Die Kunst des Fliegenfischers

Abschied von Rosnitschek

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Achim Gerbig (rechts) hatte für Walter Rosnitschek einen Proviantkorb gepackt, der ihn an Rottenbuch und Regens Wagner erinnern soll.

Rottenbuch – Er habe ihn nicht auf der Liste gehabt, gestand Achim Gerbig. Und sich gefragt: „Wie lange macht er es denn noch?“ Er, das ist Walter Rosnitschek und gemacht hat er seinen Job als Schulleiter der Fachakademie von Regens Wagner in Rottenbuch bis zu diesem Schuljahr. Nun wurde Rosnitschek offiziell in den Ruhestand verabschiedet und sein Nachfolger Stefan Eblenkamp begrüßt.

Schon im Gottesdienst, der der Verabschiedung vorangegangen war, hatte der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes und geistliche Direktor in Rottenbuch, Pfarrer Rainer Remmele, Bezug genommen auf die Verabschiedung. Richtig feierlich wurde es aber erst im Anschluss, als Achim Gerbig übernahm, wobei der Gesamtschulleiter an die Personalplanung erinnerte und eben daran, dass er Rosnitschek gar nicht mehr auf der Liste gehabt habe, obwohl doch so viele Wegbegleiter mittlerweile das Rentenalter erreicht hatten und mittlerweile gar nicht mehr in Rottenbuch seien.

Mit Rosnitschek verabschiede sich nicht nur ein Schulleiter, sondern ein Freund der Studierenden, ein Freund der Lehrkräfte und ein Freund Regens Wagners. Er habe, gestand Gerbig, immer ein gutes Gefühl gehabt mit Rosnitschek, der ein Jahrzehnt lang der Fachakademie vorgestanden hatte. „Wenn Sie da waren, wusste ich Regens Wagner in guten Händen.“ Er sei ein verlässlicher Ansprechpartner gewesen, der Fragen und Probleme immer lösen habe können. „Er hatte seinen Standpunkt. Und trotzdem hat er über den Tellerrand dhinaus geschaut.“ Und er habe immer gewusst, was er wolle. Insbesondere fiel auch der Generalumbau von Regens Wagner in Rottenbuch in die Zeit Rosnitscheks. Der so Geehrte wusste eigentlich gar nicht, wie ihm geschah.

„Sie müssen wegen eines anderen hier sein.“ In den Ruhestand verabschiedet würden doch immer alte, grauhaarige Männer. Er aber sei ein blonder Jüngling. Jedenfalls fühle er sich so, obschon die Vita des Sozialpädagogen etwas anderes verrät. Nämlich an wie vielen Stätten Rosnitschek gewirkt hatte. Und obwohl er weder den Kindergarten, noch die Schule sonderlich gemocht habe, wie der nun Ex-Schulleiter gestand, wurde genau das zu seinem Aufgabengebiet: Erzieherinnen und Kindergärtner auszubilden und zu unterrichten.

Und so sei er mit neuen Ideen und Vorstellungen 2007 nach Rottenbuch gekommen. Man habe sich zusammenge­rauft und sei besser geworden. Wobei er immer beide Aufgaben – die Schule zu leiten und zu unterrichten – habe meistern müssen. Aber „wir haben in den zehn Jahren gemeinsam viel erreicht“. Unter anderem auch, dass die Schule finanziell konsolidiert worden sei. Und er lobte sein Kollegium, das immer motiviert mitgegangen sei. Denn während im staatlichen Schuldienst die Beförderung und die Bezahlung Motivation sei, habe er das in Rottenbuch über Freiräume erreicht und Gestaltungsspielräume ermöglicht.

Man müsse die Menschen gewähren lassen, so Rosnitschek. Ein Umstand, den sein Nachfolger bestätigte. Rosnitschek beherrsche das Fliegenfischen, die wohl höchste Kunst des Angelns. Dabei gehe es nicht nur darum, die Leine auszuwerfen, sondern mit einem Hauch von Nichts die Fische anzulocken und sie an der langen Leine zu führen. „Das ist die hohe Kunst“, so Stefan Eblenkamp. Das mache Rosnitschek zum Könner, so der neue Schulleiter, der künftig beide Schulbereiche, Fachakademie und die Berufsfachschule, leiten wird. Rosnitschek habe seine Aufgabe professionell, vorausschauend und immer kompromissbereit gemeistert.

Wie sehr Rosnitschek seine Schüler im Positiven beeinflusst hat, machte ein Teil von ihnen mit einem Liedervortrag deutlich. Sei man doch ahnungslos durch Rottenbuch gestolpert und habe im Laufe der Zeit neue Wörter und viele Aufgaben kennengelernt. Etwas ahnungslos muss es wohl auch ausgesehen haben, als Eblenkamp in seine neue Rolle eingeführt wurde. Zumindest atemlos habe es gewirkt, so Gerbig, wenn er den neuen Schulleiter in den vergangenen Wochen gesehen habe, wie er die Aufgaben peu à peu übernommen habe.

Insbesondere die ganzen Verordnungen, etwa das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen, hatten Eblenkamp in Erstaunen versetzt, wie er gestand. Und anmerkte, wie wohlfeil und manchmal versteckt Rosnitschek bestimmte Vorgaben und Verordnungen umgesetzt hatte. Nun aber sei es an ihm, und er versprach, seinen Vorgänger nur einmal pro Woche telefonisch zu stören. Wenn dieser nicht gerade mit seiner neuen Fliegenangel an einem Teich sitzt.

Oliver Sommer

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