Ein Schatten seiner selbst

Bleibt der Brunnen am Sonnengraben oder wird die Lücke in der Stadtmauer bald für immer geschlossen? Die Entscheidung hat der Bauausschuss nun erst einmal vertagt. Foto: Peters

– Zugegeben, schön sieht er in seinem aktuellen Zustand nicht aus, der kleine Brunnen, welcher in die südlichen Teil der Stadtmauer eingearbeitet ist. Jahrelang hat sich niemand um die Anlage am Sonnengraben gekümmert. Längst hat das Wasser aufgehört zu fließen, sind Teile der steinernen Schalen abgebrochen. Michael Wölfle vom Stadtbauamt stellte nun die Mitglieder des Bauausschusses vor die Frage, ob der Brunnen instandgesetzt oder abgerissen werden sollte. Zu einer Entscheidung kam es jedoch nicht.

Zu weit gingen die Meinungen im Gremium auseinander, nachdem Wölfle die Sachlage präsentiert hatte. Dabei sprachen die Fakten nicht unbedingt für den unscheinbaren Brunnen. So gab der Stadtbauamtsmitarbeiter zu bedenken, dass es sich bei dem Brunnen um kein historisches Bauwerk, sondern lediglich um eine Anlage aus den „50er oder 60er Jahren“ handle. Allein die Reparatur würde mit 6000 bis 7000 Euro zu Buche schlagen, eine Restaurierung samt neuer Umwälzpumpe locker das Doppelte. Ein kompletter Neubau käme sogar auf 18000 Euro, rechnete Wölfle vor. Viel Geld für einen Brunnen, der von Passanten öfter als Abfalleimer denn als Fotomotiv hergenommen wird, weshalb Wölfle noch eine weitere Variante ins Spiel brachte: den kompletten Rückbau des Brunnens. Die Kosten für die Schließung der Lücke in der Stadtmauer bezifferte er auf rund 3500 Euro. Die Untere Denkmalschutzbehörde habe bereits ihr Einverständnis signalisiert. Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) gefiel dieser Vorschlag. „In dem Fall sollten wir das tatsächlich überlegen. Der Brunnens schaut heruntergekommen aus.“ Robert Bohrer (SPD) hingegen schlug vor, die Lücke mit Blumenschmuck zu füllen. „Das kostet höchstens 500 Euro und man braucht nicht viel machen.“ Auch Stephan Hild (UWV) konnte sich mit dem Abriss des Brunnens anfreunden, schlug aber vor, die Lücke mit einem Baum statt Blumen zu füllen. Ganz anders sah das allerdings Helmut Schmidbauer (CSU). Der Kreisheimatpfleger forderte, den Brunnen zu erhalten und wieder instandzusetzen. Seine Begründung: „Ein Brunnen ist etwas, das der Stadt Charme verleiht.“ Damit dies gelingt, könne man bei der Restaurierung auch „Künstler mitreden lassen“. Die Kostenschätzung Wölfles hielt er für zu hoch. „Das erscheint mir sehr merkwürdig. Man kann den Brunnen sicher mit weniger Aufwand herrichten.“ Schmidbauer erhielt Unterstützung vom 2. Bürgermeister Paul Hubert (CSU). „Wir sind mit gestalterischen Elementen in der Stadt nicht reich gesegnet. Alles historische verschwindet so nach und nach“, gab er zu bedenken und erinnerte an drei Figuren am Schwanenweiher, von denen zwei verschollen seien. „Man könnte ja die noch vorhandene in die Nische stellen. Das würde den Aufwand für den Betrieb des Brunnens sparen.“ Gerbl schlug schließlich vor, die Verwaltung detaillierte Angebote einholen zu lassen, ehe man eine Entscheidung treffe. „Wir haben keinen Zeitdruck.“ Das sahen auch die anderen Mitglieder des Bauausschusses so und stimmten dem Vorschlag zu. Bis dahin dürfte aber eine Weile vergehen: Laut Wölfle hatte sich bei seinen Recherchen im Vorfeld keiner der Schongauer Steinmetze für den Auftrag interessiert.

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