's Schmankerl schließt

Der Nächste wirft das Handtuch

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Marc Lodes hinter dem Tresen im „‘s Schmankerl“. Bald wird es das Geschäft des 34-Jährigen nicht mehr geben.

Schongau – Viel ist in den vergangenen Wochen über das Altstadtsterben in Schongau berichtet worden und darüber, wie man den Trend umkehren könnte. Einer, der sich seit längerem aktiv für die Innenstadt einsetzt, ist Marc Lodes. Doch jetzt muss der Inhaber des „‘s Schmankerl“ selbst seinen Laden am Marienplatz aufgeben – aus wirtschaftlichen Gründen.

Von außen ist das Ende bereits zu sehen. Auf einem großen Plakat im Schaufenster steht in riesigen Lettern Räumungsverkauf. Im Inneren dagegen deutet noch nichts darauf hin, dass „‘s Schmankerl“ bald für immer seine Türen schließen wird. Die Regale mit erlesenen Ölen, Weinen und anderen hochwertigen Köstlichkeiten sind gut gefüllt. 

Marc Lodes steht wie immer hinter seiner Theke, scherzt mit den Kunden, die hereinkommen. Mit vielen ist er per Du. Nach außen hin lässt sich der 34-Jährige nicht anmerken, wie sehr das nahende Ende seines Traums an ihm nagt. 

Ein Traum, der einst aus einer Facharbeit entstand und jetzt an der wirtschaftlichen Realität scheitert. „Betriebswirtschaftlich ist die Entscheidung, aufzuhören, einfach. Emotional ist sie mir sehr, sehr schwergefallen“, sagt Lodes. 

Bis zuletzt hatte der Geschäftsmann gehofft, mit dem Feinkostladen in der Schongauer Altstadt über die Runden kommen zu können. Tatsächlich ging es, seit das Geschäft im Mai 2014 ein Jahr nach der Gründung vom Löwenhof an den Marienplatz zog, aufwärts. 30 bis 40 Prozent mehr Umsatz verzeichnete der 34-Jährige. Trotz doppelter Miete – der Vertrag für die Immobilie im Löwenhof lief weiter – habe man bis Dezember keine roten Zahlen geschrieben, erklärt er. 

Doch unter dem Strich reichten die Einnahmen dennoch nicht aus, um den Unterhalt der vierköpfigen Familie zu decken. „Uns haben jeden Monat 1200 Euro gefehlt“, sagt Lodes, der einsehen musste: „600 Euro Gehalt für 48 Stunden pro Woche im Laden macht auf Dauer keinen Sinn.“ 

Also zog der 34-Jährige jetzt schweren Herzens die Reißleine, kündigte den Mietvertrag. Bis Ende Mai hat das Schmankerl noch geöffnet, dann ist Schluss. Und Lodes auf Arbeitssuche. Wohin die Reise dann für ihn geht, weiß er noch nicht. „Am liebsten würde ich im Bereich Marketing bleiben“, sagt er. 

Natürlich hat Lodes in den vergangenen Wochen versucht zu eruieren, warum seine Idee nicht aufgegangen ist. Um in der schwierigen Branche mit ihren niedrigen Margen und der Konkurrenz durch die Discounter bestehen zu können, fehlte es dem Geschäft an Umsatz. Rein statistisch könne man nur zwei Prozent der Schongauer zu Stammkunden zählen, rechnet Lodes vor. „Da sprechen wir von 260 Personen."

Am viel kritisierten Standort Altstadt will er das Problem daher nicht festmachen, auch wenn die fehlende Attraktivität „erschwerend“ hinzu gekommen sei. 

Apropos Altstadt: Als Gründungsmitglied der Aktionsgruppe „Schongau belebt“ hat Lodes in den vergangenen Monaten versucht, neue Ideen für das darbende Zentrum zu entwickeln und voranzutreiben. Umso mehr bedauert der 34-Jährige es, dass ausgerechnet sein Laden nun zu einem weiteren Beispiel für das Einzelhandelssterben in der Altstadt wird. 

Nach wie vor ist Lodes überzeugt, dass sich dieser negative Trend noch umkehren lässt. „Zuletzt ist ja eine positive Grundstimmung entstanden“, stellt er hoffnungsvoll fest. Der 34-Jährige will daher weiter mithelfen bei der Stadtentwicklung, will kämpfen für die Altstadt, die ihm einfach am Herzen liegt – auch ohne eigenes Geschäft.

Christoph Peters

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