Schongauer Geburtshilfe vor Umbruch

Hauptabteilung statt Belegärzte

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Dr. Solveig Groß leitet als Chef­ärztin der Geburtshilfe bald zwei Hauptabteilungen.

Schongau – Im zweiten Jahr in Folge sind in Schongau mehr als 400 Babys geboren worden. Eine beachtliche Zahl für eine so kleine Klinik. Doch trotz der guten Entwicklung steht die Geburtshilfe in der Lechstadt vor dem Umbruch. Mit dem Wechsel vom Belegarzt-System hin zu einer Hauptabteilung mit festangestellten Ärzten wollen die Verantwortlichen den Fortbestand sichern.

Es ist paradox: Während die Geburtenzahlen Jahr für Jahr steigen und 2015 in Bayern so hoch lagen wie seit 15 Jahren nicht mehr, kämpfen immer mehr kleinere Geburtshilfen ums Überleben. Zuletzt kündigte die Stadtklinik in Bad Tölz an, ihre Geburtshilfe schließen zu wollen. Der Grund: Es fehlt an Personal. Das Krankenhaus scheiterte bislang daran, einen dritten Belegarzt zu finden, der zusätzlich zur Arbeit in seiner Praxis Geburtshilfe in der Klinik leistet.

Vor dem gleichen Dilemma steht man am Schongauer Krankenhaus. Dort halten die drei Mediziner Jürgen Karbach, Marlene Schweyer und Dr. Gerhard Schmidberger die Belegabteilung seit Jahren am Laufen. Ein eingespieltes Team, allerdings nur noch auf Zeit. Denn es steht bereits seit längerem fest, dass Schmidberger altersbedingt seine Tätigkeit als Belegarzt aufgeben und sich nur noch auf seine Praxis konzentrieren will. Doch die Suche nach einem Nachfolger erwies sich in den vergangenen Monaten als aussichtslos. Bereitschafts-Dienst rund um die Uhr, dazu hohe Haftpflichtbeiträge von über 50 000 Euro pro Jahr, machen den Job wenig attraktiv. „Es gibt weit und breit niemanden, der als Belegarzt in der Geburtshilfe arbeiten will“, sagt Dr. Solveig Groß, die seit November die Hauptabteilung in Weilheim als Chefärztin leitet.

Zu viel Arbeit für nur zwei Ärzte

Einen Ersatz für Schmidberger aber braucht es, zu zweit ist das Arbeitspensum bei über 400 Geburten pro Jahr nicht zu schaffen. Das weiß auch Groß. Damit die Geburtshilfe in Schongau eine Zukunft hat, soll sie daher analog zu Weilheim zu einer Hauptabteilung umgestaltet werden. Die beiden niedergelassenen Frauenärzte Jürgen Karbach und Marlene Schweyer könnten im neuen System als Oberärzte fungieren, gleichzeitig aber ihre Praxen weiter betreiben. „Wir wollen sie auf jeden Fall einbinden“, erklärt Groß, die selbst als Chefärztin für beide Hauptabteilungen zuständig sein wird. Damit rund um die Uhr Personal im Krankenhaus zur Verfügung steht und die zeitliche Belastung auf mehr Schultern verteilt wird, sollen zusätzlich mindestens fünf Assistenz­ärzte eingestellt werden. Erste Gespräche habe man bereits geführt, verrät Groß, die daher zuversichtlich ist, die Posten binnen dieses Jahres adäquat besetzen zu können.

Kosten für den Landkreis steigen

Für den Landkreis als Träger der Krankenhaus GmbH ist der Systemwechsel mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Dabei ist die Geburtshilfe schon jetzt ein Zuschussgeschäft. Jedes neue Hüftgelenk bringe den Kliniken mehr ein als die Geburt eines Menschen, kritisiert Groß die geringe finanzielle Vergütung durch die Krankenkassen. Das jährliche Defizit für beide Abteilungen beläuft sich laut Krankenhaus GmbH-Sprecherin Ida Berndt auf eine hohe sechsstellige Summe. Doch der politische Wille sei da, die roten Zahlen in Kauf zu nehmen, betont die Chefärztin. „Die Landrätin steht unerschütterlich hinter dem Erhalt der Geburtshilfe in beiden Kliniken.“ Zumal der Landkreis erst vor wenigen Jahren viel Geld in den Neubau der Schongauer Geburtsstation investiert hat.

Ein Name für beide Standorte

Die beiden Standorte sollen nach dem Abschluss der Umstrukturierung übrigens noch enger zusammenwachsen und künftig unter dem gemeinsamen Namen „Frauenklinik Weilheim-Schongau“ auftreten. Auch inhaltlich will Groß neue Schwerpunkte setzen. „Wir wollen weg von der Geburtsmedizin hin zur Geburtshilfe.“ Das bedeute, die werdenden Mütter zu ermutigen und zu unterstützen, bei der Geburt den natürlichen Weg zu gehen. Dabei spielen auch die Hebammen eine wichtige Rolle. „In diesem Bereich sind wir gut aufgestellt“, sagt die Chefärztin, die sowohl in der Lechstadt als auch in Weilheim auf ein erfahrenes Team zurückgreifen kann.

Christoph Peters

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