"Jugend forscht" und "Schüler experimentieren":

Tüftler mit olympischem Geist

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Prädikat „besonders innovativ“: Das Schongauer Brüderpaar Kilian (links) und Quirin Grieser mit seinem selbst entwickelten Fahrradzelt.

Schongau – „Spring“, lautet das Motto der diesjährigen Auflage der Nachwuchsforscher-Wettbewerbe „Jugend forscht“ (ab 15 Jahren) und „Schüler experimentieren“ (bis 14 Jahre). Den Sprung in die vorderste Preisträger-Kategorie des Regionalentscheids Vor­alpenland gepackt hat in diesem Jahr zwar kein Team der Schulen aus dem Schongauer Altlandkreis, doch immerhin drei zweite Plätze sind ein veritables Trostpflaster. Überhaupt stehe der olympische Gedanke im Vordergrund, beteuerten einige Teilnehmer – dabei sein ist alles.

Auch Dr. Stefan Felber, Studienrat am Schongauer Welfen-Gymnasium, Wettbewerbsleiter des Regionalentscheids und Moderator der Preisverleihung im Jakob-Pfeiffer-Haus, stand noch unter dem Eindruck der Geschehnisse in Pyeong­chang. Er nahm die jüngst über die Bühne gegangenen Winterspiele zum Anlass, einen Vergleich zu ziehen. Ein augenscheinlicher Unterschied sei, dass es im Sport nur einen Champion geben könne, die Liste der Sieger folge dort einer starren Hierarchie. Bei Jugend forscht und Schüler experimentieren liege die Sache anders. Ein erster, zweiter oder dritter Preis sei eher als Note zu verstehen. Wer in der obersten Kategorie lande, habe seine Tauglichkeit für die nächste Runde, den Landesentscheid, nachgewiesen.

Im Jahr 2017 hatten die Schulen im Schongauer Land noch einen ersten, drei zweite und einen dritten Preis abgeräumt, diesmal fiel das Ergebnis – zumindest gemessen an den Auszeichnungen der Jury – magerer aus: Drei zweite Preise gingen an die hiesigen Tüftler.

„Der Platz ist gar nicht so wichtig“, fand Thomas Englmann, Mitglied der Konzernleitung und Leiter des Unternehmensbereichs Drive Technology bei Hoerbiger. Zum 14. Mal richtete sein Unternehmen den Regionalentscheid aus. „Ihr alle habt durch Eure Teilnahme Großartiges geleistet.“ Die Kinder und Jugendlichen hätten Mut, Neugier, Durchhaltevermögen und Kreativität bewiesen.

Das sah auch Schongaus zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer so. „Seid verrückt, probiert was aus“, rief er den 105 Nachwuchsforschern, die mit 63 Arbeiten angetreten waren, zu. Es seien oft vermeintliche Spinnereien, die erst Veränderungen anstießen. Seine eigene Kandidatur zum Stadtoberhaupt sei ursprünglich einer solchen entsprungen.

Titelregen für Biologen

In den Bereichen Arbeitswelt (sechs Projekte), Biologie (zwölf), Chemie (sechs), Geo- und Raumwissenschaften (drei), Mathematik/Informatik (vier), Physik (zehn) und Technik (14) hatten sich die Teilnehmer der Jury gestellt. Die größte Ausbeute mit drei ersten Preisen bei „Jugend forscht“ und einem bei „Schüler experimentieren“ verbuchten dabei die Biologen – bei denen der Schongauer Altlandkreis jedoch nicht vertreten war. Die beste Arbeit bei den Jüngeren legten die Geschwister Laura (11) und Lukas (13) Muthsam aus dem Fuchstal hin. Die beiden Schüler des Landsberger Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums und Kinder von Klaus Muhtsam, Lehrer am Welfen-Gymnasium Schongau, hatten einen Nistkasten mit einer Webcam und Sensoren ausgestattet um herauszufinden, wie es möglich sei, dass Vogelküken beinahe gleichzeitig schlüpfen, obwohl die Eier zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgelegt werden.

Neulinge und Routiniers

Auch die Kategorien Chemie sowie Geo- und Raumwissenschaften gingen komplett ohne Beteiligung aus dem Schongauer Land über die Bühne. Für die Arbeitswelt hingegen hatten sich zumindest zwei hiesige Teams erwärmen können: Seppi Frühschütz-Grüning (15), Eva Maier (15) und Katerina Stojanov (16) von der Pfaffenwinkel-Realschule hatten sich an einer „SchRocWelle“ probiert. Ihr Ansinnen war es, einen Schockfroster für den heimischen Gebrauch zu entwerfen, dessen Anwendungsspektrum von der Getränke-Kühlung auf Partys bis zur Lagerung von Medikamenten reichen sollte. „Wir haben nur wenig experimentieren können“, bedauerte Frühschütz-Grüning. Für ihn, der schon mehrere Wettbewerbsteilnahmen auf dem Buckel hat und seine Mitstreiterinnen, für die es eine Premiere war, reichte es dann auch nicht zu einem ersten, zweiten oder dritten Platz, wohl aber zum Sonderpreis des Landkreises.

Über einen Sonderpreis – für eine besonders innovative Arbeit – und obendrein einen zweiten Preis freute sich auch das Schongauer Brüderpaar Kilian (12) und Quirin (10) Grieser, ebenfalls von der Pfaffenwinkel-Realschule. Sie hatten ein Fahrradzelt angefertigt, bei dem der Drahtesel gleich als Gestänge fungiert. Praktischer Nebeneffekt: „Nicht nur der Fahrer, auch das Fahrrad bleibt trocken“, erklärte Kilian. „Und es ist diebstahlsicher“, ergänzte Quirin. Zwar sei ihr Prototyp, den beide mit kleiner Hilfestellung der Oma selbst nähten, noch nicht wasserdicht. „Aber wir bleiben dran.“ Dass der Projektpartner aus der eigenen Familie stammte, fanden beide gut. So müsse man sich nicht erst verabreden. Die brüderliche Harmonie sei meist gewahrt worden.

Ebenfalls einen zweiten Preis sowie den Sonderpreis der Stadt Schongau verbuchten Gabriel Gögler (14) und Lukas Brennauer (14) vom Welfen-Gymnasium in der Sparte Mathe und Informatik. Sie hatten eine Smart Clock hergestellt – einen Wecker mit Touchscreen und Zusatzfunktionen wie Wetterbericht oder Mail-Postfach. Ursprünglich hatten sie ihr Gerät ohne Wettbewerbs-Ambitionen für den Eigenbedarf entwickelt, entsprechend entspannt ging das Duo „Schüler experimentieren“ an. „Wir kommen ohne Erwartungen“, so Gögler, der aber auf den Geschmack gekommen ist. Ein erneuter Start im nächsten Jahr sei denkbar. „Der Eindruck ist gut, die Leute sind freundlich.“

Bereits zum zweiten Mal dabei war Schulkamerad Tobias Thiele (18) im Bereich Physik. Seine Feldmühle, mit der er anhand des elektrostatischen Erdfeldes Gewitter vorhersehen will, war im letzten Jahr noch nicht ausgereift. „Da hatte ich Probleme, die Technik ist ein bissl abgeraucht“, erinnert er sich. Diesmal war der Schongauer bis auf einige Kleinigkeiten zufrieden. „Ich kann jetzt endlich messen und auswerten, nur die Gewitter lassen noch auf sich warten.“ Lohn war ein zweiter Preis.

Lieblingsmetier Technik

Zahlenmäßig am stärksten vertreten war das Schongauer Land bei den Technikern. „Da ist der Standort traditionell mit vielen Projekten gesegnet“, so Felber. Derer vier stellten sich diesmal der Jury. Johannes Siegl (9) aus Schwabbruck hatte sich der Optimierung der Urzeitkrebszüchtung angenommen.

Caspar Krefft (17) aus Steingaden und Pascal Emter, beide vom Gymnasium Füssen, hatten gemeinsam mit Daniel Gruber (18) von der Altenstadter Franz-Josef-Strauss-Kaserne ihr solarunterstütztes Longboard weiter verbessert und dafür wie im letzten Jahr den von den Teilnehmern verliehenen Sonderpreis erhalten.

Ebenfalls für einen echten Hingucker sorgten Samuel Kroiß (14), Tobias Adler (15) und Jakob Sprenzel (14) vom Welfen-Gymnasium. Sie hatten eine DVD-Laufwerk-Uhr ersonnen. Das Prinzip: Alte DVD-Laufwerke fahren in einer Anordnung zum richtigen Zeitpunkt so aus, dass ihre Schatten die Ziffern einer Digitaluhr bilden. Ihre Arbeit wurde mit dem Sonderpreis für eine pfiffige Idee gewürdigt, die fertige Uhr soll einmal einen Gang der Schule zieren.

Bei der Auflage 2017 noch einen ersten Preis ergattert hatten Regina Schmid (15) und Louisa Holderried für ihr Musikspiel „Arnold“. Die Peitingerin Schmid trat diesmal zusammen mit Amelie Wirth (17) aus Kinsau an. Wieder ging es um eine spielerische Idee: Die beiden Schülerinnen vom Welfen-Gymnasium hatten ein Tic-Tac-Toe-Spiel mit Computer-Unterstützung und LED-Lichtern entworfen. „Sieht gut aus“, fand Felber, einen Preis gab es diesmal aber nicht. Beim Programmieren habe sich die ein oder andere Schwierigkeit aufgetan, erklärten die beiden Mädels, die oftmals umdenken mussten und sich durchbissen. „Wir wollten zeigen: Wir haben es verstanden und geschafft.“ Die Platzierung sei nebensächlich, „es ging ums Dabei-Sein“.

Sprung verpasst

Nicht dabei sind die Schulen aus dem Altlandkreis diesmal mangels erstem Preis bei den bayerischen Landeswettbewerben. Diese finden vom 19. bis zum 22. März in München („Jugend forscht“) sowie vom 16. bis zum 17. April in Dingolfing („Schüler experimentieren“) statt. Den Abschluss bildet ab dem 24. Mai das Bundesfinale in Erlangen. 

Rasso Schorer

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