Mit neuer Kapelle und Großküche

Ein Vierteljahr hinter dem Zeitplan

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In einem, der bei der Sanierung entdeckten Hohlräume wurde jetzt eine „Zeitkapsel“ mit Dokumenten unserer Zeit eingemauert.

Rottenbuch – Mit Beginn des kommenden Schuljahres sollen die Schüler wieder in ihren Klassenzimmern unterrichtet werden. Bis dahin haben aber die Männer vom Bau noch einiges zu tun. Seit gut eineinhalb Jahren wird das Hauptgebäude, in dem die Fachakademie und die Berufsfachschule von Regens Wagner in Rottenbuch untergebracht sind, umgebaut. Für die Presse gewährte Achim Gerbig, Gesamtleiter in Rottenbuch, nun einen Blick auf die Baustelle; und deponierte dabei auch eine Zeitkapsel mit Unterlagen für kommende Generationen.

Kurz vor Weihnachten 1928 wurde in den Räumen der letzte Sud gebraut. Über viele Jahre war das imposante, um 1750 erbaute Haupthaus im Klosterhof eine Brauerei; während unten gebraut wurde und auch eine Gastwirtschaft untergebracht war, dienten die Obergeschosse als Kornkasten, später als Festsaal. Während der folgenden Jahre dient das Haus noch als Gaststätte, Kleiderlager und Weinkellerei, ehe 1960 die Don Bosco Schwestern das Gebäude übernehmen und es zur Schule umbauen. Eine Fachakademie für Sozialpädagogik findet innerhalb der dicken Mauern Platz, ebenso die Berufsfachschule für Kinderpflege.

Damit „ein zeitgemäßer Unterricht und Lernen auch weiterhin stattfinden kann“, so Achim Gerbig, beschließt die Regens Wagner Stiftung 2015, das Gebäude zu sanieren, umzubauen und zu modernisieren. Kurz zuvor hat die in Dillingen ansässige Kirchenstiftung die Räume übernommen, zum Schuljahresbeginn 2016/17 werden die rund 300 Schüler in anderen Räumen, auf dem Gelände, in Rottenbuch und im benachbarten Böbing untergebracht und die Bauarbeiten beginnen. 20 Unterrichtsräume, neben Klassenzimmern auch Werk- und Kunsträume, gut 3.000 Quadratmeter Fläche, der Fachakademie und der Berufsfachschule, verteilt auf drei Etagen, müssen saniert werden, erklärt Achim Gerbig beim Rundgang über die Baustelle. Selbstverständlich wird das Gebäude barrierefrei, zwischen den beiden Treppenhäusern, wo auch modernste Sanitäranlagen untergebracht sind, erschließt ein Fahrstuhl die Obergeschosse für Rollstuhlfahrer oder gehbehinderte Menschen. Modernste Technik sorgt neben dem Zugang zum Internet auch mittels Induktion dafür, dass man auch mit einem Hörgerät dem Unterricht folgen kann.

Für zeitgemäßes Lernen

Im Obergeschoss sieht man bereits, wo die neue Lernküche untergebracht werden soll. Daneben entsteht eine neue Kapelle im zentralen Bereich des Gebäudes, gleich neben der Großküche im Erdgeschoss, die ebenfalls saniert wird und die heute schon, neben den Schülern von Regens Wagner, den Rottenbucher Kindergarten mit Mahlzeiten versorgt. Schlussendlich soll es eine Mensa und ein Schülercafé auf dem Areal geben, die Klassenzimmer sind den modernen Erfordernissen angepasst und ermöglichen auch Unterricht in Kleingruppen für ein zeitgemäßes Lernen. Angedacht ist, dass die Großküche künftig auch weitere Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen versorgen kann und in der Schülercafeteria könnte es auch einen Mittagstisch für Senioren geben.

Rund zwölf Millionen Euro wird der Umbau inklusive neuer Kapelle und Großküche kosten, einen Zuschuss vom Landkreis konnte der private Träger Regens Wagner nicht einfordern. Allerdings beteiligt sich die Diözese Augsburg mit einem Zuschuss an der neuen Kapelle. Von staatlicher Seite gab es, für den Schul­umbau, einen Zuschuss von 3,7 Millionen Euro. „Den Rest hat Regens Wagner gestemmt“, so Gerbig.

Wobei nicht von vornherein klar war, welche Kosten auf die Stiftung zukommen würden. Denn der „Dachstuhl war deutlich sanierungsbedürftig“, erzählt Gerbig weiter. Die Statik sei nicht mehr in Ordnung gewesen, in Teilen habe man das Gebälk neu unterfangen und an anderer Stelle mit einem Stahlkorsett unterstützen müssen. Nachdem das Gebäude unter Denkmalschutz steht, hatte das zuständige Amt hier ein Wort mitzureden und von Beginn an sei ein Dendrologe dabei gewesen. So konnten die ursprünglichen Dachbalken aus der Bauzeit um 1750 erhalten werden.

Gut ein Vierteljahr liege man hinter dem Zeitplan, so Gerbig, vor allem die „Flickereien“ unter dem Dach hätten Zeit gekostet. Nachdem als erstes der Putz heruntergenommen worden war, präsentieren sich die Räume mittlerweile in ihrem künftigen Aussehen, nur dort, wo etwa die Technik oder die Lüftung eingebaut wird, liegt das alte Mauerwerk offen. So konnten alte Durchbrüche, Fenster oder auch eine Auffahrt in das Obergeschoss lokalisiert werden, einen der Mauerhohlräume hat Gerbig zusammen mit der Schulleitung auserkoren, die Zeitkapsel aufzunehmen. Neben aktuellen Zeitungen und Münzen sollen darin auch die Baupläne für das Gebäude und ein Buch über den Stiftungsgründer, den Pfarrer und Ordensleiter Johann Evangelist Wagner. 

Oliver Sommer

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