Rosstag in Burggen wird neu aufgelegt

Sieben Jahre Pause sind genug

+
Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Thomas Kirchhofer.

Burggen – Er bedeutet monatelange Vorbereitungen, seine Organisation ist ein Kraftakt: In Burggen möchten drei Vereine nach sieben Jahren Pause wieder einen Rosstag samt Rahmenprogramm (Heimatabend, Jubiläum der Musikkapelle) stemmen. Termin ist am zweiten Sonntag im September. Warum die Helfer das auf sich nehmen? Weil Burggen ein „Zugpferd“ braucht. So beschreibt es Thomas Kirchhofer, 32. Der Forstingenieur ist zweiter Vorstand beim Trachtenverein, aktiver Musiker und im Reit- und Fahrverein aktiv. Die Koordination liegt in seinen Händen. Zum Rosstag waren immer zwischen 5000 und 15 000 Besucher nach Burggen gekommen.

Wie kommt’s zu der Neuauflage nach mehr als sieben Jahren Pause? 

Kirchhofer: „Ein Anstoß für uns waren die Nachfragen aus dem Dorf, aber auch aus dem Umland.“ 

Welche Nachfragen denn? 

Kirchhofer: „Zum Beispiel die Frage, warum es den Rosstag nimmer gibt, des war doch so schee. Es ist aber auch der Impuls aus den Vereinen gekommen, dass wir ein Zugpferd für unser Dorf brauchen, um das Vereinsleben aktiv zu gestalten. Das gilt speziell für den Trachtenverein, für den Reit- und Fahrverein und für die Musikkapelle.“

Warum sind solche Nachfragen mehr als sieben Jahre nach dem letzten Rosstag im September 2007 immer noch vorhanden? 

Kirchhofer: „Das zeigt doch, wie tief der Rosstag in Burggen verankert war. Der zweite Sonntag im September war immer ein Höhepunkt im Jahreslauf. Dass jetzt noch Anfragen kommen, ist für uns ein Motivationsschub, nach langer Pause nochmals anzupacken.“ 

Wie schwierig ist es, nach so langer Pause den Rosstag wieder zum Laufen zu bringen? 

Kirchhofer: „Das ist tatsächlich eine echte Herausforderung. In den letzten sieben Jahren hat sich schließlich viel verändert. Wichtige Helfer, die bis 2007 immer dabei waren, können wir aus Altersgründen nicht mehr einbauen. Mehrere Leute sind auch schon verstorben.“ 

Wie setzt sich der Organisationskreis zusammen? 

Kirchhofer: „Die Koordination zum Festzug beim Rosstag nimmt mein Vater in die Hand (Georg Kirchhofer, Anm. d. Red.). Da hat niemand mehr Erfahrung als er. Er kennt alle Fuhrleute vom Allgäu bis ins Bayerische. Meine Aufgabe ist es, unter den Vereinen in der Gemeinde alles abzuklären. Schließlich wollen wir am Vorabend des Rosstages auch einen großen Heimatabend mit dem Trachtenverein gestalten. Und eine Woche vorher ist die 90-Jahr-Feier der Musikkapelle."

Warum wird gleich ein Dreierpaket geschnürt? 

Kirchhofer: „Erstens, um die Kosten für jeden Verein zu minimieren – von der Werbung bis zum Spülmobil. Zweitens, weil es sich bei drei Vereinen besser rentiert, die Halle, die sonst ja im Reitbetrieb ist, gründlich sauber zu machen und aufwändig zu dekorieren. Und drittens, weil sich so die Vereine, die sich allesamt dem Brauchtum verschrieben haben, einer breiten Öffentlichkeit zeigen können. Denn seit dem Lechgaufest 2009 hat der Gebirgstrachtenerhaltungsverein in der eigenen Gemeinde keine Plattform gehabt. Das ist aber wichtig – sowohl für die Jugend als auch für die aktiven Plattler. Gerade in der Nachwuchsarbeit kommt es darauf an, einmal im Jahr im eigenen Dorf aufzutreten.“ 

Die Musikkapelle klinkt sich ja auch ein? 

Kirchhofer: „Ja. Beim Gaufest 2009 gab’s einen Sternmarsch mit Kapellen aus Nachbargemeinden. Das war damals ein Abend mit großer Resonanz. Nach sechs Jahren lässt sich sowas wiederholen, zumal wir mit dem 90-jährigen Jubiläum durchaus einen Anlass haben. Außerdem sind wir beim Heimatabend genauso wie beim Rosstag selbst auf die Musikkapelle angewiesen.“ 

Wie wollen die Burggener dem historischen Schwerpunkt beim Rosstag diesmal gerecht werden? Ein Thema war immer das Leben um 1900. 

Kirchhofer: „Wir haben gemerkt, dass in den Familien und Vereinen von Alt zu Jung schon in der aktiven Rosstagzeit bis 2007 viel weitergegeben worden ist. Somit können wir auf Leute zurückgreifen, die Wagen fachgerecht aufbauen können.“ 

Zum Beispiel? 

Kirchhofer: „Zum Beispiel das Laden eines Heufuders. Was ich aber noch sagen will: Wenn wir mit der Neuauflage noch länger warten, dann wird die Wissenslücke zu groß. Die Leute, die den Wagenaufbau beherrschen, werden weniger.“ 

Wie groß wird der Rosstag aufgezogen?

Kirchhofer: „Wir sind noch in der Bestandsaufnahme. Zwei Drittel der Wagen kommen wohl aus dem Dorf, ein Drittel kommt von auswärts. Unser ehrgeiziges Ziel ist es, einen schönen und inhaltlich stimmigen Festzug zusammenzubringen. Ob’s dann 80, 90 oder 100 Wagen sein werden, ist dabei zweitrangig."

Interview: Johannes Jais

Auch interessant

Meistgelesen

Beim "Sauren Max"
Beim "Sauren Max"
Erst 2020 barrierefrei
Erst 2020 barrierefrei
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Digitale Ergänzung kommt an
Digitale Ergänzung kommt an

Kommentare