung denken. „Rottenbuch genießt in der Ausbildung einen hervorragenden Ruf“, lobte Garmisch-Partenkirchens stellvertretender Landrat Dr. Michael Rapp.

»Humanitäre Großmacht«

Bürgermeister Bader hörte das gern. Das Dorf sei stolz darauf, Standort dieser bayerischen „humanitären Großmacht“ zu sein. Als größter Arbeitgeber und Anlaufstelle vieler junger Menschen sorge Regens Wagner für eine stete Belebung. „Bei uns ist es fast nie ausgestorben.“ Noch dazu sei das nun wiederhergerichtete Bräuhaus ein für die Ortsansicht prägendes Element.

Auch innen tat sich einiges, dabei war die Ausgangslage anspruchsvoll, verdeutlichte Architekt Michael Weinbrenner von Haindl und Kollegen: ein kleinteiliger Bestand, teils niedrige Geschosshöhen und eine Decke, durch die kein Licht in die Werkräume fiel – zumindest bis zum 18. September 2018. „Der Brand war eine Zäsur“, alle Verantwortlichen seien „im Team wieder aufgestanden“. Angetan von der kleinen Kapelle zeigte sich Rainer Remmele, Pfarrer und Direktor bei Regens Wagner: „Sie ist ganz schlicht“, doch mehr brauche es nicht.

Die Beteiligten hoffen fortan auf gute Rahmenbedingungen. Diese seien in Sachen Schulfinanzierung problematisch, schilderte Gerbig: „Regens Wagner übernimmt staatliche Aufgaben gern – aber ohne ein jährliches Defizit zu riskieren.“

Seit 1928 wird im Bräuhaus kein Bier mehr gebraut, 1960 machten es die Don Bosco-Schwestern zur Schule, ehe 2010 Regens Wagner übernahm.

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