Werk in schlechtem Zustand:

Cobi Reiser im Sachsenrieder Forst

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Nur noch ein Geweih ist zu erkennen, den Rest haben Flechten und Moos überzogen.

Schongau/Sachsenried – Wer unterwegs ist von Sachsenried nach Osterzell, der kommt an einer Stelle vorbei, wo ein kleines Werk des auch in Schongau bekannten Künstlers Cobi Reiser zu finden ist. Einheimische nennen den Platz „am Stachus-Taferl“. Gut, man muss schon genau hinsehen, um den Steinbrocken mit der eingelassenen Tafel zu erspähen. Denn erkennen kann man dabei von der Arbeit Reisers nicht mehr viel.

Vor drei Jahren war der Name eines Münchner Malers in Schongau in aller Munde: Cobi Reiser kannte vor allem an der Staufer Grundschule jedes Kind. Dort waren an den Wänden der Flure Tierbilder des Künstlers aufgemalt. Diese wollte man im Rahmen des Umbaus nicht mehr erhalten. Auch das große Wandbild mit Uhr, welches an der Außenfassade angebracht war, sollte den Baumaßnahmen zum Opfer fallen. Widerstand regte sich. Wie bekannt ist, wurden die Kunstwerke erhalten.

Vor allem in München sind viele städtische Gebäude mit Bildern von Benjamin Jakob Reiser (1902 bis 1992) bemalt. Alle erfasst und dokumentiert, die meisten in der Kunstszene bekannt. Von einem Werk, welches ganz in Schongaus Nähe steht, nämlich im Sachsenrieder Forst, kann man das nicht gerade behaupten.

Der große Steinbrocken ist am Straßenrand nicht zu übersehen. Am besten gelangt man dorthin, wenn man am Parkplatz für Wanderer am Weg nach Welden anhält und ein paar Meter zu Fuß zurücklegt. Er hat in den vergangenen Jahren kräftig Moos angesetzt, das Taferl ist von Flechten übersät.

Trotzdem erkennt man bei genauem Hinsehen das Motiv, welches Cobi Reiser in die Tafel eingraviert und gemalt hat. Es stellt den heiligen Hubertus dar. Doch wie kam es dazu, warum steht dieser Steinbrocken in dieser bewaldeten Umgebung?

Wie aus alten Unterlagen hervorgeht, stand an der Straße von Sachsenried nach Osterzell (jetzt Wanderparkplatz) bis 1950 das „Stachustaferl“. Der bekannte Platz in München hat nichts damit zu tun, hier handelte es sich um ein ganz besonderes Ölgemälde. Es wurde um 1750 erstmals erstellt, in vielen Jahren durch Witterung beschädigt 1910 erneuert. Das Bild zeigte den heiligen Eustachius, der vor einem Hirsch kniet. Das Tier trägt in seinem Geweih ein mit Strahlen umwobenes Kruzifix.

Der heilige Eustachius ist nicht nur der erste der 14 Nothelfer, sondern auch der Patron der Jäger und Forstleute. Darüber hinaus tragen viele Schützenvereine seinen Namen. So auch der Sachsenrieder Verein, der 1910 von zwei Forstassistenten gegründet wurde.

Es ist Sachsenrieds Pfarrer Ludwig Weinmüller, der quasi den Stein ins Rollen bringt. Selbst begeistert von Wald und Forsten, die er immer wieder durchwandert, will er einen Gedenkstein setzten lassen. In Steinwurfweite vom „Stachustaferl“ wird der rohe Steinbrocken gesetzt. Natürlich mit Genehmigung des ehemaligen Forstamtes Sachsenried (1972 aufgelöst), das für das Vorhaben des Pfarrers eine forstliche Nebennutzung erstellt. Genehmigt von der Oberforstdirektion Augsburg.

Hubertus statt Eustachius

Pfarrer Weinmüller holt Cobi Reiser mit ins Boot. Von seinen Arbeiten begeistert überträgt er ihm 1952 den Auftrag, eine Steintafel zu erstellen, die jedoch nicht den heiligen Eustachius zeigen soll, sondern den heiligen Hubertus. Warum? Hier kann nur vermutet werden. Die Legende mit dem Hirsch und der Kruzifixerscheinung wurde eben 600 Jahre später auf den heiligen Hubert von Lüttich übertragen. Beide wollten den Hirsch erlegen, beide bekehrten sich nach der Kruzifixerscheinung zum Christentum.

Vielleicht dient der Erhalt der Kunstwerke Cobi Reisers in Schongau auch in Sachsenried als Vorbild. Dann könnte die Tafel wieder genauso erstrahlen wie die Sonnenuhr der Sachsenrieder Kirche St. Martin, die ebenfalls Cobi Reiser gestaltet und gemalt hat.

hh

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