Wie man im lokalen Buchhandel der Online-Konkurrenz begegnet

Schneller als Amazon

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Stefanie Bertram-Kempf vor dem Computer in ihrer Buchhandlung „Buch am Bach“ in Peiting. Das Online-Geschäft wird auch für sie immer wichtiger.

Peiting – Was haben Hamburg und Peiting gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten zumindest ein bisschen. Denn sowohl in der Metropole im hohen Norden als auch in der kleinen Marktgemeinde im Süden wird an einer engeren Verknüpfung zwischen Online- und Offline-Buchhandel gefeilt. Stefanie Bertram-Kempf ist Buchhändlerin und betreibt in Peiting die Buchhandlung „Buch am Bach“.

Glaubt man Pessimisten, hat die 43-Jährige einen aussterbenden Beruf erlernt. Das hat viel mit der rasanten Entwicklung des Online-Marktes zu tun. Immer mehr Menschen kaufen ihre Bücher im Internet beim Marktführer Amazon anstatt in den Buchladen vor Ort zu gehen. Deshalb aber kampflos aufgeben, liegt Bertram-Kempf fern. „Wir sollten das Internet als Chance sehen und es nicht verteufeln.“ 

Vor dreieinhalb Jahren eröffnete sie ihr Geschäft in Peiting, nachdem sie zuvor elf Jahre erfolgreich eine Buchhandlung in Wasserburg am Inn betrieben hatte. Fast genauso lang bietet die 43-Jährige ihren Kunden bereits die Möglichkeit, Bücher im Webshop auf ihrer Internetseite zu bestellen, womit sie zu den ersten kleineren Buchhandlungen zählte, die diesen Service offerierten. 

Über 500000 Titel stehen zur Auswahl, die entweder nach Hause oder zur Abholung in der Buchhandlung geordert werden können. Die meisten Kunden bevorzugen laut Bertram-Kempf letzteres. Ohne diese Verknüpfung von Online- und Offline-Geschäft wird es in Zukunft nicht mehr gehen, ist sich die Buchhändlerin sicher. 

„Leider haben das noch nicht alle Kollegen erkannt“, sagt sie, die nebenbei auch andere Buchhandlungen in Süddeutschland berät und für die IHK als Prüferin arbeitet. „Ein Webshop sollte heute die Regel sein und nicht die Ausnahme.“ Manch einer habe allerdings noch nicht einmal eine eigene Homepage. 

Das Internet hat Bertram-Kempf auch geholfen, neue Kunden außerhalb der Region zu gewinnen – gerade, was E-Book-Bestellungen angeht. Mit eine Rolle dürfte dabei der Datenschutz spielen, vermutet die Geschäftsfrau. Wer keine Lust auf die Sammelwut der großen Anbieter habe, bestelle eben lieber bei kleineren Buchhandlungen. „Die Daten bleiben bei uns und werden nicht weiterverkauft.“ 

Ihrem Pioniergeist hat es Bertram-Kempf wohl zu verdanken, dass sie von ihrem Lieferanten neben einer Buchhandlung in Hamburg jetzt für den Testlauf eines neuen Angebotes auserkoren wurde. Seit kurzem können Kunden im Webshop von „Buch am Bach“ direkt sehen, ob ihr gewünschtes Buch im Laden vorrätig ist – eine Anbindung an das Warenwirtschaftssystem der Buchhandlung macht es möglich.

 Ist das Exemplar vorhanden, kann es der Kunde gleich reservieren und am selben Tag abholen – so schnell ist selbst Amazon nicht. Bis zur Buchmesse in Frankfurt Mitte Oktober läuft die Testphase. „Dann wird entschieden, ob das System flächendeckend eingesetzt wird“, erklärt Bertram-Kempf. 

Trotz aller Online-Euphorie: Die Stärken des stationären Buchhandels sind nach wie vor der persönliche Kontakt und die Beratung. Das unterscheide den kleinen Buchladen um der Ecke vom großen Internetversender, betont die 43-Jährige, die auf ihrem Nachhauseweg nach Bad Kohlgrub schon einmal das bestellte Buch höchstselbst vorbeibringt. Wie habe es mal ein Kunde in einer E-Mail formuliert? „Einen schönen Webshop haben Sie, aber ich komme lieber persönlich zu Ihnen.“

Christoph Peters

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