Kampfhund-Diskussion

Erziehung, die Leben retten kann

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Drei Rottweiler sind in Schongau gemeldet. Zwischenfälle sind der Stadt keine bekannt.

Schongau – Ein um sich beißender Rottweiler hat am Wochenende fünf Personen in München verletzt, er wurde erschossen. Erst im April hatte der Fall des Staffordshire-Mischlings Chico, der zwei Menschen tötete, die Debatte rund um landläufig als solche bekannten Kampfhunde angeheizt. Doch wie viele Tiere derart eingestufter Rassen gibt es eigentlich in Schongau? Und treten diese problematisch in Erscheinung?

Welche Rassen der Gesetzgeber in Bayern als gesteigert aggressiv und gefährlich erachtet, regelt eine Liste, die zwischen zwei Kampfhund-Kategorien unterscheidet. Rassen, denen Aggressivität und Gefährlichkeit unwiderlegbar unterstellt werden, fallen in Kategorie 1. Für Einzeltiere der Kategorie 2 besteht dagegen die Möglichkeit, mittels eines Gutachtens ein Negativzeugnis zu erhalten, das Harmlosigkeit bescheinigt. Hier ist der Vorwurf der Aggressivität und Gefährlichkeit also widerlegbar.

In Schongau selbst ist kein Kampfhund der Kategorie 1 gemeldet. „Ganz selten kommen Anfragen rein, die letzte ist schon Jahre her“, sagt Heide Strommer, die bei der Stadt für die Hundesteuer zuständig ist. Unter Kategorie 2 fallen drei in Schongau lebende Rottweiler. Ihr Negativ­zeugnis liegt vor; insgesamt ist Strommer aus den letzten Jahren kein Zwischenfall bekannt, bei dem ein Hund, dessen Rasse gelistet ist, auffällig wurde.

Etwas anders verhält es sich beim Blick auf den kompletten Landkreis. 25 Tiere der Kategorie 2 lebten 2017 hier (2016: 20; 2015: 17). Darunter sind die Rassen Bullterrier einmal, Cane Corso zweimal, Mastiff einmal, Perro de Presa Canario zweimal und Bordeauxdoggen zweimal vertreten. 16 Rottweiler waren im Landkreis gemeldet. 2016 verletzte ein Rottweiler einen Menschen, 2017 ging ein Cane Corso auf ein anderes Tier los – das zumindest sind die Zahlen, die Walter Weber vom Amt für Öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landratsamts vorliegen.

Einer, der eine geteilte Meinung dazu hat, ob es sinnvoll ist, die Vierbeiner in problematische und weniger problematische Kategorien einzuteilen, ist Hundetrainer Michael Meyer von der Schongauer Hundeschule Dog-Handling. „Jeder Fall ist ein Einzelfall“, ist er überzeugt. Das Außer-Kontrolle-Geraten eines Hundes sei stets Resultat der „situativen Umstände“ – und „einzig und allein“ der Hundehalter dafür verantwortlich zu machen. Aggression sei nicht vererbbar, so Meyers Standpunkt. Erregbarkeit dagegen schon.

Ganz entscheidend sei aber, wie das Tier in der fünften bis achten Lebenswoche geprägt werde. Und es um die Erziehung und das Verhältnis zum Herrchen und Frauchen hernach bestellt sei. Dass die Kategorisierung bundesweit uneinheitlich ist – Bayern gilt als streng, während andere Länder ganz darauf verzichten – ließe Nachvollziehbarkeit vermissen.

Doch es gibt Meyers Einschätzung nach auch Vorzüge. Denn ein außer Kontrolle geratener Zehnpfünder sei eben einfacher zu bändigen, als ein größeres Kaliber – und die Folgen weniger verheerend. „Es spielt schon eine Rolle, ob ein Mops oder ein Rottweiler hinter mir her ist“, so der Experte. Die Listen und ihre Auflagen erschwerten die Anschaffung – sie erlaube nicht jedem jeden Hund zu halten. Das sei sinnvoll, stigmatisiere aber auch Rassen, findet Meyer, der für die Einführung eines Hundeführerscheins plädiert.

„Sehr sinnvoll“ findet Strommer die bayerischen Rasselisten. Die Regelung helfe, Risiken für die Bevölkerung einzudämmen. Die bürokratischen Hürden zu meistern, nähmen häufig nur erfahrene Hundehalter auf sich. Doch Strommer stellt auch klar: „Wir haben mit keiner einzelnen Rasse ein Problem.“

ras

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