Sammelleidenschaft nach alten Fotoapparaten

Die russische Leica war der Anfang

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Hermann Dürr neben einer in Mahagoniholz gefertigten Atelierkamera von 1900 der Firma Ferdinand Troger, deren Verschluss noch per Luftdruck ausgelöst wurde. Die Kamera stammt aus dem Besitz der Steingadener Holzbildhauerin Marion Werner. In seiner rechten Hand hält Dürr die Voigtländer „Bessamatic CS“ mit dem ersten Zoomobjektiv.

Steingaden – Das Sammeln von Dingen unterschiedlichster Art kann zur großen Leidenschaft werden. Wenn diese Leidenschaft immer ausgeprägter wird und die Anzahl der erworbenen Exemplare in schwindelnde Höhen steigt, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man verstaut alles unübersichtlich in Schachteln und Koffern oder man wählt die Variante, seine Sammlung übersichtlich in Vitrinen aufzubewahren. Letzteres hat Hermann Dürr bevorzugt und in seinem Haus ein beeindruckendes Museum eingerichtet.

Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, als Hermann Dürr diesen goldschimmernden Fotoapparat auf dem Tisch eines Trödlers entdeckte. Damals, vor 20 Jahren auf einem Flohmarkt in der Lüneburger Heide. Vor allem der Schriftzug auf der Vorderseite des Apparates elektrisierte Hermann Dürr durch und durch. „Leica“ war da eingeprägt, in dem weltbekannten Schriftzug. „Leica“, der Name, der auf der Zunge eines jeden Fotografen dahin schmilzt wie ein Stückchen feinster Schokolade. Im übertragenen Sinne natürlich.

Dürr hielt diese Kamera lange in seinen Händen und betrachtete sie von allen Seiten. Auf der Rückseite eine weitere Gravur. „Luftwaffen Eigentum“, dazu ein kleiner Adler mit dem Symbol der Zeit des Nationalsozialismus. Dürr spannte den Verschluss, drückte den Auslöseknopf. Das Klicken des Verschlusses beeindruckte. Die Mechanik funktionierte. Das Objektiv: ein 50mm Elmar ohne Kratzer. Die „Leica“ wechselte den Besitzer. Erst später musste Hermann Dürr feststellen, dass seine „Leica“ ein russischer Nachbau war. Also nichts mit der deutschen Nobelmarke zu tun hatte. Egal, das liebgewonnene Stück wurde zum Grundstein seiner heutigen gigantischen Sammlung.

„Danach war der Teufel los“, beschreibt der pensionierte Postbote die Situation. Die Sammelleidenschaft nach alten Foto­apparaten war geweckt. Erst graste Dürr seinen Bekanntenkreis ab, danach ging es zu Fotobörsen – immer auf der Suche nach einem Stück besonderer Kameratechnik. „Bis zum zweiten Weltkrieg gab es 380 deutsche Kamera-Hersteller“, weiß Dürr zu berichten und zählt gleich große Namen auf: Voigtländer, AGFA, Zeiss Ikon, Adox, Plaubel, Contax und natürlich das Flaggschiff Leica. Diese Firmen produzierten Feinmechanik auf höchstem Niveau und verwendeten dazu Objektive von exzellenter Güte. Objektive von Carl Zeiss aus Jena erlangten Weltruhm. Hermann Dürr hat natürlich einen Großteil dieser ausgefallenen Stücke wie zum Beispiel das erste Zoomobjektiv überhaupt, ein Zoomar von Voigtländer mit der enormen Lichtstärke 1:2,8. Verwendet mit einer Voigtländer „Bessamatic CS“. Kenner der Szene müssen heute über die Brennweite schmunzeln. Der Bereich reicht von 36 mm bis 82 mm.

Über 1.000 Exponate hat Dürr fein säuberlich in seinen indirekt beleuchteten Vitrinen ausgestellt. 830 Fotoapparate, 70 Filmkameras, jede Menge verschiedenster Belichtungsmesser und auch mehrere Spionagekameras. Zwei dieser Überbleibsel aus dem Kalten Krieg sind in Taschenuhren eingebaut und funktionieren immer noch. Wie all seine Geräte, darauf legt Dürr großen Wert. „Immer wieder nehme ich mir einen Fotoapparat aus der Vitrine, spanne den Verschluss und betätige den Auslöser“, erzählt er. Dieses Klicken, das der Verschluss erzeugt, ist wie Musik in Dürrs Ohren. Vor allem das der Leicas, von denen der Sammler mittlerweile einige seltene Exemplare besitzt. Natürlich jetzt die Originalstücke, durch die der Entwickler und Filmer Oskar Barnack 1914 weltberühmt wurde.

Aus einer der Vitrinen holt Dürr zwei Apparate heraus, auf die er besonders stolz ist. Man merkt ihm an, dass er Erinnerungen an einen guten Freund in sich trägt. Dürr, selbst begeisterter Naturmensch, Alpinist und Bergsteiger, der dreimal in Nepal auf Tour war und auch den Aconcagua (6.961 m), den höchsten Berg Südamerikas bestiegen hat, bekam die beiden Kameras von der Peitinger Bergsteigerlegende Michael Dacher geschenkt: Eine Nikon F2 sowie eine Contax Quarz.

Neben den Fotoapparaten und Filmkameras, die Namen wie Arriflex oder Boleaux tragen, hat Hermann Dürr auch die Vorläufer von Film-Projektoren in seiner Sammlung. „Laterna Magica“ lautet so ein Zauberwort, mit der, noch durch eine Petroleumlampe beleuchtet, die Märchen der Gebrüder Grimm an die Wand projiziert wurden. Und ganz ausgefallen die Stereo-Farb­dias von den Räumlichkeiten von Schloss Neuschwanstein, die durch einen in Frankreich gebauten EDUCA Betrachter bestaunt werden können. Erworben auf einem Flohmarkt in der Schweiz.

Und was sagt Hermann Dürrs Ehefrau Sabine zu der Sammelleidenschaft? „Erst hat sie es sehr wohlwollend geduldet, jetzt ist sie schon stolz und sucht mit“, erzählt Dürr. Wenn sie dann ein Stück findet, muss ihr Hermann aber leider immer sagen: „Des hab i scho.“

hh

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