Glücklich, obwohl es weh tut

Infoabend an der Schmerztagesklinik am Schongauer Krankenhaus

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Anna Schuh (Team Schmerzklinik), Dr. Eva Mareen Bakemeier (Leitende Ärztin), Schmerzpatientin Sabine Bölt, Lisa Waldvogel (Psychologische Psychotherapeutin), Lisa Zwerger und Petra Hechenberger (beide Team Schmerzklinik) (v. links).

Schongau – Acht Jahre lang quälte der Schmerz Sabine Bölt, dann wandte sie sich an die Schmerztagesklinik am Schongauer Krankenhaus. „Davon profitiere ich für den Rest meines Lebens“, ist sie heute überzeugt. Am kommenden Donnerstag, 27. Juni, berichtet die Schongauerin gemeinsam mit weiteren Patienten von ihren Erfahrungen. Der Vortragsabend in Raum DU 09/10 des Krankenhauses beginnt um 18.30 Uhr.

„Ich war überall, keiner konnte mir helfen“, beschreibt Bölt die lange Zeit, ehe sie sich für einen Platz an der Schongauer Schmerztagesklinik bewarb. Die 59-Jährige ist selbst Krankenschwester, kennt sich also durchaus aus. Doch alle vorherigen Reha-Versuche brachten nur kurzzeitig Hilfe. Und je schwerer die Zeit, desto mehr gewannen die Schmerzen die Oberhand.

Von der Schongauer Schmerztagesklinik habe sie zuvor nicht allzu viel gewusst, sagt Bölt. „Nur, dass verschiedene Disziplinen zusammenspielen und man auch selbst gefordert wird.“ Eben das habe ihr zugesagt.

Das gemeinsame Wirken mehrerer Disziplinen sei entscheidend, schildert Leitende Ärztin Dr. Eva Mareen Bakemeier. „Multimodal“, nennt sie das. „Genau das brauchen wir, um Ganzheitlichkeit zu erreichen.“ Vereint unter einem Dach – dem des Schongauer Krankenhauses – wirken die einzelnen Therapie-Bausteine. „Gemeinsam bauen wir das Bild auf.“

Auch wenn es ihr Rücken und Ischias ist, der schmerzt: „Entscheidend war, wieder alle Facetten an mir wahrzunehmen“, erklärt Bölt. Die Psyche beispielsweise sei „ganz schön verbogen“ gewesen. „Ich habe mich durch die Zeit an der Schmerztagesklinik wieder frisch sortieren können.“ Auch theoretische Inhalte erarbeiten sich die Teilnehmer einer maximal achtköpfigen Patientengruppe dort. „Das Wissen um das Warum und Weshalb ist der Schlüssel“, ist die ehemalige Patientin überzeugt.

Ein anderes Fachgebiet, die Ergotherapie, habe sie trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung völlig unterschätzt. „Man hat uns gezeigt, wie wir uns ablenken können“, ist Bölt dankbar. Denn: Einfach abzustellen sei der Schmerz nicht, erklärt Bakemeier.

„Er ist halt da“, schildert Bölt. „Es geht darum, ihn nicht so in den Vordergrund zu lassen.“ Dieser Prozess wird die 59-Jährige lebenslang begleiten. Doch die Zeit in der Schmerzklinik habe sie befähigt, die aufgezwungene Rolle des Leidenden abzustreifen und das Heft des Handelns wieder zu greifen zu bekommen.

Trotz allem glücklich sein zu können, ist das große Ziel, sagt Psychologische Psychotherapeutin Lisa Waldvogel. „Und das eben, obwohl es weh tut.“ Der Schmerz bleibe, die Hilflosigkeit lasse aber nach.

Unterstützung bietet Bölt eine Selbsthilfegruppe ehemaliger Schmerztagesklinikpatienten. „Irgendwer ist immer sofort da, wenn man mal ein Tief hat“, freut sie sich. Überhaupt habe es gut getan, dass andere Menschen ihr Schicksal teilen. Sie habe ihrem Umfeld mit ihren Schmerzen nicht zur Last fallen wollen, schildert Bölt. Doch dadurch habe sie sich auch isoliert, zwischenzeitlich ihr Selbst verloren. „Man will nicht der Hypochonder sein, nicht wehleidig oder faul wirken, nicht nerven.“

Die Frage, die sie beschäftigt: „Wie viele Schmerzleidende rennen da draußen mit einer freundlichen Maske rum?“

ras

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