Brandübungscontainer auf der Rigi Alm

Einmalige Übungsmöglichkeit für Feuerwehrler

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Eine Flammenbildung wie aus dem Lehrbuch, die über die Köpfe der im Container eingeschlossenen Atemschutzgeräteträger hinwegfegt.

Hohenpeißenberg – Es ist ein einmaliges Projekt auf Bundesebene für Atemschutzgeräteträger, bei dem das Innenministerium und der Landesfeuerwehrverband Bayern den bayerischen Feuerwehren die Möglichkeit eines ganz besonderen Trainings bieten: In einem Brandübungscontainer können ausgebildete Atemschutzgeräteträger in kleinen Gruppen unter fachkundiger Anweisung Einsatzerfahrung sammeln.

Hölle oder Fegefeuer sind eigentlich jedem bekannt. Florian Fichtl (28) aus Hohenfurch hat sich gerade ein genaueres Bild gemacht: 30 Minuten lang war er mit sieben Kameraden in einem Brandübungscontainer eingeschlossen. Dort haben sie gemeinsam ein besonders Training durchlaufen. Jetzt hat sie die Normalität wieder. Als erstes gönnen sich die Männer einen kräftigen Schluck aus ihren Trinkflaschen. Sie müssen nach der Hitzestrapaze ihren Wasserhaushalt ins Gleichgewicht bringen.

Alle Männer haben sich um ihren Ausbilder Burkardt Steeg geschart, um in einer Nachbereitung ihren Einsatz im „Flash-Over-Trainings-Con­tainer“ zu besprechen. Steeg ist in Sachen Brandbekämpfung in geschlossenen Räumen ein alter Fuchs. Wie viele Einsätze er in seiner verrußten „Metallschachtel“ hinter sich gebracht hat, kann er gar nicht mehr aufzählen. Als Erinnerung bekommt er von jeder teilnehmenden Feuerwehr ein Ärmelabzeichen. Auch an diesem Tag.

Aber jetzt blickt er erst mal in die Augen der Männer, denen der 30 Minuten lange Einsatz in der Flammenhölle noch ins Gesicht geschrieben steht. Ihre Körper sind ausgelaugt, die Anspannung beginnt sich langsam zu legen.

Die Teilnehmer der Feuerwehren Sachsenried, Hohenfurch, Penzberg und Peiting mit schwerem Atemschutzgerät, sowie Kreisbrandmeister Bernhard Pössinger (Mütze), Hohenpeißenbergs Bürgermeister Thomas Dorsch (blau), Landrätin Andrea Jochner-Weiß (roter Pulli), Kreisbrandmeisterin Katharina Kögl (schwarzes Shirt), Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta (Einsatzjacke) und Ausbilder Burkardt Steeg von der Firma Dräger Safety AG & Co.

Wie diese acht Kameraden werden in den nächsten Tagen in Hohenpeißenberg auf der Rigi Alm 64 Atemschutzgeräteträger von rund 50 Feuerwehren auf künftige Brandeinsätze vorbereitet. Immer in Gruppen zu acht Personen, dazu zwei Feuerwehrmänner als Sicherheitstrupp außerhalb des Containers. Ihnen zur Seite steht zusätzlich noch Kreisbrandmeister Bernhard Pössinger, der für den Fachbereich Atemschutz zuständig ist.

"Man kann es nie wissen"

Nichts wird dem Zufall überlassen, die Sicherheit im Con­tainer hat oberste Priorität. „Man kann nie wissen, wie sich der einzelne in so einer Situation im geschlossenen Raum verhält“, bemerkt Pössinger.

Wie er im Vorfeld erklärt, ist in den vergangenen Jahren der Anteil an Brandeinsätzen am Einsatzaufkommen der Feuerwehren zurückgegangen. Dadurch wird es aber gerade für jüngere Kameraden immer schwieriger, erforderliche Erfahrung zu bekommen. Diese sind allerdings enorm wichtig, um Fehlentscheidungen in kritischen Situationen zu vermeiden. Hier soll dieser feststoffbefeuerte Container helfen, Atemschutzgeräteträger für den schwierigen Einsatz fit zu machen.

So auch an diesem Tag, an dem noch dazu besondere Beobachter vor Ort sind: Landrätin Jochner-Weiß, Kreisrandrat Rüdiger Sobotta, Kreisbrandmeisterin Katharina Kögl und Bürgermeister Thomas Dorsch wollen sich ein Bild machen. Schwitzt diese Gruppe schon unter der Sonne im Außenbereich, geht‘s innen so richtig zur Sache.

Wahrnehmung trügerisch

Während in Deckenhöhe zwischen 600 und 700 Grad Celsius gemessen werden, liegen die Werte in Kopfhöhe der Männer bei 150 Grad. Das Kritische an der Situation ist, dass der Brandbekämpfer durch seine Schutzkleidung kein Gefühl zur Hitze an seinem Körper hat. Fühlt diese sich unerträglich an, kann es für ihn schon zu spät sein.

Die insgesamt 1,2 Millionen Euro, die der Freistaat Bayern für diese Trainingsmöglichkeit investiert, seien gut angelegt, findet Pössinger. „Durch die Verwendung von Holz entsteht die für einen Zimmerbrand typische Hitze- und Rauchentwicklung.“ Die Trainingseinheiten vermitteln unter anderem, wie Brandverläufe erkannt und Gefahrensituationen richtig eingeschätzt werden können.

Für Florian Fichtl, der seit 14 Jahren bei der Feuerwehr ist, hat sich die Ausbildung auf alle Fälle gelohnt. Er ist immer noch fasziniert, wie er das Verhalten der Flammen über sich beobachten konnte, wenn Sauerstoff in den Container gedrungen ist. Sein Resümee nach schweißtreibender Ausbildung: „Auf alle Fälle zu empfehlen.“

hh/kb

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