Interkommunales Entwicklungskonzept

Gemeinsam gewappnet für die Zukunft

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Das gab‘s noch nie: Die Schongauer Stadträte und die Gemeinderäte aus Altenstadt und Peiting in einer gemeinsamen Sitzung.

Schongau – Der Begriff „historisch“ wurde am vergangenen Montag ziemlich oft bemüht, um das Ereignis zu beschreiben, das sich da im Jakob-Pfeiffer-Haus in Schongau abspielte. Tatsächlich hatte es eine gemeinsame Sitzung der Gemeinderäte aus Altenstadt und Peiting sowie der Schongauer Stadträte noch nie zuvor gegeben. Anlass für die Premiere war das Interkommunale Entwicklungskonzept. Als „Ammer-Lech-Land“ wollen sich die drei Kommunen künftig nach außen als Mittelzentrum präsentieren.

 Seit längerem geisterte der Begriff Ikek durch Stadtrats- und Gemeinderatssitzungen in Schongau, Altenstadt und Peiting, wenn es um Projekte ging, die man gemeinsam mit den Nachbarkommunen angehen könne. Doch wie genau es um das Interkommunale Entwicklungskonzept stand, erfuhr die Öffentlichkeit nicht. Lenkungsgruppe und Gremien berieten hinter verschlossenen Türen. Nur im Altenstadter Gemeinderat hatten die beauftragten Planer vor einem Jahr öffentlich einen Zwischenstand präsentiert.

Man braucht keine blühende Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Beratungen nicht immer einfach gewesen sein müssen. Schongaus Bürgermeister Falk Slyuterman sprach am Montag denn auch von einem Entwicklungsprozess. Die Themen, bei denen sich eine Zusammenarbeit lohne, seien von Sitzung zu Sitzung konkreter geworden, erklärte er. „Wir wollen nicht nur Worthülsen produzieren, sondern Projekte mit Leben erfüllen.“

Wo genau eine künftige Zusammenarbeit Sinn macht und welche Maßnahmen im Rahmen des Ikek umgesetzt werden sollten, stellten anschließend die drei Fachplaner vor. Man habe bewusst keine 40 Projekte ausgewählt, um sich nicht zu verzetteln, sagte Architekt Florian Riesinger. Dennoch war die nach Prioritäten geordnete Liste mehr als umfangreich geraten.

Als besonders wichtiges Ziel hob Riesinger funktionsfähige und lebendige Ortsmitten hervor. Diesen käme eine „entscheidende Bedeutung“ für die Kommunen zu, da sie „wichtig für die Identifikation mit dem Ort“ seien. Wie genau dies zu erreichen sei, darüber schwieg sich der Fachplaner allerdings aus. Und auch als Ikek-Projekt eigne es sich nur bedingt, da jede Kommune hier unterschiedliche Schwerpunkte habe, wie er einräumte.

Besser ins Konzept passte da der Vorschlag die Busverbindungen zu verbessern, in dem man den Schongauer Stadtbus auf die Nachbargemeinden ausweite. Auch eine engere Zusammenarbeit der Büchereien sei vorstellbar, genau wie eine Kooperation in Sachen sozialem Wohnungsbau oder der Tafel. Bei letzterer hatte die Entwicklung der vergangenen Wochen Riesingers Vortrag bereits überholt. Altenstadt, Peiting und Schongau beteiligen sich künftig an der Finanzierung. Auch beim Ferienprogramm und der VHS – ebenfalls auf Riesingers Liste – arbeitet man bereits zusammen.

Hohe Priorität maß der Architekt der Verbesserung der Anbindung des Schongauer Krankenhauses bei. Neben dem in der Vergangenheit immer wieder genannten eigenen Bahnhalt, brachte Riesinger auch eine eigene Straßenverbindung zur B17 ins Spiel. Apropos Bahn: Hier sollten sich die drei Kommunen laut dem Fachplaner in Zukunft gemeinsam für eine Verbesserung der Bahnanbindung an die Ballungsräume Augsburg und München stark machen, von denen man derzeit abgehängt sei. „Zu Dritt lässt sich hier mehr erreichen.“

Riesingers Kollege Hermann Brenner rückte anschließend einen gemeinsamen Rahmenplan für die drei Kommunen in den Fokus, um künftige Entwicklungen zu steuern. Als Beispiel nannte er die Wegebeziehung, die es zu verbessern gelte. Ein erster Schritt sei die gerade verwirklichte Beleuchtung des Radwegs von Schongau nach Peiting, erklärte Brenner. Und er brachte gleich noch eine neue Lech-Brücke eigens für Radler und Fußgänger ins Gespräch, die diese Verbindung noch weiter aufwerten könne.

Es folgten noch viele weitere Vorschläge, etwa eine gemeinsame Gewerbeentwicklung und ein Standortmanagement oder eine einheitliche Tourismus-Datenbank samt Buchungssystem. Damit all dies künftig umgesetzt werden könne, sei es wichtig, dass sich die Vertreter der Kommunen regelmäßig zum Austausch treffen, betonte der dritte Planer, Robert Leiner.

Um als Mittelzentrum nach außen wahrgenommen zu werden, brauche es außerdem einen Namen sowie ein Logo. Wie dieser lauten könnte, darüber hatten sich die Räte bereits im Vorfeld Gedanken gemacht. Einig geworden war man sich allerdings nicht, weshalb mit „Ammer-Lech-Zentrum“ und „Ammer-Lech-Land“ zwei Namen zur Abstimmung standen. Letzterer machte mit 36:22 Stimmen das Rennen.

Auch wenn manch Gemeinderat wie etwa der Peitinger Michael Deibler dem vorgestellten Konzept mit einer gewissen Skepsis begegnete („mir fehlen genaue Anweisungen, wie etwas gemacht werden soll“), fiel das Votum deutlich aus. Nur ein Rat stimmte gegen das Maßnahmenkonzept. Das lag vielleicht auch daran, dass Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck kurz zuvor noch einmal eindringlich an die Räte appelliert hatte: „Jeder für sich allein hat keine Zukunft. Zusammen aber können wir das Zugpferd für die Region sein.“

Christoph Peters

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