Schiefe Stadtmauer?

Manchmal kommt es anders, als man denkt. So auch im Falle einer Baustelle der Firma K&L, die am nordöstlichen Hang der Altstadt neben Lidl begonnen hatte, ein Geschäft zu errichten. Aufgrund fahrlässiger Vorgehensweise der ausführenden Baufirma ist der Hang ins Rutschen gekommen und ein Teil der historischen Stadtmauer drohte hinab zu brechen.

Es ging alles ganz schnell. Binnen weniger Tage wurde der Hang, zu dessen Füßen K&L in wenigen Monaten ein Geschäft eröffnen wollte, instabil. Nach umfangreichen Aushubsarbeiten gerieten zunächst die Bäume in Schieflage, dann rutschte immer mehr Erde nach und der oberhalb an der Stadtmauer entlang laufende Weg musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Zwar erfolgte umgehend ein Baustopp, doch nahm die Entwicklung ihren zerstörerischen Lauf. Die mit den Arbeiten betraute Firma hatte in fahrlässiger Weise nur einen Teil des Hanges mit dem so genannten „Berliner Verbau“ versehen. Die an zwei Stellen nötigen Stahlträger mit Holzausfachungen fehlten, der bloßgelegte Hang wurde instabil. „Das ist ein absolutes Desaster“, meinte Stadtbaumeister Ulrich Knecht. Wiederholt habe die Stadt auf die sensible Hanglage hingewiesen. Scheinbar ohne Erfolg. Inzwischen hat eine Erdbaufirma damit begonnen, Kies aufzuschütten und mit Stabilisierungsarbeiten versucht, den Hang am weiteren Abrutschen zu hindern. Auf der betroffenen Hanglänge wird der „Berliner Verbau“ nun angebracht. Weitere Festigkeit soll in den Hang hineingepresster Beton garantieren. Ob dies ausreichen wird und die historische Stadtmauer damit vor einem Absacken gerettet werden kann, wird sich zeigen. „Die Stadtmauer ist an dieser Stelle exakt vermessen worden, um zu sehen, ob sie noch stabil ist und auch bleibt“, erklärte Tibor Sroka, Architekt in der Stadtverwaltung. Einig sind sich die Vertreter der Stadt Schongau, dass die Sache bisher noch glimpflich abgelaufen ist. „Wir hatten Glück mit dem Wetter. Bei Sturm und starkem Regen wäre die Sache anders ausgegangen“, meinte Sroka nachdenklich. Externe Experten sollen demnächst begutachten, ob eine Fortsetzung der Bauarbeiten möglich ist. Solange herrscht weiterhin ein Baustopp, der bei den Investoren des Projektes jeden Tag größere Löscher in die Finanzkasse reißen wird.

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