Schongauer Hexenprozess

63 Rosenstöcke als Erinnerung

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Die Rosen im Heiliggeist-Garten blühen schon. Jetzt fehlen nur noch die Namensschilder.

Schongau – Es ist eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Schongaus. Mindestens 63 Opfer forderte Bayerns größter Hexenprozess, der von 1589 bis 1592 in der Lechstadt stattfand. Schon vor zwei Jahren setzte sich Bettina Buresch dafür ein, die Erinnerung an die hingerichteten Frauen mit einem Rosengarten wachzuhalten. Seither war es still geworden um das Projekt der ALS-Stadträtin. Jetzt soll es endgültig umgesetzt werden.

Beim ersten Anlauf vor zwei Jahren hatte Buresch mit ihrem Vorschlag keine offenen Türen bei eingerannt. Ihre Idee, 63 Rosenstöcke für jede ermordete Frau zu pflanzen und – wenn bekannt – mit einem Schild ihres Namens zu versehen, stieß bei der Diskussion im Stadtrat gleich in mehreren Punkten auf Ablehnung. 

Stadtförster Klaus Thien sorgte sich wie auch der damalige Stadtrat Hans Hartung um die aufwändige und teure Pflege. Stadtheimatpfleger Helmut Schmidbauer kritisierte, dass die Stadt mit einer Statue im Ballenhaus bereits über ein Denkmal verfüge, dass an die Hexenprozesse erinnere. Ein weiteres sei daher überflüssig. Letztendlich einigte man sich darauf, dass Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl sich mit allen Parteien zusammensetzen und eine Lösung suchen werde. Geschehen ist das allerdings laut Buresch nicht. 

Aufgegeben hat sie ihr Vorhaben deswegen aber nicht. Stattdessen suchte die ALS-Stadträtin nach Sponsoren, die die Kosten für die Beschilderung übernehmen würden und wurde fündig. Auch für die Pflege präsentierte Buresch in der jüngsten Stadtratssitzung eine Lösung. Sie sei durch ehrenamtliche Paten gewährleistet, erklärte sie. Unter den Freiwilligen seien nicht nur Schongauer, sondern auch Bürger anderer Gemeinden, die ebenfalls in dem Hexenprozess Opfer zu beklagen hatten.

Eine „klasse Sache“, befand SPD-Stadträtin Barbara Karg – wenn es denn funkioniere. „Nichts ist schlimmer als ein ungepflegtes Beet“, gab sie zu bedenken. Das tät es, versicherte Buresch. Zumal die Paten sich ausschließlich ums Jäten kümmern müssten. „Das Beschneiden und das Abdecken im Winter übernimmt die Stadt.“ 

Auch Stadtförster Klaus Thien hatte diesmal keine Einwände. „Ich kann das Engagement nur begrüßen“, sagte er. Zumal auf die Stadt keine Zusatzkosten zukommen, da die Rosen im Karmeliterhof eh hatten ausgetauscht werden müssen. 

Selbst Schmidbauer konnte sich mit der neuen Erinnerungsstätte nun anfreunden. Sowohl Ort, als auch die Idee der Namensschilder gefalle ihm gut, schrieb der Kreisheimatpfleger in einem Brief an die Stadt. Er regte darin auch an, die Statue im Ballenhaus am neuen Rosengarten aufzustellen. Ein Vorschlag, den Bürgermeister Falk Sluyterman („die Figur ist meines Wissens nicht für draußen geeignet“) allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgreifen wollte. 

Einstimmig machte das Gremium schließlich den Weg für die neue Erinnerungsstätte frei.

Christoph Peters

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