Historisches Seminar:

Die Geschichte kennen

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Das historische Seminar ist eine Kooperation zwischen der Fachschaft Geschichte (Willi Funke, links) und dem historischen Verein Schongaus um Heidemarie Krauthauf (rechts). Diesmal stellten Loki Forster, Sebastian Waldhör und Fanny Obmann sowie Aysegül Celik und Selina Krasnic ihre Arbeiten vor.

Schongau – Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft besser gestalten. Unter diese Maxime kann man Zitate bedeutender Dichter und Denker wie Goethe oder Humboldt subsummieren. Und in der Tat muss man die Geschichte, etwa des Staates Israel, kennen, um die aktuelle Situation zu verstehen und wie es dort weitergehen könnte. Eine Vorarbeit dazu geleistet haben drei Schülerinnen des Welfengymnasiums, die sich explizit in ihren wissenschaftlichen Seminararbeiten mit Israel und den Kurden beschäftigt haben. Vorgestellt wurde beim historischen Seminar auch eine P-Seminararbeit, dabei wurden Audioguides entwickelt.

Israel oder vielmehr die Spannungen zwischen den dort lebenden Juden auf der einen und den Palästinensern auf der anderen Seite ist ständig präsent in den Medien. Es sind Bilder von Anti-Israel-Demonstrationen, die Selina Krasnic an den Beginn ihres Vortrags stellt und der auf erschreckende Weise die Ressentiments der arabischen Nachbarn Israels belegt und zeigt, dass man im Nahen Osten noch weit entfernt ist von einer friedlichen Lösung.

Das ist auch die Frage, mit der sich Krasnic beschäftigt: Ist ein Frieden in Israel überhaupt noch möglich? Dazu muss man sich aber, wie es ihre Mitschülerin Loki Forster getan hat, mit der Geschichte beschäftigen. Für ihre Seminararbeit, bei der das wissenschaftliche Arbeiten gefördert werden soll, hatte Loki Forster die Geschichte der Juden über die Jahrhunderte aufgearbeitet, die immer wiederkehrende Vertreibung thematisiert und auch die verschiedenen Strömungen innerhalb der jüdischen Gemeinde beschrieben.

Sogar mit der Geheimdiplomatie der Ententemächte im ersten Weltkrieg, vor allem Großbritanniens und den daraus resultierenden Verwicklungen hatte sich Forster beschäftigt. Hatte man 1947 den 600.000 Juden 56 Prozent der Fläche Palästinas zugesprochen, erhielten die mehr als 1,3 Millionen Palästinenser weniger als die Hälfte des Landes, ein Prozent wurde Jerusalem unter internationaler Verwaltung zugestanden. Mit der Folge, dass noch während der Gründung des Staates der erste Krieg ausbrach und unter dem ersten Premier Israels, David Ben Gurion noch die Grenzen verschoben werden.

Während für Loki Forster das Fazit lautet, dass es kein klares Opfer gebe, weil das eine Volk schon immer Anspruch auf das Land gehabt habe. Während das andere das volklose Land im Laufe der Jahrhunderte besiedelte, hatte Selina Krasnic den Part, aus diesen Schlussfolgerungen auf die Zukunft zu schließen. Das Problem, so Krasnic: „Beide Völker bestehen auf demselben Territorium“. Wobei beide Seiten zuerst an sich dächten und Themen wie Eigenstaatlichkeit und Demokratie nicht angesprochen würden. Auch, dass man den Terrorismus nicht unter Kontrolle bekommt, verhindert nach wie vor eine friedlichere Lösung. „Aber es fehlt auf beiden Seiten die Bereitschaft, den Konflikt zu beruhigen“, so Krasnic.

Ähnlich könnte das Fazit auch in einem anderen „Konflikt“ lauten, der sich ebenfalls schon seit über 100 Jahren hinzieht. Dabei geht es um eine Volksgruppe, die ähnlich den Juden ohne Land dasteht: Kurdistan. Zwar in Deutschland geboren, fühlt sich Aysegül Celik aber als eine von 30 Millionen, wie die junge Frau meint, als Kurdin. Mit gebotener Vorsicht, immerhin leben noch Angehörige ihrer Familie in der Türkei, hatte sich die Schülerin mit der Geschichte ihres Volkes auseinandergesetzt und den Zuhörern vor allem die Probleme geschildert, die sich für ihr Volk ergäben. So werde etwa die Infrastruktur in ihrem Heimatdorf vernachlässigt, kümmert sich der türkische Staat nicht um die Volksgruppe und deren Belange innerhalb der Türkei. Doch damit beginnen die Probleme erst, erstreckt sich doch das einstige Stammesgebiet auf die heutigen Staaten der Türkei, des Iran und Iraks sowie Syriens.

Für ihre Arbeit hatte sich die junge Kurdin mit den Ursprüngen beschäftigt, als während bzw. nach dem ersten Weltkrieg das Kurdische Volk mit der Türkei paktiert und schon damals Versäumnisse begangen werden. Auch die Zusammenarbeit mit dem späteren Staatsgründer Mustafa Kemal (Atatürk, dem Begründer der modernen, laizistischen Türkei) bringt den Kurden nur Nachteile, insbesondere, weil Mustafa Kemal die türkische Nation an die westliche Zivilisation anschließen will, wie Celik recherchiert hat. Dabei ist die kurdische Identität nur im Weg. In den Nachbarländern gibt es ebenfalls keine Autonomie für die Kurden, mal, weil es im Islam keine Minderheiten und deshalb keine Sonderstellungen geben darf, mal, weil man befürchtet, weitere Minderheiten könnte Rechte einfordern.

Um das Thema Heimat ging es auch beim Praxisseminar von Fanny Obmann, Sebastian Waldhör und Stefan Tscherner. Die drei Gymnasiasten hatten für die Herzogsägmühle einen Audioguide erarbeitet. Für vier ausgewählte Punkte im Sozialdorf wurden Texte eingesprochen, die auf die Geschichte der Herzog­sägmühle eingehen und diese beschreiben. Mit kleinen Szenen und Beschreibungen kann der Zuhörer in die Geschichte eintauchen, anhören kann man sich die Audioguides vor Ort auf Tablets oder im Internet.

Für alle Beteiligten gab es auch heuer wieder einen Büchergutschein aus der Hand von Heidemarie Krauthauf, der Vorsitzenden des Historischen Vereins Schongau. Zum sechsten Mal hatte das Welfengymnasium mit dem Verein kooperiert und Themen ausgewählt, die auch im Historischen Jahrbuch erwähnt werden bzw. in die Bibliothek des Vereins Aufnahme finden.

Oliver Sommer

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