127 Schongauer Abiturienten erhalten Reifezeugnis

"Gymnasium war gestern"

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Diese 13 Abiturienten durften sich über einen Notenschnitt von 1,5 und besser freuen (v.l.n.r.): Marina Albrecht, Noah Schramm, David Kulot, Tim-Oliver Haselwarter, Julia Held, Marie Hofmann, Christina Hirschvogel, Tamara Müller, Anna Tenzer, Carolin Ruppert, Marisa Meier, Theresa Schauer und Roman Eisenlauer. Mit auf dem Bild: Schulleiter Dr. Wolfgang Gebler (außen rechts).

Schongau – Stimmungsvolle Musikeinlagen, eine rhetorisch brillante Abiturrede, Kritik an der Bildungspolitik und viel Lob für den Abschlussjahrgang 2014. All das bot die Verabschiedungsfeier des Schongauer Welfen-Gymnasiums am vergangen Freitag.

Mangels Lokalität konnte die Veranstaltung erneut nicht in der Lechstadt über die Bühne gehen. Wie schon im Vorjahr musste die Schulfamilie nach Hohenpeißenberg ausweichen. Insgesamt 127 Abiturienten bekamen im Haus der Vereine ihre Zeugnisse überreicht.

Über ein Drittel davon durften sich über eine eins vor dem Komma freuen, wobei Tamara Müller mit der Traumnote von 1,0 das beste Ergebnis einfuhr. Die Peitingerin nimmt demnächst an der Aufnahmeprüfung für das Maximilianeum teil. Die hat noch kein Absolvent des Schongauer Welfen-Gymnasium erfolgreich absolviert – „aber Tamara wird die erste sein, da bin ich mir ganz sicher“, so Schulleiter Dr. Wolfgang Gebler vor den versammelten Festgästen, unter die sich zahlreiche Bürgermeister und Vertreter der Wirtschaft gemischt hatten.

Gebler lobte aber nicht nur Tamara Müller, sondern zeigte sich auch mit den Leistungen der anderen 126 Absolventen zufrieden. Der Gesamtschnitt von 2,28 liege zwar etwas unter dem Landesdurchschnitt, könne sich aber „durchaus sehen lassen“. „Ich habe mich immer gefreut, welche Talente in euch schlummern“, ließ Gebler seine Schützlinge wissen. Man habe versucht, den Schülern nicht nur Wissen, sondern auch Werte zu vermitteln – allerdings: In Zeiten von „zunehmenden Aktionismus“ in der Bildungspolitik werde der Spagat immer schwieriger. Gebler kritisierte unter anderem die Einführung des Probeabiturs: „Das hätten wir uns sparen können. Ich wüsste nicht, was es uns gebracht hätte, außer zusätzliche Arbeit und Stress.“ 

Ein „Höher, schneller, weiter“ in der Bildungslandschaft beklagte auch Wilfried Funke in seiner mit viel Applaus bedachten Abiturrede. Bildung, so der Geschichtslehrer, „funktioniert nur mit Verzögerung“. Schüler bräuchten Zeit, um das gelernte Wissen zu reflektieren. Zeitdruck und Hetze seien genau das Gegenteil von Bildung. – wobei Funke aber auch die eigene Klientel in die Pflicht nahm: „Gute Lehrer zeichnet es aus, wenn sie nicht alles mitmachen, was die Gesellschaft von ihnen verlangt.“ 

Den Abiturienten wiederum empfahl Funke, „geistig offline zu gehen“ und „Mut zur Ausdauer zu haben“. Nicht auf den schnellen Erfolg im Beruf komme es an, sondern darauf, ob man seiner Berufung nachgehe: „Werdet bitte keine Streber, die magnetisierte Karotten essen“, ermahnte Funke die Absolventen, „bodenständig zu bleiben“ – und: „Gymnasium war gestern – Mut zum Morgen.“ 

Dass der Abi-Jahrgang 2014 mitunter „in der Torheit weise und in der Gleichgültigkeit sorgsam“ war, wie es Funke formulierte, erfuhren die Festgäste auch in den „Abschiedsworten“ der Abiturienten Veronika Gruber und Daniel Schwarz. Da war von „Ulis Quad im Kollegstufenbau“ die Rede, von einer gespannten Angelschnur im Treppenhaus und von einem Minispicker, der in der Prüfung per Blasrohr an den hilfebedürftigen Adressaten abgefeuert wurde. Allerdings schlugen die beiden Jahrgangssprecher auch ernstere Töne an. So habe man in der Schule sozialen Umgang, Respekt und Verantwortung gelernt: „Im weiteren Leben ist das unbezahlbar“, betonte Schwarz.

Bernhard Jepsen

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