Ruhe im Natur-Paradies

Stadtrat lehnt Kleinkinderspielbereich am Schongauer Lido mit großer Mehrheit ab

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Soll so bleiben wie er ist: Der Stadtrat hat die Schaffung eines Kleinkinderspielbereichs am Schongauer Lido nun mit großer Mehrheit abgelehnt.

Schongau – Es wird keinen Spielbereich für Kleinkinder am Schongauer Lido geben. Obwohl der Bau- und Umwelt­ausschuss Anfang Juli dort einige Spielgeräte einstimmig beschlossen hatte, musste das Thema nun aufgrund eines Bürgerantrags noch einmal in den Stadtrat. Dort gingen die Meinungen ziemlich auseinander. Selbst eine abgespeckte Version mit einer naturnahen Schaukel und einem Sandkasten lehnte das Gremium am Dienstag mit 14:9 Stimmen ab.

Die Besucherstühle im Rathaussaal waren am Dienstag gut besetzt. Da die meisten wohl wegen des geplanten Kleinkinderspielbereichs am Lido gekommen waren, regte Bürgermeister Falk Sluyterman an, diesen Tagesordnungspunkt vorzuziehen und als ersten zu behandeln. Grund dafür, dass das Thema nun den Stadtrat beschäftigte, war eine Unterschriftenaktion und ein daraus resultierender Bürgerantrag.

Anfang Juli hatte der Bau- und Umweltausschuss eine naturnahe Spielerlebnisstation mit hölzernem Floß und Kletterelementen beschlossen. Die Ausführung hätte die Stadt wohl rund 14.000 Euro gekostet. Vorausgegangen war dem Beschluss die Initiative des früheren CSU-Stadtrats und Ehrenringträgers Peter Blüml sowie ein daraus resultierender Antrag der CSU-Stadtratsfraktion.

Doch der Beschluss des Ausschusses stieß bei der Bevölkerung auf Gegenwind. Über 600 Unterschriften haben die Gegner daraufhin gesammelt und damit die Voraussetzungen für einen Bürgerantrag erfüllt. Ihr zentrales Argument: Der Lido biete als natürliches Areal genug Spielmöglichkeiten für Kinder.

Darüber wurde auch in der jüngsten Sitzung des Schongauer Stadtrates wieder eifrig diskutiert. CSU-Fraktionsvorsitzender Michael Eberle stellte zunächst klar: „Wir wollten dort keinen Spielplatz, sondern lediglich ein bis zwei Spielgeräte.“ Diese würden lediglich eine Fläche von rund 6 x 6 Metern einnehmen, was keine größere Naturzerstörung mit sich bringen würde. Dieser Ansicht waren auch seine Fraktionskollegen Kornelia Funke und Robert Stöhr. Der Tenor: Kleine Spielmöglichkeiten wie etwa eine Schaukel würden niemandem einen Zacken aus der Krone brechen. Bootshaus-Pächter Günter Schultz habe sich außerdem im Gespräch damit einverstanden erklärt, den Kindern dort die Möglichkeit zu bieten mit Sand zu spielen, signalisierte Bürgermeister Falk Sluyterman.

Doch so weit wird es nicht kommen. Mit einer deutlichen Mehrheit von 14:9 Stimmen lehnte der Stadtrat Schaukel und Sandkasten ab. Siegfried Müller (ALS) sagte, die Sache sei vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Im Bauausschuss sei das Thema unter völlig falschen Voraussetzungen verkauft worden, nämlich, dass die Bürger dahinter stehen würden. Auch Mona Maucher (UWV) äußerte sich dahingehend, dass Kinder dort keine Spielgeräte bräuchten, die gäbe es anderswo in Schongau genug.

Ein Vandalismus-Problem hält Ilona Böse (SPD) für möglich: Der Lido sei „ein absolutes Paradies“. Doch dadurch, dass hier Hunde erlaubt sind und auch die ein oder andere Fete stattfinde, „hätte man da schnell einen sehr schmutzigen Sandkasten“, so die SPD-Fraktionsvorsitzende.

Ein weiteres Problem seien die vielen dort abgestellten Fahrzeuge. Denn nur wer eine Ausnahmegenehmigung habe, dürfe dort auch parken, so Böse. Ihr Appell: „Hier müssen wir wieder stärker durchgreifen.“ Ähnlicher Ansicht ist auch Nina Konstantin (ALS): „Wir sollten den Lido nicht zu attraktiv gestalten, das lockt wieder Autos an“, so ihre Meinung. 

asn

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