Jahreshauptversammlung der Schongauer SPD

Breitseite vom Vorgänger für die Landrätin

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SPD-Ortsvorsitzender Daniel Blum überreichte die Willy-Brandt-Medaille an seine Stellvertreterin Barbara Karg.

Schongau – Ganz im Zeichen der erfahrenen Garde stand die Jahreshauptversammlung der Schongauer SPD – Heini Forster, Barbara Karg und auch Friedrich Zeller. Letzterer berichtete über die Verschuldung des Landkreises und Heini Forster –„der Mann, der uns immer knallhart die Meinung sagen kann“–, hielt die Laudatio für die verdiente Genossin Karg, die seit 20 Jahren die Geschicke der Partei vor Ort mitbestimmt. Die Jugend in Form des neugewählten Vorstandes Daniel Blum ließ ebenfalls von sich hören, fehlt der Ortsgruppe doch der Nachwuchs. Auch um die Wahlen ging es in der Versammlung im Brauhaus.

Vor 22 Jahren begann die Zeit von Barbara Karg in der Schongauer SPD, als die mittlerweile 67-Jährige in den Stadtrat gewählt wurde. Da hatte sie aber schon auf sich aufmerksam gemacht, etwa durch ihr Engagement in der Arbeiterwohlfahrt, deren Ortsvorsitzende sie heute noch ist und durch ihre Arbeit beim Roten Kreuz, wo sie 1995 an der Gründung des technischen Dienstes beteiligt war.

Heini Forster, selbst ein Urgestein der Sozialdemokraten in Schongau, durfte die Rede halten, mit der die Ortsgruppe die langjährige stellvertretende Vorsitzende ehrte. Dazu war sie 1997 gewählt worden, wie Forster in seiner Laudatio erinnerte.

Durch ihr Leben ziehe sich ein „Band der Hilfsbereitschaft und des Engagements“, befand er. So gehört Karg seit 2008 auch dem Kreistag an und ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen ASF. Geehrt wurde sie nun mit der Willy-Brandt-Medaille der Partei für ihre Arbeit.

Nicht die Medaille aber ein Modell des Salonwagens von Willy Brandt erhielt Forster, Ehrenmitglied der Ortsgruppe, Daniel Blum. Er sei ein treuer Berater, so Blum, „ein Mann, der uns knallhart die Wahrheit sagen kann“ und dies in den vergangenen Jahren auch des Öfteren getan haben dürfte. Jedenfalls hat „er uns ein paar Mal den Marsch geblasen.“. Forster gehört seit 1970 der SPD und ab 1972 dem Schongauer Stadtrat an und war 1983 der erste Vorsitzende der Ortsgruppe, zwischen 1997 und 2014 dann noch Stellvertreter.

Hart ins Gericht ging Friedrich Zeller mit seiner Amtsnachfolgerin. Nach den Berichten aus der Ortsgruppe und der Stadt (Ilona Böse und Falk Sluyterman) war es am früheren Landrat, aus dem Kreistag zu berichten. Und da gibt es anscheinend nichts Gutes zu erzählen. Andrea Jochner-Weiß sei eine „Frau ohne Konzept“, so Zeller. Gerade wenn es schwierig werde, zeige sich, ob jemand mit einer Strategie an die Themen herangehe; und zwei davon betreffen auch Schongau. „Schrecklich dynamisch“ sei die Verschuldung des Landkreises geworden, so Zeller, der dafür eine Grafik des Kreiskämmerers Norbert Merk präsentierte. „Das sieht sogar Merk so“, betonte Zeller.

In Zahlen hat sich die Verschuldung des Landkreises zwischen der Amtsübergabe 2014 bis heute von rund 24 Millionen Euro verdoppelt und werde, so zeigen es die Zahlen Merks, in zwei Jahren drei Mal so hoch sein und dann bei 75 Millionen Euro liegen. Es sei beinahe nicht mehr möglich, jemals wieder von diesen Schulden runter zu kommen, so Zeller, der die Ursache beim Krankenhausdefizit, offiziell fünf, inoffiziell zehn Millionen Euro, sieht. So erkläre sich auch die höchste Kreis­umlage in Bayern, je eine Million Euro Defizit ergebe zehn Prozent Kreis­umlage, so Zeller. Er werde dem Haushalt 2019 nicht zustimmen können, wenn die Landrätin, bei der er die Zuständigkeit dafür verortet, kein schlüssiges Konzept vorlege. Ein Konzept, das in einer Sondersitzung des Kreistages vorgestellt werden müsse, ist Zeller überzeugt.

Ohnehin ging Zeller kritisch mit der Landrätin ins Gericht: Da war ihr Verhalten bei der Schließung und Wiedereröffnung der Geburtshilfe in Weilheim, die Übernahme des Altenheims und der Neubau in Schongau durch einen Investor (und in 16 Jahren dann Eigentumswohnungen?) und der Verkauf von Grundstücken in 1-A-Lage rund um das Krankenhaus in Schongau, während gleichzeitig doppelt so teure Grundstücke in Weilheim rund um das Spital erworben werden. Für ihn ein bisschen wie ein Rückzug auf Raten, nicht nur aus dem westlichen Landkreis.

Schlussendlich ging es, fast am Ende des Abends, um die Neuwahlen der Vorstandschaft. Zuvor nutzte Daniel Blum allerdings die Gelegenheit, um Werbung zu machen für die Partei und die Ortsgruppe. Es fehle der Nachwuchs, so der 28-Jährige; der Altersdurchschnitt der 71 Mitglieder (46 Männer und 25 Frauen) liegt bei 61 Jahren. Zwar konnte der Ortsverband neun neue Mitglieder begrüßen, von denen sich allerdings vier bereits nach dem Ja zur GroKo in Berlin wieder verabschiedeten. Man müsse auf die Jugend zugehen, und sie gewinnen, so Blum, aber „nicht mit der Politik überrollen“.

In der vom Landtagskandidaten Dominik Streit geleiteten Wahl wurde schließlich Daniel Blum wiedergewählt, seine Stellvertreter sind Ilona Böse und Friedrich Zeller, nachdem Barbara Karg und Ludwig Hahn nicht mehr antraten. Die Beisitzer, ihre Zahl wurde von fünf auf sieben erhöht, sind Karl-Heinz Kaspernick, Ulf Köhler, Stefan Konrad, Hava Sirin, Regina Haugg, Till Twardy und Regina Hahn.

gau

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