Erster Vorentwurf für Münzgebäude-Sanierung abgesegnet

Ein Entwurf mit Historie

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Eine Außentreppe als Zugang zum Dachgeschoss und zur Stadtmauer gehört ebenso zum Entwurf für die Sanierung des Münzgebäudes wie eine Gartenanlage als „Entrée“.

Schongau – Nach rund zehn Jahren Leerstand soll nun wieder Leben ins Schongauer Münzgebäude einziehen. Die ersten Planungen für die Sanierung hat Benedikt Sunder-Plassmann vom gleichnamigen Architekturbüro am Dienstag dem Stadtrat präsentiert. Die Entwürfe stießen auf breite Zustimmung, Kritik gab es allerdings an den mit rund 2,9 Millionen Euro veranschlagten Kosten.

Seit der vergangenen Woche ist es fix: Das Seniorenamt des Landkreises wird definitiv in das ehemalige Gefängnis- und Polizeigebäude am nördlichen Ende der Altstadt einziehen, wie Bürgermeister Falk Sluyterman in der Sitzung ankündigte. „Mit der Beseitigung des Leerstandes und der Sanierung wird das Gebäude wieder an Bedeutung gewinnen“, freute sich das Stadtoberhaupt.

Mit der Sanierung des mittelalterlichen Gebäudes wurde das Architekturbüro Sunder-Plassmann aus Greifenberg (Landkreis Landsberg) betraut. Benedikt Sunder-Plassmann stellte nun die ersten Entwürfe vor. Der Hauptzugang zum Gebäude soll von der Südseite her – in Verlängerung des bestehenden Gehwegs – erfolgen. Der aktuelle Haupteingang sei gerade für Senioren zu eng, betonte der Architekt. Im Erdgeschoss und im ersten Stock sollen die Büros für das Seniorenamt einziehen, im Obergeschoss ist außerdem ein Teamraum für die Behörde vorgesehen.

In das Dachgeschoss mit historischem Dachstuhl könnte ein kleinerer Versammlungsraum eingebaut werden, schlug Sunder-Plassmann vor. Ein Lift soll alle Stockwerke barrierefrei verbinden. Zudem ist neben der Treppe im Inneren ein weiterer Fluchtweg notwendig. Dieser könnte über eine Außentreppe, die an das Dachgeschoss angeschlossen wird, eingerichtet werden, so der Vorschlag des Architekten. Hier stellt sich Sunder-Plassmann außerdem einen Zugang zum Wehrgang der Stadtmauer vor. Aus brandschutzrechtlichen Gründen darf die Außentreppe nicht aus Holz – wie der Wehrgang der Stadtmauer – bestehen. Hier lautet der Vorschlag des Architekturbüros auf Cortenstahl, der durch seine bräunliche Färbung dem Holz am ehesten entspreche.

„Seine Geschichte zu betrachten ist wichtig bei einem alten Gebäude“, so Sunder-Plassmann in der Sitzung. Die Historie des Münzgebäudes spiegelt daher auch sein Entwurf wider. Die ehemalige Toranlage wurde im Laufe des 15./16. Jahrhunderts zugesetzt und es erfolgte die Wandlung vom Tor zum Gebäude. Dieses ehemalige Tor will der Architekt durch vorgesetzte Pfeiler an der Außenfassade wieder sichtbar machen. Hier könnte dann auch ein weiteres Oberlicht für das Dachgeschoss installiert werden. Auch eine Stiege, von der aus man die Stadtmauer begehen konnte, existierte bereits damals.

Weiter Richtung Osten könnte dann der Umgang der Stadtmauer erschlossen werden. Am Friedhof schließt jedoch die Aussegnungshalle direkt an die Mauer an. Die Lösung des Architekten: Der Gehweg soll außenrum führen, was auch eine Art Perspektivenwechsel mit sich bringen würde, so Sunder-Plassmann. Auf der direkt östlich an das Münzgebäude anschließenden Fläche könnte sich der Architekt außerdem eine Art Außenbar vorstellen. Eine Gartenanlage mit Kräutergarten und Brunnen soll die Gestaltung vervollständigen.

Unter den Stadträten stieß der Vorentwurf für die Sanierung auf Begeisterung. Kornelia Funke (CSU) sah vor allem in der Begehbarmachung der Stadtmauer eine „extreme Bereicherung“, Ilona Böse (SPD) nannte es „ein schönes Highlight für Schongau“. Eine „Aufwertung des Nordpunktes der Stadt“ erkannte Gregor Schuppe (ALS), Helmut Hunger (CSU) nannte es ein „Erlebnisgebäude“.

Bedenken äußerte Michael Eberle (CSU) bezüglich der Gartengestaltung. Ein Brunnen und Kräuterbeete benötigen Pflege, „da haben wir ja jetzt schon Schwierigkeiten“, so Eberle. Würde hier ein echter Klostergarten entstehen, bot Parteikollegin Marianne Porsche-Rohrer allerdings gleich ihre Unterstützung an. Aber auch mit der restlichen Außengestaltung konnte sich Eberle nicht so recht anfreunden: „Vorne nehmen wir das Grün weg und verstecken es hinten.“

Nur geringe Eingriffe

Ein anderes Problem sahen Paul Huber (CSU) und Bettina Buresch (ALS) darin, dass bei der Aussegnungshalle der Gehweg an der Stadtmauer nach Norden hin vorspringen soll. Sunder-Plassmann konnte beruhigen: Die bisherigen Entwürfe seien beim Denkmalamt allesamt gut angekommen. Das bestätigte auch Robert Thomas vom städtischen Bauamt. Er versicherte außerdem, dass die Eingriffe in die Stadtmauer so gering wie möglich gehalten werden sollen. Im Übrigen könne alles, was mit der Stadtmauer zu tun habe, ohnehin erst im Zuge der Sanierung derer erfolgen. Hier läuft aktuell ja auch noch ein Wettbewerb.

Über mögliche Einsparungen machte sich Helmut Hunger Gedanken. Nach der Kostenschätzung ist mit rund 2,9 Millionen Euro für die Sanierung zu rechnen. „Das muss alles verhältnismäßig bleiben“, sagte Hunger und stellte auch die Notwendigkeit eines öffentlichen Saales im Dachgeschoss in Frage. Robert Thomas verwies darauf, dass für den Versammlungssaal Gelder der Städtebauförderung zu erwarten seien. Hier könne man mit 60, wenn nicht sogar 80 Prozent rechnen. Ebenfalls zur Diskussion stellte Hunger den geplanten Aufzug: „Ist der überhaupt erforderlich?“ wollte der CSU-Stadtrat wissen. Dem konnte Stadtbaumeister Sebastian Dietrich entgegensetzen, dass ein behindertengerechter Lift für ein Seniorenamt unumgängich sei.

Das Thema Kosten beschäftigte auch Stephan Hild (UWV). Er verwies auf die letzte Sitzung, die sich ja dem Haushalt widmete. Nun sei er schon etwas verwundert, dass sich niemand an den Kosten störe. Vor allem die standardmäßig eingerechnete Schwankungsbreite von rund +/- 20 bis 25 Prozent bereitete ihm Sorge. Aufgrund der derzeitigen Konjunktur im Baugewerbe sei dieser Zuschlag für Unvorhergesehenes allerdings unabdingbar, so Thomas. Außerdem sei in der Kostenschätzung auch die Möblierung erhalten, die aber vom Mieter – dem Landratsamt – selbst eingebracht wird. Maßnahmen wie die Gestaltung der Außenfassade und der Freianlagen würden ohnehin erst im Zuge der Stadtmauer-Sanierung auflaufen. Am Ende stimmten die Stadträte dem Vorentwurf mit Kostenschätzung einstimmig zu. 

Astrid Neumann

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