Allee an der Ammergauer Straße

Tage für Peitinger Lindenbäume gezählt

Linden Ammergauer Straße Peiting Allee Autos
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Die (im Winter kahlen) Linden auf dem schmalen Grünstreifen zwischen Ammergauer Straße und der Ausstellungsfläche des Autohauses.

Peiting – Ziemlich verfahren stellt sich die Situation dar, was die Lindenallee an der Ammergauer Straße betrifft. Bürgermeister Peter Ostenrieder stimmte die Räte in der Gemeinderatssitzung am Dienstag schon mal darauf ein, dass die Gemeinde nichts machen könne, sollte sich der Chef des dortigen Autohauses letztlich zum Fällen der Bäume entschließen. Der Honigtau, der von den Blättern der Bäume tropft, greift Lack und Kunststoff der Fahrzeuge auf dem Freigelände an.

Die meisten der acht Bäume auf der Ostseite der Ammergauer Straße stehen an bzw. auf der Grenze. Zur Straße hin ist die Gemeinde Eigentümer. Nach hinten hin gehört die Fläche dem Autohaus Resch, das auf der anderen Straßenseite einen Streifen erworben hat und diesen dafür nutzt, Fahrzeuge im Freien auszustellen. Das Autohaus mit dem Ausstellungsbereich und mit der Werkstatt befindet sich westlich der Ammergauer Straße.

Es sei keinesfalls so, dass die Bäume demnächst gefällt werden, betont Sven Kuhn. Er ist Geschäftsführer im Autohaus Resch, wo Pkw der Marke Mercedes und Nutzfahrzeuge der Marke Fiat gehandelt sowie repariert werden. „Wir haben dem Markt Peiting den Ball zugespielt“, verdeutlicht er auf Nachfrage des Kreisboten. „Wir warten auf den Vorschlag des Marktes Peiting“, man sei dialogbereit.

Kuhn sieht freilich den Markt Peiting in der Pflicht – egal, in wessen Besitz die Bäume sind. Im Schreiben, das sein Anwalt Anfang Dezember an die Gemeinde richtete, habe man einige Maßnahmen aufgeführt, die zu einer Verbesserung führen. Dies könne eine Schutzvorrichtung an den Bäumen sein, ein Zurückschneiden der Äste, das Entfernen einzelner Bäume oder das Umsetzen mancher Linden.

Bislang sei es noch nicht zu einem Ortstermin gekommen, um nach einer Lösung zu suchen, die ökonomisch wie ökologisch vertretbar sei, schildert Kuhn. Nach Informationen des Kreisboten kam es aber am Tag nach der Sitzung zu einem Gespräch zwischen ihm und Bürgermeister Ostenrieder. Der Rathauschef sagte am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion: Die Gemeinde verzichte auf die Rechte an den Bäumen, die an der Grenze stehen. Er könne die Argumentation verstehen, dass Linden mit dem Laub und dem Honigtau dort die falsche Baumart seien. Die Zuständigkeit liege eindeutig beim Autohaus.

Einmütig für den Erhalt

Die Peitinger Gemeinderäte waren freilich schon in einem Beschluss vom Oktober einstimmig dafür, die Bäume zu erhalten. Nur ist (noch) nicht eindeutig geklärt, welche Bäume auf dem Areal des Autohauses stehen und welche ein Grenzfall sind.

Nachdem Ostenrieder die „weniger gute Nachricht“ ankündigte und die Ansicht vertrat „Wir können dagegen nichts machen“ (gemeint ist ein Entfernen durch den Autohausbesitzer), entwickelte sich bei der Sitzung am Dienstag eine lebhafte Diskussion. Thomas Elste (Grüne) brachte den Vorschlag, dass nach einer ersten Vermessung nun auch die Gemeinde eine Vermessung vornehmen solle.

Alfred Jocher (Unabhängige) meinte, sieben Monate pro Jahr sei das mit dem Laub und dem Honigtau doch unproblematisch. Man solle nochmals einen Versuch der Verständigung machen und auch eine technische Lösung überlegen, damit die Blätter nicht auf die Autos gelangen.

Norbert Merk (CSU) sprach sich dafür aus, nochmals exakt zu prüfen, wo die Abmarkung ist. Der alte Gemeinderat aus der Amtsperiode 2014 bis 2020 habe einen Fehler gemacht, befand Herbert Salzmann (SPD) selbstkritisch. „Wir hätten die Bäume bereits im Bebauungsplan schützen können.“ Aber man sei damals beim Verkauf des Areals an das Autohaus davon ausgegangen, dass die Linden ohnehin auf dem Streifen der Gemeinde stehen. Freilich habe man dem Autohaus durchaus Kompromisse vorgeschlagen, die allerdings abgelehnt worden seien.

Christian Lory (Unabhängige) vertrat die Ansicht, einen Kompromiss könne man letztlich nur dann einfordern, wenn man einen besitzmäßigen Anspruch auf die Bäume habe. Dem entgegnete Bürgermeister Ostenrieder: „Wir haben einen moralischen Anspruch.“ Die kleine Allee solle erhalten werden.

Josef Sellmaier (Bürgervereinigung) fragte nach, ob denn eine Ersatzpflanzung möglich sei. Tobias Eding (SPD) hielt einen Appell für angezeigt, dass die Bäume wenigstens ersetzt werden, falls es zur Fällung kommt.

Eine Verordnung zum Baumschutz

Dr. Günter Franz (Grüne) sagte, dass man die Diskussion zum Fällen von Bäumen noch öfters haben werde. Darum schlug er vor, sich nächstes Jahr in Peiting mit einer Baumschutzverordnung zu befassen. „Das gibt viel Stress“, erwiderte dazu Andreas Barnsteiner (Bürgervereinigung). So eine Baumschutzverordnung sei mitunter Eingriff in Privatrecht. Barnsteiner: „A gewisse Freiheit muss sein.“ jj

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