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Schongauer Fernwärme: Preis fast verdoppelt

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Von: Rasso Schorer

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Heizung Schongau Kosten
Lieber runterdrehen: Zum Fernwärmepreis hatten sich die Stadtwerke bereits ausführlich an ihre Kunden gewandt. Nun beschäftigt das Thema den Werksausschuss und Stadtrat. © Schorer

Schongau – Überraschend kommt die Erhöhung des Fernwärmepreises ab 1. Oktober von 70 Euro pro MWh netto auf 130 Euro nicht. Die Stadtwerke hatten ihre Kunden, rund 1.000 Schongauer Haushalte, vorab auch schon ausführlich schriftlich informiert. Am vergangenen Dienstag widmete sich der Werksausschuss dem Thema; auf die Zielgerade bringt es am kommenden Dienstag der Stadtrat.

„Aufgrund der gestiegenen Energiebeschaffungskosten ist eine Preisanpassung unumgänglich“, wandten sich die Stadtwerke am 9. September an ihre Kunden. Der Brief enthielt weitere Änderungen, beispielsweise bei der Berechnung des Fernwärmepreises samt langer mathematischer Formel. Erfreulich sei, dass im Energiemix jetzt auch Biomasse enthalten ist, stand in dem Schreiben. Beherrschendes Thema ist aber freilich der Preisanstieg. Der Energiemarkt sei aus den Fugen geraten, befand Bürgermeister Falk Sluyterman im Werksausschuss.

Die Stadtwerke verfolgen keine Gewinnerzielungsabsicht, stellten Stadtkämmerer Werner Hefele (kaufmännischer Leiter) und Florian Hiemer (technischer Leiter) klar. Das Ergebnis der neuen Preisgleitklausel ergebe eigentlich 133,64 Euro pro MWh netto. Man bleibe darunter, nähere sich dieser Obergrenze mit dem Preis aber deutlich mehr an als in der Vergangenheit. „Wir sind jetzt gezwungen, sie mehr auszuschöpfen“, bekannte Hiemer.

Fernwärme bleibe aber zumindest im Vergleich zu anderen Optionen eine günstige Möglichkeit, die eigenen vier Wände warm zu bekommen. Speziell in Schongau und auch im Vergleich zu anderen Fernwärmeanbietern. Als Beispiele nannte er Zahlen aus dem Jahr 2021, als der Wärmepreis in der Lechstadt noch bei 40,50 Euro pro MWh netto gegenüber durchschnittlich 83,09 in Bayern lag. Bei einem angenommenen Jahresverbrauch von 12 MWh und derer vier im vierten Quartal kommen durch die Erhöhung von 70 auf 130 Euro pro MWh netto auf eine Familie Nachzahlungen von 285,60 Euro brutto, zirka 29 Prozent der Jahresvorauszahlung, zu, rechnete er vor.

„Wäre froh“

„Ich wäre als Gaskunde froh, Fernwärmekunde zu sein“, sagte Gregor Schuppe (ALS). Einerseits in Hinblick auf den Preis, aber auch, was die bloße Versorgungssicherheit betrifft. Weiterer Pluspunkt: „Fernwärme ist umweltfreundlich.“

Hernach geriet Schuppe noch mit Michael Eberle in den Clinch. Bedenken des CSU-Manns, dass eine Änderung an der Preisänderungsklausel nicht einseitig erfolgen dürfe und die öffentliche Bekanntmachung nicht ausreiche, teilte Bürgermeister Sluyterman stellvertretend für die Verwaltung nicht. Man werde das aber nochmals prüfen.

In die Kritik nahm Eberle auch den Umstand, dass die Stadtwerke den Preis nicht schon früher erhöhten. Nun sei der Sprung abrupt. Einen Ansatzpunkt sah er ferner in dem finanziellen Puffer, den sich die Stadtwerke bei der Preisberechnung selbst zugestehen. „Da haben wir Spielräume.“ Dadurch steige aber das Risiko eines höheren Defizits, hielt kaufmännischer Leiter Hefele entgegen – hernach lande auch das wieder beim Bürger. „Wer der Meinung ist, dass die Stadtwerke safe sein sollen und der Bürger das Problem hat, hebt halt entsprechend die Hand“, blickte Eberle auf die Abstimmung – bei der er allein bleiben sollte. Den Vorwurf, die öffentliche Sitzung im Nachgang der nichtöffentlichen als Bühne für parteipolitische Themen zu nutzen, hatte er sich da seitens Schuppe schon eingefangen. „Ich vertraue der Verwaltung“, sagte Schuppe ebenso wie Stefan Konrad (SPD). „Unfair“, lautete der Vorwurf beider – Eberle und Schuppe – gewandt ans jeweilige Gegenüber.

Einstimmig dafür – wenngleich Eberle Bedenken äußerte, dass dann unter dem Strich die Allgemeinheit der Kunden erneut mehr zahlen müsste – waren dann wieder alle, die vertraglich vereinbarte Mindestabnahme für Fernwärmekunden mit Anschlüssen bis 50 KW in Höhe von 700 Vollaststunden befristet bis Ende 2023 auszusetzen. Im Jahr 2021 wären darunter 40 Kunden gefallen, hatte Hefele in Erfahrung gebracht. Zur Einordnung: Im Mittel arbeitet die Heizungsanlage eines Einfamilienhauses für Warmwasser und Heizwasserbereitung rund 1.600 bis 2.000 Stunden unter Vollast pro Jahr. Nun aber ist Energiesparen angesagt – auch beim Heizen.

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