Schongauer Initiative: 

Immer wieder Nepal

Dietzel Nepal WGS
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Veronika Dietzel verteilt an jedes Kind einen der Pullover, die von den Schülerinnen und Schülern des Welfen Gymnasiums gestaltet wurden.
  • VonHans-Helmut Herold
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Schongau – Der Schongauer Erwin Höpfl baute 1996 mit der Deutschen Tibethilfe in Nepal im Manang Tal auf 3.300 Metern Höhe die Lophel Ling School für Flüchtlingskinder aus Tibet auf. Dafür wurde er 2005 vom Dalai Lama geehrt. Die Aufgabe und auch Faszination, diesen Kindern zu helfen und den von Höpfl gegründeten Verein zu unterstützen, hat sich seit 2016 Veronika Dietzel (37) auf die Fahnen geschrieben. Die Lehrerin am Welfen Gymnasium hat jetzt zum dritten Mal diese Schule besucht. 

„Ich habe ein Bewusstsein entwickelt, wie schön das Leben sein kann, ohne dass man viel Besitz hat.“ Nachdenkliche Worte einer jungen Frau, die nach einer Reise aus Nepal ihre wenigen Andenken vor sich auf dem Tisch liegen hat. Zwei Gebetsfahnen, ein Gefäß für Räucherstäbchen, zwei Klangschalen. Erinnerungen an Tage in diesem abgelegenen Teil der Welt. Die gemeinsamen Stunden mit den Kindern der Lophel Ling School, die hier unter einfachsten Verhältnissen leben, haben sie berührt. Und – sie konnte viel von diesen Kindern lernen.

Mit einem Projektseminar am Welfen Gymnasium fing 2016 alles an. Veronika Dietzel trat mit 14 Schülerinnen und Schülern den langen Weg in das Manang Tal an. „All inclusive“ – vor allem inklusive vieler Strapazen. Einige Kilometer vom Flugplatz Kathmandu aus mit dem Taxi, dann gute 60 Kilometer mit dem geländegängigen Jeep. Härtetest für Knochenbau und Magen. Die letzten Kilometer dann in etappenweisem Fußmarsch mit Übernachtungen in kleinen Hütten. „Man musste seinen Körper Schritt für Schritt an die Anstrengungen in dieser Höhe gewöhnen.“ Die Gruppe erlebte unvergessliche Tage. Das Ergebnis: 2018 wiederholte Veronika Dietzel mit einer zweiten Gruppe das Projekt.

Planung und Vorbereitungen für die dritte Reise im Jahr 2020 waren in trockenen Tüchern. Die WGS-Schüler hatten Sponsoren für Spielsachen geworben. Natürlich auch für Dinge rund um den Schulbetrieb, die bei uns selbstverständlich sind, in Nepal jedoch unvorstellbare Freude auslösen. Das Besondere für alle war ein Kapuzenpullover mit selbst entworfenem Logo: ein Welf und ein Yeti, die eine lange Gebetsfahne in den Händen halten. Darauf die Buchstaben LBSRHWGS für Lophel Ling Boarding School Rangeen Home Welfen Gymnasium Schongau. Für jedes Kind und jeden Schüler wurde ein Pullover vorbereitet. Fast 50 an der Zahl.

Rückkehr im Sabbatjahr

Dann kam Corona. Es durfte nicht gereist werden. Doch Veronika Dietzel will unbedingt nach Nepal, will all die Kinder, die sich dort auf sie freuen, nicht enttäuschen. Sie legt ein Sabbatjahr ein und startet Richtung Nepal. Im Gepäck die Dinge, die ihre Schüler gesammelt haben.

München – Katar – Kathmandu: Nach diesen 18 Stunden Flug die restlichen 260 Kilometer per Taxi, Jeep und zu Fuß. Abenteuerliche Pfade, bewegende Eindrücke mit traumhaften Ausblicken am Anfang des Annapurna-Gebirges auf ein karges felsiges Manang Tal mit faszinierenden Schluchten. Mutterseelenallein in ihrer eigenen Gedankenwelt setzt Veronika Schritt für Schritt in Richtung „Schule des erwachenden Geistes“, so die Übersetzung der Lophel Ling School.

Die Freude des Schulleiters Gonpo und seiner vier Kollegen samt Koch und Kindermädchen, Veronika begrüßen zu dürfen, ist riesig. Unbeschreiblich die Begeisterung der Kinder. Und es kommt, wie es kommen muss: „Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Veronika und zeigt gleichzeitig ein Foto ihres Herzbuben. Babu Tsering ist fünf Jahre alt, lebt wie die anderen Kinder neun Monate in dem Gebäude der Schule, die drei strengen Wintermonate Dezember bis Februar darf er zu seiner Familie. Für diesen kleinen Herzensbrecher hat Veronika seit Juni 2021 die Patenschaft übernommen. Sie überweist für ihn pro Monat 35 Euro; dafür werden Essen, Schulbücher und Material für ihn und natürlich das Gehalt der Lehrer abgedeckt. Nicht zu vergessen die Unterhaltskosten für das Gebäude. Und da schaut es derzeit ganz schlecht aus.

Schule baufällig

Bei einer gründlichen Begutachtung des Gebäudes wurden Schäden festgestellt, die nicht nur provisorisch gerichtet werden können. Vor allem das Dach ist total undicht. Dazu kommen viele verrostete Wasserleitungen. Ein Betrag um die 60.000 Euro wäre bitter nötig, um die Schäden zu reparieren. Dazu will Veronikas „Nepal-Partner“ Stephan Baur aus Geretsried, der sich mit ihr voll für die Stiftung einsetzt, selbst Hand anlegen und bei den Arbeiten tatkräftig zupacken.

Starke Monsunregenfälle mit Erdrutschen haben auch den „normalen“ Direktweg für die Versorgung unpassierbar gemacht. So müssen Nahrungsmittel und nötigste Dinge mit Mulis über den 5.410 Meter hohen Thorougla-Pass zur tiefer gelegenen Schule transportiert werden.

Eigentlich waren nur gute drei Wochen Aufenthalt für Veronika geplant, aber auch hier hat Corona dazwischengefunkt. Alle internationalen Flüge von Kathmandu wurden gestrichen. Auch ihr Rückflug. Sehr zur Freude der Kinder, die ihre „Vroni“ in kurzer Zeit liebgewonnen hatten.

Die Verteilaktion der Pullover war natürlich eine überaus geglückte Aktion. Dadurch wurde kein Kind benachteiligt. Alle tragen mit Stolz das Geschenk der Schüler des Welfen Gymnasiums, als sich Veronika Dietzel nach fast zwei Monaten unfreiwilliger Verlängerung verabschieden muss. Eins ist sicher, sie wird wiederkommen, auf alle Fälle. Allein schon, um ihren Herzbuben Babu Tsering wieder in die Arme schließen zu können.

Wer die Nepal Initiative Schongau e.V. finanziell unterstützen möchte, kann das tun: Spendenkonto IBAN DE96 7205 0000 0251 5594 23. Weitere Informationen unter www.nepal-initiative.de.

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