Erinnerung an einstige Nutzung

Schongau bekommt Flugplatzstraße

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Schrägbild des Schongauer Flugplatzes aus dem Sommer 1940. (1) Geschäftszimmerbaracke, (2) Flugleitung, (3) Zelt-Hangar, (4) Kfz-Hallen, (5) Unterkunftsbaracken (Lager), (6) Ausbildungsbaracken, (7) Offiziersunterkunft, (8) Werfthalle (im Bau), (9) Flugzeuge, (10) Rollfeld, (11) Baustelle Flugzeughallen, (12) Altenstadt.

Schongau – Jeder Schongauer kennt das Gewerbegebiet im Westen der Stadt. Doch vielen, die dort einkaufen, dürfte nicht bewusst sein, dass sich just an dieser Stelle früher ein Flugplatz befand, auf dem einst sogar ein späterer US-Präsident landete. Jetzt hat der Stadtrat beschlossen, die Ortsverbindungsstraße nach Altenstadt Flugplatzstraße zu nennen und ein Schild aufzustellen, um an den historischen Kontext zu erinnern.

Aufgekommen war das Thema allerdings aus einem anderen Grund. Wie Bauamtsmitarbeiter Michael Wölfle in der jüngsten Sitzung des Gremiums ausführte, sei die Ortsverbindungsstraße zwischen Schongau und Altenstadt derzeit noch als Feld- und Waldweg ausgewiesen. Diese Einordnung sei natürlich aufgrund der viel stärkeren Verkehrsbelastung mittlerweile längst überholt, zumal die Straße schon in den 1930er Jahren ausgebaut worden sei. „Deshalb müssen wir sie aufstufen“, erklärte Wölfle. 

Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Straße auf Schongauer Flur offiziell gar keinen Namen trägt, da dieser erst später von Altenstadt hinzukam. Das soll sich ändern. Römerstraße wie die ursprüngliche Verbindung der beiden Gemeinden soll sie allerdings nicht heißen . „Wir wissen mittlerweile, dass die Römerstraße ganz woanders verlief. Das wäre einfach falsch“, begründete Wölfle. Auf Vorschlag des Historischen Vereins sei man daher übereingekommen, durch den Namen Flugplatzstraße an die einstige Nutzung des Geländes zu erinnern.

Tatsächlich spielte der Schongauer Flugplatz eine Rolle im zweiten Weltkrieg, wie Stadtarchivar Franz Grundner 2008 in einem Aufsatz für das Jahrbuch „Der Welf“ des Historischen Vereins darlegte. Er diente erst als Arbeitsplatz der Luftkriegsschule Fürstenfeldbruck und der Flugzeugführerschule Kaufbeuren, ehe er 1944 auch zu einem Standort der IV. Sturm-gruppe des Jagdgeschwaders 3 wurde. Der Eliteverband flog von Schongau aus Angriffe gegen alliierte Bombergruppen. Mitte April 1945 war in der Lechstadt gar kurze Zeit eine Jagdfliegereinheit stationiert, die Luft-Luft-Raketen erproben sollte. 

Am 27. April besetzten amerikanische und französische Truppen schließlich den Flugplatz, die ihn fortan als Nachschubbasis nutzten. Prominentester Gast, der in Schongau landete, war General Dwight D. Eisenhower. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Besatzungstruppen und spätere US-Präsident soll mehrmals von der Lechstadt aus zu seinem Urlaubsdomizil in den Alpen aufgebrochen sein. 

Die Stadträte begrüßten die Idee einer Flugplatzstraße. CSU-Fraktionschef Michael Eberle schlug vor, ergänzend auch noch eine Hinweistafel aufzustellen, die aufzeige, „welche berühmte Persönlichkeit bei uns mal gelandet ist.“ Ein Vorstoß, der auch beim Rest des Gremiums Anklang fand. Das anschließende Votum fiel einstimmig aus.

Christoph Peters

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