Schockerberg der Schongauer CSU

Mit dem "Ferkel-Hubsi" auf Reisen

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Den Schockerberg der Schongauer CSU sahen knapp 900 Leute in drei Aufführungen im Pfeiffer-Haus.
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Den Schockerberg der Schongauer CSU sahen knapp 900 Leute in drei Aufführungen im Pfeiffer-Haus.
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Den Schockerberg der Schongauer CSU sahen knapp 900 Leute in drei Aufführungen im Pfeiffer-Haus.
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Den Schockerberg der Schongauer CSU sahen knapp 900 Leute in drei Aufführungen im Pfeiffer-Haus.
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Den Schockerberg der Schongauer CSU sahen knapp 900 Leute in drei Aufführungen im Pfeiffer-Haus.
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Den Schockerberg der Schongauer CSU sahen knapp 900 Leute in drei Aufführungen im Pfeiffer-Haus.

Schongau – „Grüaß di, i bin der Ferkel-Hubsi vo Niederbayern“: ruft Michael Reith im Singspiel beim Schockerberg Luitpold Braun junior entgegen, der Markus Söder verkörpert. Reith schlüpft in die Rolle des Hubert Aiwanger. Sie heißen am Ende die „Bavaria“, die von England bis Saudi-Arabien und Russland auf Reisen war, schließlich mit allen Akteuren wieder daheim willkommen. Das Singspiel war der Höhepunkt beim Schockerberg der Schongauer CSU, den knapp 900 Leute in drei Aufführungen im Pfeiffer-Haus sehen wollten.

Es zieht sich in die Länge, dauert 75 Minuten. Aber es ist nie langweilig, das Singspiel 2019 mit dem Titel „Nur der Berg isch ewig!“. Luitpold Braun junior ist nicht nur der agile Söder-Darsteller. Er bringt im Singspiel sein musikalisches, sein theatralisches, ja überhaupt sein künstlerisches Talent als Regisseur und Impulsgeber voll zur Geltung.

Und er hat eine tolle Truppe mit immerhin 13 Mitwirkenden, die in verschiedene Rollen schlüpfen. Hervorzuheben sind die kraftvoll und schön singende Anna Eberle als Bavaria und (spitzenmäßiger Auftritt!) Michael Reith als „Hubsi“ Aiwanger, der für Lacher sorgt, als er das Ferkelfuhrwerk in den Saal schiebt.

Vor der Almhütte

Ausgangspunkt der Reise im Singspiel ist für die „Bavaria“ eine Almhütte, wo Angela Merkel (dargestellt von Lena Eberle) und Horst Seehofer (Benjamin Keltsch) auf dem Austragsbankerl hocken. Die Bavaria will weg von da. Mit ihrer Milchkanne kommt sie erst mal nach München, wo die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen (Julia Keltsch) und Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann (Thomas Henneke) um sie werben.

Ein AfD-Politiker namens „Runwalt“ (Michael Eberle) will die Bavaria abführen. Da ist es Zeit für ein Eingreifen Söders. Der stürmt mit einem überdimensionalen Gewehr auf die Bühne und bewahrt sie vor schlechten, parteifremden Einflüssen.

Im nächsten Bühnenbild schlägt die Bavaria bei Theresa May (gelungene Singspiel-Premiere für Katharina Braun) in London auf. Deren bissigen Hund Boris Johnson, der mit seinem Bellen und seinem Bewegungsdrang voll gut drauf ist, gibt der junge Florian Stögbauer; seit ein paar Monaten Vorstand des Schongauer Theaterstadls.

Nächste Station ist Saudi-Arabien. Bei Machthaber Mohammed bin Salman (gespielt von Thomas Schleich) und dessen Koch mit der blutverschmierten Schürze (Oliver Kellermann) gefällt es der Bavaria ebenso wenig wie bei Vladimir Putin (Max Bertl) in Moskau. Mit Reuegefühlen kehrt die Bavaria auf die Alm zurück. Zur Musik des alten Schlagers „Heidi, Heidi…“ heißen alle Akteure die Bavaria daheim wieder willkommen. Ein Heimatbekenntnis im Singspiel, in dem Ottmar Huber und Peter Bommersbach für Licht und Ton sorgen.

Die Feuerwehrkapelle

Ist das Singspiel eher den Politikern im Land Bayern, im Bund und in Europa gewidmet, so nehmen die anderen Akteure vorwiegend lokale Ereignisse auf die Schippe. Jürgen Fischer ist der gewohnt scharfzüngige Kommandant der Hohenfurcher Feuerwehrkapelle. Pointiert seine Anmerkungen; etwa über Bürgermeister Sluyterman und seine Frau: „Er ist aus dem Gröbsten raus, geht schon ganz ohne Cordula aus dem Haus.“

Daneben langt Fischer freilich mit seiner Bemerkung zum Wahlrecht für Menschen mit Vollbetreuung, die er als Leute beschreibt, bei denen im Christbaum ein paar Kugeln fehlen. Dass es darauf noch Beifall gibt! Gut die Musik im Wechselspiel zwischen ganzer Kapelle einerseits und feiner Untermalung mit Ziach, Es-Klarinette und Tuba andererseits.

Sluyterman statt Söder

Wie zu später Stunde die Feuerwehrkapelle befasst sich Robert Kassebaum als Fastenprediger im Gewand des Bruder Okulus auch damit, dass der Schongauer Trachtlervorstand den Bürgermeister Sluyterman zum Schirmherrn fürs Gaufest 2019 macht und dafür dem früheren Heimatminister Söder und jetzigen Ministerpräsidenten Söder, der bereits einer Einladung aus Schongau zugesagt hat, „nicht noch zusätzlich belasten wollte“. Die neue Standortförderin, Meike Petro, nannte Kassebaum „die Alexa vom Sluyterman“.

Ein Thema, das in mehreren Beiträgen „gekocht“ wird, ist die Sanierung der Kanalbrücke im Osten Schongaus. So auch von Manfred Haslinger, nach vielen Jahren erstmals wieder dabei. Er schlüpft hinter einem großen Schreibtisch und am alten schwarzen Telefon in die Rolle des Josef Birnhuber, der in der Leitzentrale den Verkehr in und um Schongau voll im Blick hat. Der Beitrag ist witzig und mit Tiefgang; der klobige Schreibtisch und der ständige Blick in den Laptop bewirken jedoch eine Distanz zum Publikum.

Kobold vom Rathaussaal

Marianne Porsche-Rohrer dichtet vor schönem Bühnenbild als Kobold vom Rathaussaal. Sie nimmt unter anderem Krankenhaus-Verwalter Thomas Lipp­mann und Landrätin Andrea Jochner-Weiß aufs Korn. Der Sachse, der so gerne Bayer sein möchte, mache Sprachfortschritte Jahr für Jahr, aber es klinge nicht ganz rein. „Frau Landrätin tut, was sie kann, und drückt ihn fest an sich heran. Durch das Liebkosen und Umfassen soll das Sächsische bald verblassen.“

Auch mit dabei: Markus Wühr, der Luis von Südtirol. Er bringt die Schoten in bekannter Manier. Wie z.B. die Schlussbemerkung, dass er, als er ein paar Wochen hinter Gittern zubringt, von seiner Mutter einen Brief bekommt. Die beklagt, dass sie sich allein um die Landwirtschaft kümmern müsse, er aber während der vier Wochen im Gefängnis faul rumhocke und dazu eine warme Mahlzeit gereicht bekäme.

Kurz und prägnant die Ansagen der Moderatoren Maria Scholz (Sachsenried) und Nick Lisson aus Penzberg. Langgezogen ist bisweilen das dicht gefüllte Programm, das vom Bieranstich (das süffige Bockbier ist von Braumeister Markus Langer) bis zum Schlussmarsch einer Stadtkapellen-Besetzung mehr als fünf Stunden dauert. Möglichkeiten zum Abspecken gibt es durchaus. 

Johannes Jais

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