Abschied nach elf Jahren

Rektorin Ursula Heitmeier verabschiedet sich von der Staufer Grundschule 

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Blumen und ein Herz zum Abschied sind nur einige der Abschiedsgeschenke, die Ursula Heitmeier bekommen hat.

Schongau – Mit dem Ende des Schuljahres hat sich Ursula Heitmeier, Rektorin an der Staufer Grundschule in Schongau, in den Ruhestand verabschiedet. Elf Jahre lang hatte sie als Leiterin die Geschicke der Schongauer Schule in die Hand genommen und auch den Neubau begleitet.

Die Liebe hatte die gebürtige Dachauerin einst nach Schongau verschlagen. Da sie mit ihrem Mann, der ebenfalls Rektor an einer Schule in München war, auf dessen Bauernhof nach Böbing gezogen war und er in Rente ging, wollte Ursula Heitmeier, die damals die Grundschule in Obermenzing leitete, auch nicht mehr so weit pendeln.

Da traf es sich gut, dass in Schongau gerade ein Schulleiter gesucht wurde. „Irgendwie habe ich mich gleich in Schongau verliebt“, so Ursula Heitmeier, die die Vielfalt der hiesigen Bevölkerung immer spannend fand. Dass baulich Handlungsbedarf besteht, sei von Anfang klar gewesen.

Mit dem Konzept der „Lernhäuser“, das inzwischen entstanden ist, ist sie sehr glücklich. „Es war Stress, aber positiver Stress. Ich mache das gerne, Räume zu gestalten und ihnen eine Seele zu geben.“

Das sieht man auch an ihrem Büro. Gerahmte Tier- Und Landschaftsimpressionen an der rosa getönten Wand, kleine helle Läufer auf dem Teppichboden und ein antiker Stuhl in der Ecke geben dem Raum eine persönliche Note.

Jeden Tag "Danke"

Lehrerin ist Ursula Heitmeier schon seit 1986. Und zwar, weil ihre Mama das wollte, wie sie lachend erzählt. „Ich habe mich zuerst gewehrt und mich für eine Ballett- und Gymnastikschule angemeldet.“ Den Berufstraum der Mutter zu leben, den diese selbst nicht verwirklichen konnte, hatte sie eigentlich nicht vor. Die Wende kam durch einen Lehrer, der sie überzeugte, wie schön diese Tätigkeit ist. „Es ist mein Traumberuf und er passt zu mir. Ich habe seitdem jeden Tag Danke gesagt“, so Ursula Heitmeier, die erst als Lehrerin und später Konrektorin im Landkreis Dachau tätig war und dann für zwei Jahre, abgeordnet an die Regierung von Oberbayern, zuständig für die Einführung der Ganztagsbetreuung war.

„Kinder sind mein Lebenselixier“, sagt sie, vierfache Mutter in einer Patchworkfamilie, die inzwischen schon Oma der fünf Enkelkinder Laura, Valentin, Antonia, Jonas und Simon ist. Kinder, die sie die Welt mit anderen Augen sehen lassen, sie mit ihrer Begeisterung anstecken und mit ihrer unbefangenen Herangehensweise an die Dinge des Lebens oft überraschen.

Wie vor vielen Jahren ein Mädchen namens Celia, das der nervösen Lehrerin, die mit der Klasse auf die Prüfungskommission zum zweite Staatsexamen wartete, die Hand auf das zitternde Knie legte und sagte: „Frau Heitmeier, wir machen das schon!“

Ob die Kinder sich während ihrer langen Zeit als Lehrerin verändert haben? „Die Kinder an sich haben sich nicht verändert. Aber die Gesellschaft“, meint Ursula Heitmeier. Überfrachtete Lehrpläne, hohe Erwartungen und Medien, die zunehmend die Betreuung übernehmen, wirken sich aus. „Es täte den Kindern gut, einmal in Muße etwas tun zu können.

Kindern Muße einräumen

Zum Beispiel Schönschreiben. „Aber dazu ist heute keine Zeit mehr“, findet sie. Und erzählt im gleichen Atemzug vom Schmetterlinge-Züchten im letzten Schuljahr. In einem Weckglas hatte eine Klasse Raupen bei der Verpuppung und schließlich das Schlüpfen der Schmetterlinge beobachtet. „Selbst der größte Rabauke war da ganz vorsichtig, damit nichts passiert. Und 400 Kinder haben begeistert geklatscht, als die Schmetterlinge in die Freiheit geflogen sind.“

Ihrer Meinung nach werden Kindern heute viel zu wenig solcher sensiblen Erlebnisse geboten. Dafür sollte viel mehr Platz im Lehrplan sein. Sie selbst will nach der Pensionierung ihre gewonnene Zeit erst einmal mit einer sechswöchigen Frankreich-Reise zusammen mit ihrem Mann, der ihr immer ein Rückhalt war und ist, genießen und ihre Leidenschaft für Sprachen pflegen. Und wieder mehr Zeit für ihre Hobbys Ballett, Tanzen, Harfe, Radeln und Skitouren haben – sowie natürlich auch für ihre Enkel. „Die ich als Großmutter überhaupt nicht erziehe und ganz inkonsequent bin. So soll es, glaube ich auch sein“, lacht Heitmeier, die statt einer großen Abschiedsfeier in den letzten Wochen jede Klasse an ihrer Schule besucht und zum Schluss jedem Schüler ein Eis ausgegeben hat. 

uf

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