Sprechstunde für alle

Bürgermeister-Dialog bei der Schongauer Bürgerversammlung 2019

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Dass der Westausgang des Friedhofs wegen der Arbeiten am Münzgebäude zu bleibt, war ein Ärgernis, das bei der Bürgerversammlung aufs Tapet kam. Auch sonst führt die Baumaßnahme zu unliebsamen Begleiterscheinungen.

Schongau – Auf den Dialog mit den Bürgern freue er sich besonders, hatte Schongaus Rathauschef Falk Sluyterman wissen lassen, als er zur Bürgerversammlung einlud. Einen entsprechenden Anteil hatte dieser dann auch bei der gut zweistündigen Zusammenkunft, zu der rund 90 Interessierte im Ballenhaus erschienen waren. Bei einigen Anliegen konnten das Stadt­oberhaupt und seine Verwaltung eine Lösung in Aussicht stellen, bei anderen eher nicht. Einige Themen veranlassten gleich mehrere Schongauer zu Wortmeldungen.

Den Anfang machte Ernst Schön aus Schongau-West. Er bemängelte die Verkehrssituation, die er nicht nur in seiner Nachbarschaft, sondern beispielsweise auch in der Christophstraße in der Altstadt oder in der Wilhelm-Köhler-Straße kritisch sieht: Die Vielzahl an parkenden Autos am Straßenrand verschmälern die Fahrbahn. Schneemassen am Straßenrand täten ihr Übriges. Die Folge: „Die Straßen sind dann nur noch in eine Richtung befahrbar.“ „Auch in der Haldenbergstraße sei permanentes Slalom­fahren angesagt“, hieß es in einer Wortmeldung an späterer Stelle. Komme es zum Begegnungsverkehr, beispielsweise mit einem Stadtbus, breche „Chaos“ aus, so Schön. Er stellte die Frage, ob eine geänderte Verkehrsregelung, wie das Einrichten von Einbahnhstraßen, Linderung schaffen könnte, in den Raum.

„Wir nehmen das gerne auf“, versprach Sluyterman, wenngleich es schwierig sei: „Der Verkehrsabfluss muss funktionieren“. Auch er selbst habe derlei Situationen wahrgenommen, beispielsweise in der Hans-Böckler-Straße. Auf volle Zustimmung beim Bürgermeister stieß eine andere Bemerkung Schöns: Geschwindigkeitsbegrenzungen werden zu häufig ignoriert. „An Wochenenden und nachts kann es sehr heiß zugehen“, ärgerte sich Schön. Mit Schildern allein sei der Problematik kaum beizukommen, bedauerte Sluyterman. Häufig seien es die Anwohner selbst, die in ihren Nachbarschaften zu schnell unterwegs seien. „Vielen fehlt das Unrechtsbewusstsein“, fasste er zusammen, als eine weitere Wortmeldung zu ähnlichen Missständen in der Altstadt kam. Ein Problem, das nur Schongau plage, sei das aber nicht.

In der Karmeliterstraße seien Rennen am Sonntag ab 4 Uhr „ganz normal“, beklagte eine Bürgerin. „Verstöße werden in Schongau halt nicht geahndet.“ Stehen lassen wolle Sluyterman das so nicht. Die Stadt rufe ihr Stundenkontingent für Verkehrs­überwachung beim Zweckverband durchaus ab. Steht der Blitzer einmal – was in der Altstadt deutlich schwieriger sei als drum herum – sei es aber besonders ärgerlich, wenn über Facebook oder das Radio ruckzuck die entsprechenden Warnungen kursierten. „Es geht nicht um Einnahmen, aber die abschreckende Wirkung geht halt verloren“, ärgerte sich der Bürgermeister. „Da bekomme ich so einen Hals.“

Die Sinnhaftigkeit des zweiten Trinkwasser-Standbeins zweifelte Peter Haggenmiller an. Sluyterman und Kämmerer Werner Hefele erläuterten, dem liege eine behördliche Vorgabe zugrunde. Dass die 2012 in einer ersten Äußerung genannten Kosten von einer Million Euro auf 8,5 gestiegen sind, hänge damit zusammen, dass das Projekt, wie es nun realisiert wird, deutlich andere Rahmenbedingungen aufweist: Unter anderem liegt der Quellstandort zwei Kilometer nördlicher, als ursprünglich angenommen – Folge sind längere Leitungen. Den Anschluss anderer Gemeinden wie Schwab­bruck – auch das hatte Haggenmiller kritisiert – ans Schongauer Abwasser­system begrüßt Sluyterman. „Wir haben noch Kapazitäten, für unsere Bürger wird es so günstiger.“

Dass die Heilig-Geist-Kirche St. Anna – über die Stiftung ist sie in Besitz der Stadt – schon bessere Zeiten gesehen hat, bedauerte Annabund-Vorsitzende Gabi Atzler. Man prüfe die Fördermöglichkeiten, versicherte Sluyterman. Die Verkehrssicherheit in und um die Kirche habe man im Auge, mehr sei derzeit nicht drin. Das sieht auch Pflegeheimleiter Christian Osterried so. Der Zustand des Turms verschlechtere sich. Das Geld für eine komplette Sanierung sei „für die Stiftung nie aufzubringen“. Die Diözese habe kein Interesse, die Kirche zu übernehmen. „Einen großen Wurf wird es in den nächsten Jahren nicht geben.“ Immerhin: „Über eine Nutzungsänderung wird derzeit nicht diskutiert“, sagte der Bürgermeister. „Die Kirche soll Kirche bleiben.“

Neben der Annakirche könne es auch um die Friedhofskirche St. Sebastian besser bestellt sein, erklärte eine weitere Bürgerin. Der Holzwurm arbeite, der Putz bröckle. „Ich nehme das auf“, versprach Sluyterman.

Überhaupt das Thema Friedhof: Sebastian Eberle bemängelte die dortige Mülltrennung. Sluyterman versprach, Verbesserungsmöglichkeiten zu erörtern. Eine andere Schongauerin wünschte sich, die Stadt möge sich der verrosteten Tore des Stadtfriedhofs annehmen. Haggenmiller forderte eine detaillierte Begründung für die Erhöhung der Friedhofsgebühren – die er von Geschäftsleiterin Bettina Schade auch bekam. Friedhöfe müssen kostendeckend betrieben werden, vor der sowieso verspäteten Erhöhung sei das nur zu 84 Prozent der Fall gewesen.

Dass der West-Ausgang des Stadtfriedhofs durch die Arbeiten am Münzgebäude gesperrt ist, darüber ereiferte sich nochmals Sebastian Eberle. Das Argument einer Gefährdung für Fußgänger lasse er nicht gelten. Genau das sei aber nun mal ausschlaggebend, erklärten Sluyterman und Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. „Das ist sicher keine Schikane“. Zumal es den Ausgang ja erst seit wenigen Jahren überhaupt gebe. Und früher sei es ja auch ohne gegangen.

Überhaupt nahm das Thema Münztor-Bauarbeiten viel Platz ein. Schwellen oder veränderte Schilder-Standorte führte Helmut Vollmann an. Dietrich blieb aber dabei, die durch ein Baugerüst verengte Fahrbahn samt verminderter Geschwindigkeit, wie es mittlerweile umgesetzt ist, werde Verbesserungen bringen.

Das Thema Sicherheit beschäftigt die Schongauer auch an anderer Stelle: Den unteren Lido-Parkplatz per Fußweg mit dem oberen zu verbinden, wünschte sich ein Bürger. Autos und Fußgänger seien hier dicht gedrängt unterwegs. „Das Thema Lido-Parkplatz macht nur im Zuge einer Gesamtlösung Sinn“, so Dietrich. Doch genau dafür fehlen immer noch die Flächen. Der gefährliche Zustand einzelner Stufen an der Holltreppe gab Anlass zu einer weiteren Wortmeldung.

Dem Wunsch, den Sonnengraben mit einfachen Mitteln, wie Pflanzentrögen aufzuhübschen, komme man gerne nach, versprach Dietrich. Als große Maßnahme im Zuge der Arbeiten im Stadtmauerumfeld sei der Sonnengraben dran, wenn 2020 das Münzgebäude fertig ist.

Welche Rolle Schongau-West in der ISEK-Planungswerkstatt spiele, wollte Irmgard Schreiber-Buhl wissen. „Eine eigene Planungswerkstatt nur für Schongau-West wird es nicht geben“, erklärte Stadtbaumeister Dietrich. Denn gerade der Blick auf die ganze Stadt sei hier gewollt. Auf die Frage Schreiber-Buhls, ob eine Bewerbung für Schongau-West um Aufnahme im Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt geplant sei, entgegnete er, dieser Schritt befinde sich in der Prüfung. „Das wäre eine Möglichkeit, noch einmal ganz andere Projekte zu realisieren.“ Weil bei der Regierung von Oberbayern aber gerade ein Wechsel in der zuständigen Personalie vollzogen worden sei, sei der weitere Zeitplan noch offen.

Dass der Park an der Johannes-Brahms-Straße das Potenzial dazu habe, mit einigen Maßnahmen zum beliebten Begegnungsort zu werden, dieser Überzeugung verlieh eine andere Bürgerin Ausdruck. Auch der Hang an der Schönlinder Straße könne verschönert werden. „Ein Quartiersplatz steht mit recht hoher Priorität in der ISEK-Maßnahmenübersicht“, so Dietrich. Ein kleiner Anfang sei der offene Bücherschrank in Schongau-West der mittels LEW-Schaltschränken realisiert werden könnte – so eine derzeitige Überlegung in Zusammenarbeit mit Schongau belebt. 

ras

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