Dominostein im Klosterhof

Rottenbuch: Don-Bosco-Schule soll an jetziger Stelle neu gebaut werden

Seit rund zehn Jahren steht fest, dass die Don-Bosco-Schule (vorne, Mitte) abgerissen und neu gebaut werden soll. Das Wo war lange unklar, nun könnte es aber an Ort und Stelle und mit einer Erweiterung in Richtung Norden klappen. Das würde auch Klarheit für weitere wichtige Projekte bringen.
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Seit rund zehn Jahren steht fest, dass die Don-Bosco-Schule (vorne, Mitte) abgerissen und neu gebaut werden soll. Das Wo war lange unklar, nun könnte es aber an Ort und Stelle und mit einer Erweiterung in Richtung Norden klappen. Das würde auch Klarheit für weitere wichtige Projekte bringen.

Rottenbuch – Der Dominostein könnte gefallen sein: Nachdem lange unklar war, wo die Regens-Wagner-Stiftung den Neubau ihrer Don-Bosco-Förderschule verwirklicht, ist das Bild nun wieder deutlicher. Eine Bauvoranfrage, die Rottenbuchs Gemeinderat in seiner ersten Sitzung des Jahres im Januar einstimmig befürwortete, deutet an: Der neue Standort könnte der alte sein – der Klosterhof. Das würde auch die Puzzlestücke Vollsortimenter, Feuerwehrhaus und Bauhof an ihre künftige Stelle rücken.

„Das muss doch schneller gehen“, hatte sich Achim Gerbig, Gesamtleiter von Regens Wagner in Rottenbuch, im Jahr 2012 gedacht, als beim Besuch einer neuen Schule deren Leiter auf acht bis zehn Jahre Bauzeit und Planung zurückblickte. Heute verstehe er, schildert Gerbig: Viele Behörden sind miteinzubeziehen, zahlreiche Sachfragen zu klären. „Der Planungsaufwand ist hoch.“

Bestand nicht mehr zeitgemäß

Ein Jahr vor seinem damaligen Besuch, 2011, hatte die Regens-Wagner-Stiftung die Grundsatzentscheidung getroffen, ihre Don-Bosco-Schule neu bauen zu wollen. Die damaligen Gründe sind bis heute nur noch dringlicher geworden. Gerbig fasst sie so zusammen: „Die Förderschule entspricht nicht mehr dem aktuellen baulichen und pädagogischen Standard.“ Sie sei zu klein für die derzeit 111 Schüler, energetisch renovierungsbedürftig und entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit. Das 1.300 Quadratmeter Nutzfläche messende Gebäude aus den Sechzigerjahren sei arg verwinkelt. Wer keine der vielen Treppen nehmen kann oder will, der müsse den alten, langsamen und für nur zwei Personen gleichzeitig geeigneten Aufzug nutzen. „Für Rollstuhlfahrer ganz schwierig“, so Gerbig.

Knifflige Umgebung

Die heutigen Standards in Sachen Barrierefreiheit seien im aktuellen Vorentwurf des Architekturbüros Haindl und Kollegen freilich viel besser verwirklicht und auch eine weitere Hürde, die in Rottenbuch besonders ausgeprägt ist, sieht Gerbig genommen: die der Sichtbeziehung zum üppigen historischen Bestand.

Flach, aber kein Flachbau, so soll das neue Gebäude dastehen. Eine aufgelockerte Dachlandschaft mit Satteldächern, die sich an die denkmalgeschützte Umgebung anpasst. „Der Komplex fügt sich komplett ein“, ist Bürgermeister Markus Bader überzeugt. Der Neubau rücke dem Kloster zwar auf die Pelle, stelle aber eine sinnvolle Entwicklung des Bauvolumens dar. „Das könnte man stolz vorzeigen.“

Mindestens fünf Jahre bis zur Fertigstellung würde es aber immer noch dauern, wenn die Entscheidung wirklich pro Standort Klosterhof fällt, schätzt Gerbig. Das Kostenvolumen, großteils finanziert durch die Regierung von Oberbayern, beziffert er auf rund 15 Millionen Euro.

Ob der Abriss des jetzigen Schulgebäudes und der 2.690 Quadratmeter bietende Neubau – 2011 war man im Raumprogramm noch von 1.745 Quadratmetern Flächenbedarf ohne Sportstätten und Pausenhof ausgegangen – an dieser Stelle realisiert wird, hängt nun im weiteren Fortgang auch von den Entscheidungen der Fachbehörden und vor allem von laufenden Grundstücksverhandlungen ab.

Wichtige Verhandlungen

Denn um die Erweiterung in Richtung Norden Wirklichkeit werden zu lassen, müssen zwei kleinere angrenzende Flächen erworben werden. Bürgermeister Bader koordiniert die Gespräche. „Wir sind bei diesem Puzzle sehr sehr weit“, ist er optimistisch. Auch im Zug der laufenden Bauvoranfrage rechnet er im Zusammenspiel mit den Trägern öffentlicher Belange mit keinen bösen Überraschungen mehr.

Während der rund zweijährigen Bauarbeiten, über die sich Abriss und Neubau hinziehen könnten, würde das komplette Schulleben woanders hin und in Container verlagert. Das hält Gerbig aber für gut machbar.

Dass der Klosterhof nun mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Heimat der Don-Bosco-Schule bleiben könnte, war in den wechselvollen Überlegungen der letzten Jahre nicht immer absehbar. 2013 hatte man sich erstmals mit Standortvarianten auseinandergesetzt, den Baubeginn im Klosterhof dann doch schon nahe gewähnt, sich anschließend aufgrund der dortigen Beengtheit aber erneut anderweitig orientiert, blickt Gerbig zurück. Der Brand im Jahr 2018 am alten Bräuhaus und seine Folgen sorgten dann zwischenzeitlich für Stillstand.

Dass 2020 der tiefe Wiedereinstieg in die baurechtliche Planung auf eigenem Gelände erfolgte, liegt an den Schulbaurichtlinien der Regierung von Oberbayern, die hier als Schulaufsichtsbehörde auftritt. Sie hielt dazu an, alle Möglichkeiten für einen Verbleib auf dem Klosterhof zu prüfen. Um das Wohlwollen für einen anderen Standort zu bekommen, sei der „Beweis“ zu erbringen gewesen, dass keine Möglichkeit auf dem eigenen Gelände besteht, so Gerbig.

Hohe Priorität

Nachdem er Anfang Dezember bei einer Klausur in Sachen Don-Bosco-Schule und Klosterhof auf den neuesten Stand gebracht wurde, setzte sich der Gemeinderat Mitte Januar öffentlich damit auseinander. Einstimmig segnete das Gremium die Bauvoranfrage ab.

Wie wichtig Regens Wagner für seine Gemeinde ist, leite sich nicht nur aus der Rolle als größter Arbeitgeber mit rund 100 Stellen ab, erklärt Bader. Die Nutzung der historischen Bausubstanz könne Rottenbuch selbst gar nicht leisten, der belebende Effekt im ganzen Dorf sei gut sichtbar: „Dass Rottenbuch tagsüber nicht ausgestorben ist, liegt zu 80 Prozent an Regens Wagner.“

Dass er diese Einschätzung teilt, hatte der Gemeinderat schon im Januar 2018 per Grundsatzentscheidung dokumentiert, als Regens Wagner noch das Gärtnereigelände für seinen Neubau bevorzugte: Bei der Dorfentwicklung fiel der neuen Don-Bosco-Schule fortan die höchste Priorität zu. In Sachen Feuerwehr und Bauhof sei man selbst bestimmender Akteur, so Bader. „Und einen Supermarkt bekomme ich immer an die Bundesstraße.“ Eine Schule, die fortzieht, bleibe aber weg. Deshalb habe das Gärtnereigelände als Plan B in der Hinterhand bleiben müssen.

Zwischenzeitlich galt das Gärtnereigelände als Ausweichmöglichkeit für den Neubau der Don-Bosco-Schule. Der deshalb verhängte Planungsstopp ist nun aufgehoben, ein Vollsortimenter soll kommen.

Dominostein Don Bosco

Solange das Gärtnereigelände als möglicher Schulstandort im Rennen war, ruhten die dortigen Gedankenspiele rund um einen Vollsortimenter – konkret war die Rede von Edeka – sowie die Neubauten für Feuerwehr und Bauhof. Jetzt ist es wieder frei. Der Gemeinderat hob den dortigen Planungsstopp deshalb auf und legte sich mit 10:3 Stimmen auf das Gärtnereigelände als Supermarkt-Standort fest.

Ihren Wunsch dazu hatten die Rottenbucher schon 2017 in einem Bürgerentscheid zum Ausdruck gebracht, als rund 63 Prozent eine Ansiedlung befürworteten. Eben um Plan B für die Don-Bosco-Schule offen zu halten, war zwischenzeitlich auch der Postplatz für die Nahversorgung im Gespräch – allerdings nicht ohne mehrere zu schluckende Nachteile, so Bader. Nun, da sich alles fügen könnte, beginnt der Planungsprozess für das Gärtnereigelände von Neuem. Das Warten habe sich aber gelohnt, findet der Bürgermeister. „Wenn es jetzt so käme, wäre jeder zufrieden“, fasst er für die Standortsuche der Don-Bosco-Schule zusammen.

Rasso Schorer

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