Runder Tisch zur Schongauer Altstadt

Zumindest eine City-Zone

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Noch können Autos auf beiden Seiten des Marienplatzes fahren.

Schongau – Seit Richard Merkle vor kurzem verlauten ließ, einen Millionen-Betrag in die Sanierung seiner beiden Häuser am Marienplatz investieren zu wollen (der Kreisbote berichtete), ist das Thema Fußgängerzone wieder in aller Munde. Denn auch das hat Merkle klar gemacht: Ohne Verkehrsberuhigung sei sein Vorhaben, eine große Modekette in Schongaus Zentrum zu installieren, von Beginn an aussichtslos. Nach einem Runden Tisch im Rathaus scheint zumindest eine kleine Lösung durchsetzbar.

Die Anfrage von der Aktionsgruppe Schongau belebt zu einem Runden Tisch war schon im Dezember auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Falk Sluyterman gelandet. Besprochen werden sollten Maßnahmen, wie man der Altstadt mehr Leben einhauchen könnte. „Den Ball habe ich gerne aufgenommen“, erklärt Sluyterman. Seiner Einladung ins Rathaus folgten jüngst neben Stadträten aller Fraktionen auch Vertreter der Werbegemeinschaft Altstadt. 

Dadurch, dass Richard Merkle kurz zuvor die Pläne für seine beiden Häuser am Marienplatz öffentlich gemacht hatte, stand das Thema Fußgängerzone natürlich im Mittelpunkt der Diskussion. Ohne eine verkehrsberuhigte Mitte, hatte Merkle klar gemacht, sei sein Plan, eine große Modekette im ehemaligen Gasthof Schrimpf unterzubringen, nicht umsetzbar. 

Dass man diese einmalige Chance auf einen Magneten im Zentrum nicht ungenutzt verstreichen lassen dürfe, darin seien sich alle Anwesenden einig gewesen, berichtet das Stadtoberhaupt. Nach der Gesprächsrunde zeichnet sich ab, wie eine Lösung ausschauen könnte. Als kleinster gemeinsamer Nenner habe sich die City-Zone herauskristallisiert, stellt Sluyterman fest. 

Dahinter verbirgt sich ein Konzept, das die Werbegemeinschaft schon 2008 als Gegenentwurf zu einer großen Fußgängerzone entworfen hat-te, der die Schongauer damals per Bürgerentscheid bekanntlich eine Absage erteilten. Es sieht vor, nur die östliche Seite des Marienplatzes für den Verkehr zu sperren. 

Eine komplett autofreie Mitte, wie sie etwa das 2011 gescheiterte Konzept V vorsieht, geht der Werbegemeinschaft aus Angst vor Umsatzeinbußen zu weit. Bestätigt fühlt sie sich durch die Baustelle im vergangenen Jahr.

Für den Bürgermeister ist das allerdings kein stichhaltiges Argument, schließlich habe der Marienplatz zu dieser Zeit alles andere als einladend gewirkt. 

Auch Sluyterman ist klar, dass mit einer wie auch immer gearteten verkehrsberuhigten Zone auch die Aufenthaltsqualität gesteigert werden muss. „Einfach zusperren reicht sicher nicht“, weiß er. 

Ihm ist freilich bewusst, dass der Zug für bauliche Veränderungen nach der gerade erst erfolgten Kanalsanierung erst einmal abgefahren ist. „Das wäre natürlich toll gewesen, wenn das in diesem Rahmen gegangen wäre“, bedauert er.  Man könne aber schon mit geringen Mitteln einen positiven Effekt erzeugen, betont Sluyterman – sei es mit Bepflanzung oder Bänken. 

Als nächstes will der Bürgermeister mit Merkles Architekten Kontakt aufnehmen und ihm vom Ergebnis des Runden Tisches berichten. Hier wird sich dann auch zeigen, ob die City-Zone überhaupt in Frage kommt. Denn klar sei, betont Sluyterman: „Wir brauchen nichts umsetzen, was dann dem Magneten nicht ausreicht.“

Viele Wünsche

Einen ganzen Strauß an Ideen hat die Gruppe Schongau belebt beim Runden Tisch vorgetragen. Die Wunschliste reichte von QR-Codes an historischen Gebäuden über den Dreh eines Image-Films, neue Holzbänke und Kübel-Bäume am Marienplatz, eine bessere Beleuchtung des Stadtgrabens bis hin zu einer Plattform mit aktuellen Leerständen und einem vernünftigen Parkleitsystem. 

Auf manche Anregung wie einem einladenderen Willkommensbild hat Bürgermeister Falk Sluyterman bereits reagiert, der Europaplatz etwa werde ab sofort immer beflaggt, teilt er mit. Am Parkleitsystem sei man derzeit dran, die sieben Parkzonen zu vereinfachen und die Anwohner-Regelung zu überarbeiten. „Das dauert aber noch.“ 

Um die Altstadt zu beleben, sieht der Rathauschef aber auch die Geschäftsleute in der Pflicht. „Wir brauchen unbedingt einheitliche und durchgehende Öffnungszeiten“, fordert er und verweist auf zahlreiche Rückmeldungen von auswärtigen Besuchern, die ihn zu diesem Thema in letzter Zeit erreicht hätten.

Bei der Werbegemeinschaft Altstadt will man das Thema auf der nächsten Sitzung am 11. Februar besprechen.

Christoph Peters

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